22.09.2011, 09:58 Uhr
Trotz massiver internationaler Proteste ist im US-Bundesstaat Georgia der wegen Mordes verurteilte Troy Davis hingerichtet worden.
Trotz weltweiter Proteste ist der wegen Polizistenmordes verurteilte Amerikaner Troy Davis am Mittwochabend (Ortszeit) im US-Staat Georgia hingerichtet worden. Davis, der 20 Jahre lang in der Todeszelle saß und unaufhörlich seine Unschuld beteuerte, starb im Staatsgefängnis Jackson durch die Giftspritze.
"Alles was ich fordere ist, dass ihr diesen Fall eingehender untersucht, damit ihr am Ende die Wahrheit erkennt", sagte Davis unmittelbar vor seiner Hinrichtung. An die Gefängniswärter gewandt sagte der 42-Jährige, "möge Gott Erbarmen mit euren Seelen haben".
Bis zuletzt hatten die Anwälte des 42-Jährigen für einen Aufschub der Exekution gekämpft. Als letztes Mittel riefen sie keine halbe Stunde vor dem Hinrichtungstermin den obersten Gerichtshof in Washington an.
Die neun Richter des Supreme Courts benötigten mehrere Stunden, um den Antrag der Verteidigung abzulehnen. In der Zeit warteten Hunderte Menschen gebannt vor dem Gefängnis. Sie protestierten mit Schildern und Sprechchören, riefen immer wieder "Todesstrafe? Zur Hölle nein!" und "Befreit Troy Davis", wie Fernsehbilder zeigten. Ein ungewöhnlich großes Aufgebot von Polizisten in Kampfausrüstung beobachtete die Lage.
Trotz massiver internationaler Proteste ist im US-Bundesstaat Georgia der wegen Mordes verurteilte Troy Davis hingerichtet worden. zum Video
Auch vor dem Weißen Haus in Washington hatten zuvor rund hundert Menschen für Davis demonstriert. Prominente wie der Musiker Sean Diddy Combs ("P. Diddy") und das Starlet Kim Kardashian sprachen sich am Mittwoch im Kurznachrichtendienst "Twitter" gegen seine Tötung aus.
Davis soll 1989 in Savannah (Georgia) einen jungen Polizeibeamten umgebracht haben, der einem am Boden liegenden Obdachlosen helfen wollte. Die meisten Hauptzeugen hatten seit dem Mordprozess im Jahr 1991 ihre Aussage widerrufen oder geändert. Zudem tauchten neue Zeugen auf, nach deren Angaben sich ein anderer Mann zu der Tat bekannt hat. Die Tatwaffe war nie gefunden worden. Es gab auch keine physischen Beweise wie Genspuren für Davis' Schuld.
Menschen in allen Teilen der Welt hatten sich für eine des heute 42-Jährigen eingesetzt. Fast eine Million unterzeichneten eine Petition, die Gnade für Davis forderte. Auch Papst Benedikt XVI, der ehemalige US-Präsident Jimmy Carter, der südafrikanische Erzbischof Desmond Tutu, der französische Staat und zahlreiche US-Kongressabgeordnete setzten sich für Davis ein.
Dennoch lehnte es der zuständige Justizausschuss in Georgia wenige Stunden vor der Hinrichtung erneut ab, Davis zu begnadigen. Seine Anwälte scheiterten am Mittwoch auch mit dem Angebot eines Lügendetektortests ihres Mandanten: Die Gefängnisverwaltung lehnte das ab. Der Supreme Court hielt die Entscheidung aufrecht.
Ursprünglich sollte Davis bereits im Juli 2007 hingerichtet werden. Ein Begnadigungsausschuss gewährte jedoch weniger als 24 Stunden vor dem geplanten Vollstreckungstermin einen Aufschub. Ein Jahr später schritt der Oberste Gerichtshof ein und stoppte die Hinrichtung weniger als zwei Stunden, bevor er die Giftspritze erhalten sollte. Ein Berufungsgericht verhinderte eine weitere geplante Hinrichtung wenige Monate später.
Im vergangenen Jahr gab der Oberste Gerichtshof der USA Davis die Chance, seine Unschuld zu beweisen. Seine Anwälte konnten die Bundesrichter allerdings nicht davon überzeugen, seinen Fall neu zu verhandeln. Auch das oberste Berufungsgericht und der Oberste Gerichtshof des Staates Georgia hielten das Todesurteil aufrecht.
Stunden vor seiner Hinrichtung hatte Davis in einer Botschaft an seine Unterstützer dazu aufgerufen, auch nach seinem Tode weiter daran zu arbeiten, seine Unschuld zu beweisen - und die anderer Gefangener. "Dieser Kampf für Gerechtigkeit endet nicht mit mir", hieß es in einem Brief, den "Amnesty International USA" veröffentlichte.
Auch in Texas wurde am Mittwochabend ein Häftling durch eine Giftinjektion hingerichtet. Lawrence Brewer, der einer weißen Rassistenorganisation angehörte, hatte 1998 in der Stadt Jasper einen Schwarzen an einen Kleinlaster gekettet und ihn zu Tode geschleift. Das Verbrechen hatte über die USA hinaus Abscheu ausgelöst. Neben Brewer wurde ein zweiter Mann wegen der Tat zum Tode verurteilt; seine Berufungsverfahren laufen noch. Ein dritter Komplize verbüßt eine lebenslange Haft.
Quelle: dapd , dpa
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