22.09.2011, 09:12 Uhr
Troy Davis soll vor 20 Jahren einen Polizisten erschossen haben (Quelle: dapd)
Die Anwälte des als Polizistenmörder verurteilten Häftlings Troy Davis im US-Bundesstaat Georgia wollen dessen für den heutigen Tag 19 Uhr Ortszeit (Donnerstag 1 Uhr MESZ) geplante Hinrichtung in letzter Minute verhindern. Sie kündigten an, vor Gericht einen Antrag auf Hinrichtungsstopp einreichen zu wollen. In dem Antrag werde geltend gemacht, dass ballistische Untersuchungen, die Davis mit dem Mord in Verbindung brachten, fehlerhaft seien, erklärte Anwalt Brian Kammer.
Die Justizbehörden im US-Staat Georgia lehnten einen Lügendetektortest von Davis ab. Sein Anwalt Stephen Marsh sagte, sein entsprechender Antrag sei abgewiesen worden
Marsh hatte zuvor erklärt, sein Mandant sei zu einem Lügendetektortest bereit, wenn der Begnadigungsausschuss das Ergebnis berücksichtigen werde. "Er will nicht drei Stunden getrennt von seiner Familie verbringen an dem Tag, der möglicherweise der letzte seines Lebens sein könnte, wenn es keinen Unterschied macht", sagte Verteidiger Stephen Marsh.
Eine Henkersmahlzeit lehnte Davis ab. Er wollte die letzten Stunden mit seinen Angehörigen, Freunden und Anhängern verbringen.
Davis soll 1989 einen Polizisten erschossen haben. Dessen Anwälte erklärten jedoch, ihr Mandant sei Opfer einer Verwechslung geworden. Wegen der Zweifel an seiner Schuld sprach sich neben dem früheren US-Präsidenten Jimmy Carter, Papst Benedikt XVI. und dem südafrikanischen Erzbischof Desmond Tutu auch die Europäische Union gegen eine Vollstreckung aus.
Hunderttausende Menschen in der ganzen Welt sprachen ihm ihre Unterstützung aus. Einige forderten die Gefängnismitarbeiter auf, zu streiken oder sich Krank zu melden. Sie erwogen sogar, das Weiße Haus in letzter Minute um eine Intervention zu bitten. Mehrere europäische Parlamentarier und Menschenrechtsaktivisten appellierten noch einmal an den US-Staat Georgia, die Hinrichtung zu stoppen.
In Savannah soll Davis den Polizisten Mark MacPhail getötet haben, der zum Zeitpunkt der Tat nicht im Dienst war und als Wachmann arbeitete. Er wurde erschossen, als er einem Obdachlosen zur Hilfe kam, der angegriffen worden war. Augenzeugen identifizierten Davis als den Schützen. Patronenhülsen vom Tatort wurden mit der Schießerei in Verbindung gebracht, für die Davis verurteilt worden war. Allerdings gab es keine Blut- und DNA-Spuren. Auch die Tatwaffe wurde nie gefunden.
Die Staatsanwaltschaft zeigte sich von seiner Schuld überzeugt. Sieben der neun Zeugen, die 1991 gegen Davis aussagten, haben mittlerweile ihre Aussagen ganz oder in Teilen widerrufen. Andere Zeugen, die nicht vor Gericht gehört wurden, sagten, ein anderer Mann habe die Tat zugegeben.
Ursprünglich sollte Davis bereits im Juli 2007 hingerichtet werden. Der Begnadigungsausschuss gewährte jedoch weniger als 24 Stunden vor dem geplanten Vollstreckungstermin einen Aufschub. Ein Jahr später schritt der Oberste Gerichtshof ein und stoppte die Hinrichtung weniger als zwei Stunden, bevor er die Giftspritze erhalten sollte. Ein Berufungsgericht verhinderte eine weitere geplante Hinrichtung wenige Monate später.
Im vergangenen Jahr gab der Oberste Gerichtshof der USA Davis die Chance, seine Unschuld zu beweisen. Seine Anwälte konnten die Bundesrichter allerdings nicht davon überzeugen, den Fall neu zu verhandeln. Auch das oberste Berufungsgericht und der Oberste Gerichtshof des Staates Georgia hielten das Todesurteil aufrecht.
Die Familie des getöteten Polizisten sprach sich gegen eine Begnadigung aus. "Er hatte genug Zeit, seine Unschuld zu beweisen", sagte MacPhails Witwe Joan MacPhail-Harris. "Und er ist nicht unschuldig."
Quelle: dapd
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