Startseite Jetzt online bestellen und 10% Rabatt sichern

Sie sind hier: Home > Nachrichten > Wissen >

Tourismus in der Arktis: Fluch und Segen für die Forscher

...

Fluch und Segen für die Forscher in der Arktis

06.07.2009, 12:50 Uhr | Von Pierre-Henry Deshayes, AFP

Sie spielen nicht nur Golf, sie bringen auch die Forschungsarbeit durcheinander: Touristen in Spitzbergen (Foto: AFP) Sie spielen nicht nur Golf, sie bringen auch die Forschungsarbeit durcheinander: Touristen in Spitzbergen (Foto: AFP)

Der zunehmende Tourismus in der Polarregion ist ein Fluch und ein Segen zugleich für die eisigkalte Gegend. Vor allem Wissenschaftler leiden: Die Kreuzfahrtschiffe bringen ihre sensiblen Geräte durcheinander.

Das kleine Dorf Ny-Aalesund auf Spitzbergen ist fest in der Hand internationaler Polarforscher. Bis zu 180 Leute leben hier im hohen Norden, und der Frieden zwischen Fjorden und Bergen wird höchstens gelegentlich vom Lärm der Motorschlitten gestört.

Regelrecht überschwemmt

Im Sommer jedoch ist es mit der Idylle vorbei: Dann wird die Forschungsstation an manchen Tagen von 2000 bis 3000 Touristen überschwemmt, die auf Kreuzfahrten durchs Nordmeer hier einen Zwischenstopp einlegen. Für die kleine Gemeinde sind die Besucher Fluch und Segen zugleich: "Mehr Touristen, das heißt mehr Geld, aber auch mehr Verschmutzung", weiß Bendik Eithun Halgunset, wissenschaftlicher Berater der Firma Kings Bay, die die Forschungsstation auf norwegischem Staatsgebiet betreibt.

20-mal mehr Touristen

"Es ist ein bisschen unwirklich", sagt Dorothea Schulze, eine deutsche Ingenieurin, die am norwegischen Polarinstitut arbeitet. "Plötzlich haben wir dann 20-mal mehr Touristen als Forscher hier." Jedes Kreuzfahrtschiff führt zu einem Anstieg der Kohlendioxid-Emissionen in dem Gebiet, was die sensiblen Klima-Messungen der Arktisstation durcheinanderbringt. Die Passagierschiffe können an einem einzigen Tag mehr Emissionen ausstoßen als das dieselbetriebene Kraftwerk für die Versorgung des Dorfes in einem ganzen Jahr.

Schwieriger auszuwerten

"Die Besucher selbst beeinflussen die wissenschaftlichen Arbeiten nicht direkt, aber ihre Schiffe verschmutzen die Umwelt", sagt Marcus Schumacher, der Direktor des deutsch-französischen Forschungsinstituts Avipev, das vor allem Klimamessungen vornimmt. "Unsere Daten sind dann schwieriger auszuwerten."

Falsche Vorstellungen

Während ihres Aufenthalts bei den Arktisforschern dürfen sich die Kreuzfahrttouristen nicht von der Station entfernen. Gefahr droht durch Eisbären, die sich wegen der Robbenkadaver, die an die Hunde verfüttert werden, in der Gegend herumtreiben. Einige Touristen, vor allem Rentner aus den USA und Europa, kommen mit unklaren Vorstellungen nach Ny-Aalesund: "Wir hatten auch schon Besucher, die uns Äpfel geschenkt haben", berichtet Halgunset. Offenbar waren die Besucher der Ansicht, der Ort sei von der Außenwelt abgeschnitten.

Urlauber im Schlafzimmer

"Oder sie füttern die Polarfüchse, oder sie fassen millionenteure Ausrüstung an, oder sie nehmen Ausgrabungsstücke mit", listet Polarforscher Halgunset die Sünden auf. Manche Touristen seien auch schon in die Wohnhäuser der Forscher spaziert, weil die Türen in Ny-Aalesund nicht verschlossen sind: "Wir hatten Besucher, die in unsere Schlafzimmer kamen und Fotos machten."

Unverzichtbares Geld

Trotz allem sind die Einnahmen aus dem Tourismus für die Forscher unverzichtbar. Sie betragen nach Angaben von Kings Bay jährlich umgerechnet im Schnitt 500.000 Euro bei einem Betriebsbudget der Station von 4,3 Millionen Euro. "Das ermöglicht es uns, die Kosten für die Forscher niedrig zu halten", bestätigt Schumacher. Der Touristenstrom vor ihrer Haustür bietet den Wissenschaftlern außerdem die Chance, ihre Arbeit vorzustellen. Andernfalls sind sie möglicherweise dem Vorwurf ausgesetzt, das Geld der Steuerzahler bei undurchsichtigen Projekten in der Abgeschiedenheit der Arktis zu verschwenden.

Nur noch kleine Schiffe?

