02.01.2008, 16:27 Uhr
Spurensuche an der Babyklappe (Quelle: dpa)Vor der Babyklappe eines Krankenhauses in Hannover ist am Mittwoch ein toter Säugling gefunden worden. Ein Krankenpfleger habe an seinem dienstfreien Tag seiner Freundin die Babyklappe zeigen wollen und dabei den neugeborenen Jungen entdeckt, teilte die Polizei mit. Das Kind lag tot am Ende eines Treppenabgangs zu der Klappe außerhalb des Gebäudes. Die Obduktion ergab, dass der am Mittag gefundene Junge an Unterversorgung beziehungsweise durch Kälteeinfluss starb.
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ChronologieDurch Vernachlässigung getötete Kinder
Keine Spuren von Gewalt
Der Junge sei offensichtlich erst in diesem Jahr zur Welt gekommen, die Nabelschnur sei noch nicht abgetrennt worden. Eine exakte Todesursache habe sich nicht feststellen lassen. Hinweise auf eine Gewalteinwirkung hätten sich nicht ergeben. Die Rechtsmediziner gehen nach Angaben der Polizei davon aus, dass das Kind mehrere Stunden vor der Babyklappe gelegen hat, vermutlich seit der Nacht. Bislang konnte nicht eindeutig geklärt werden, ob der Junge bereits tot abgelegt wurde oder erst an Ort und Stelle gestorben ist.
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Polizei sucht Zeugen
Die Babyklappe wurde versiegelt. Spezialisten des Landeskriminalamtes sollen nun ihre Funktionalität überprüfen. Bei dem toten Säugling wurden mehrere Textilien gefunden - in einem Stoffbeutel befanden sich nach Angaben der Polizei ein weißes langärmeliges T-Shirt sowie ein Frotteetuch. Die Polizei sucht nun Zeugen sowie die Eltern des Kindes.
Landesbischöfin "fassungslos" und erschüttert"
"Ich bin völlig fassungslos und erschüttert", ließ Hannovers Landesbischöfin Margot Käßmann erklären. Die Umstände müssten so schnell wie möglich geklärt werden. Die von der evangelischen Kirche eingerichtete Babyklappe befindet sich abseits gelegen an einem Nebengebäude des Krankenhauses und ist nur über eine Treppe zugänglich. Sie ist Bestandteil eines Hilfsnetzwerkes für Schwangere in Not, für das die Bischöfin die Schirmherrin ist.
Ärzte und Pfleger müssen betreut werden
Nach dem erschütternden Fund kamen der Pfleger und die Ärzte, die vergeblich versuchten, den Säugling wiederzubeleben, in seelsorgerische Betreuung. Seit Schaffung der Babyklappe im Jahr 2001 wurden dort acht Kinder abgegeben. Sie seien adoptiert worden oder in ihre Ursprungsfamilie zurückgekehrt, sagte ein Sprecher der Landeskirche Hannover. Das Netzwerk für Schwangere in Not hat bislang mehr als 800 Frauen in schwieriger Lage unterstützt.
Quelle: dpa
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