Nicht zuletzt deshalb sucht Halgunset nach einem Kompromiss: "Eine Lösung wäre vielleicht, das Anlegen großer Dampfer zu verbieten und nur kleine Schiffe zuzulassen, die weniger Passagiere bringen, dafür aber interessiertere", sagt er. "Dann riskiert man aber, dass die großen Kreuzfahrtschiffe an anderen Stellen auf Spitzbergen anlegen. Und dann haben wir sie gar nicht mehr unter Kontrolle."


Von Pierre-Henry Deshayes, AFP  

Inhalt versenden Versenden
Leserbrief An die Redaktion
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus.
Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Diese Mail an
mailing-ifrarr
Artikel versenden
Empfänger
Absender
Name
Name
E-Mail
E-Mail
Nachricht
 

"Tourismus in der Arktis: Fluch und Segen für die Forscher" verlinken

Verlinken Sie uns, wenn Ihnen der Artikel "Tourismus in der Arktis: Fluch und Segen für die Forscher" gefallen hat.

 
schließen

Kommentare (0)

zum Forum

Thema: "Tourismus in der Arktis: Fluch und Segen für die Forscher"

Seite:

Kommentar schreiben

Name
Betreff
Kommentar: (Maximal 500 Zeichen)

Bitte füllen Sie alle Felder aus.

Haken

Vielen Dank. Ihr Kommentar wurde versendet!

Kommentar schreiben



Zu diesem Artikel/Thema können keine weiteren Kommentare mehr abgegeben werden.

Kommentar melden

Sie sind der Meinung, dass dieser Kommentar anstößige Inhalte enthält.

 

Haken

Vielen Dank! Ihr Hinweis wurde von der Redaktion entgegengenommen.
mailing-ifrarr

Shopping

Einkaufswelt
14,95 €-Gutschein sichern
Gutschein-Aktion bei KLiNGEL.de

Damenmode in den schönsten Sommerfarben - online bestellen und sparen. bei KLiNGEL.de

Einkaufswelt
Exklusiver Herren-Sale
Exklusiver Daniel Hechter-SALE

Höchste Qualität zum sagenhaft günstigen Preis: Hemden, Jacken u.v.m. von Daniel Hechter. mehr

Einkaufswelt
Passform-Mode für Damen
Premium-Mode mit perfekter Passform - von RAPHAELA by BRAX

Modische Multitalente für Business und Freizeit - für Frauen mit jedem Figur-Typ. zum XXL-Special

Einkaufswelt
Perfekte Hosen für Damen
Die neuen Trends von AtelierGS

Entdecken Sie jetzt die modischen Hosen der Saison – in exzellenter Passform! von AtelierGS


Downloads & Shops

Minus 29%: CutOut PRO
CutOut PRO (Quelle: Softwareload)

Der Meister für feinste Freistellungen und präzise Montagen. mehr

Historische Traktoren
Agrar Simulator: Historische Landmaschinen (Quelle: Koch Media)

Landmaschinen der 50er bis 70er Jahre fahren. Spiel jetzt kaufen

Badeurlaub in Kroatien ab 572,- €/P.
Last Minute bei t-online.de Reisen (Quelle: t-online.de)

1 Woche im 4-Sterne- Hotel mit AI und Flug.


Aus anderen Bereichen

Grandprix: mutiger Auf- tritt von Anke Engelke
Anke Engelke verkündet Aserbaidschan beim Eurovision Song Contest: "Europa beobachtet Dich". (Quelle: dpa)

"Aserbaidschan, Europa beobachtet Dich". mehr

Hells Angels-Boss ist "stinksauer"
Frank Hanebuth, Chef der Hannoveraner Hells Angels, ist über das Vorgehen der Polizei empört (Quelle: dpa)

Rocker beschwert sich über die Razzia. mehr


Anzeigen

Anzeige
Anzeige
Einkaufswelt
Die neuen Kurzarmhemden
Die neuen Kurzarmhemden von Esprit

Lässige Frühjahrshemden im zeitlosen Karo-Muster. mehr

Regionale Nachrichten
News aus Ihrer Region
Nachrichten aus Ihrer Region (Foto: imago)

Aktuelle Meldungen aus den Bundesländern. mehr

Augenblicke
Fotos des Tages
Eine Frau versucht bei den "Redneck Games" in Dublin, einen Schweinefuß mit dem Mund zu fischen. (Quelle: dpa\Erik S. Lesser)

Tierischer Tauchgang. Was sucht diese Frau? mehr

Special
Die neuen Kriege
US-Soldaten beim Einsatz in Afghanistan (Quelle: Reuters)

Moderne Kriegsführung und moderne Waffen. mehr

Aus dem All
Satellitenbild der Woche

Wie Außerirdische die Erde sehen würden. zur Foto-Serie

Quiz
Rätseln Sie sich schlau!
(Montage: t-online.de)

Quiz bei t-online.de: Testen Sie Ihr Wissen. zur Quiz-Seite

Anzeige

Zur breiten Ansicht
© Deutsche Telekom AG 2012

Anzeige