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Tote bei schweren Ausschreitungen in Lhasa

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Tote bei schweren Ausschreitungen in Lhasa

14.03.2008, 10:17 Uhr

Wütende Tibeter stecken in Lhasa Autos an (Quelle: Reuters) Wütende Tibeter stecken in Lhasa Autos an (Quelle: Reuters)Bei Protesten in der tibetischen Hauptstadt Lhasa sind am Freitag mehrere Menschen getötet worden. Dies teilte eine Sprecherin der städtischen Notfallzentrale mit. "Es gibt viele Verletzte. Einige sind ganz sicher gestorben, aber ich weiß nicht wie viele", sagte die Sprecherin. Der US-Rundfunksender Radio Free Asia (REA) hatte zuvor unter Berufung auf Augenzeugen berichtet, zwei Menschen seien bei den antichinesischen Protesten in Lhasa getötet worden. Der Dalai Lama, das spirituelle Oberhaupt der Tibeter, ist "tief beunruhigt".

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Feuer und Schüsse in Lhasa

Am Morgen waren in der Altstadt von Lhasa mehrere Brände ausgebrochen, wie auch die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua bestätigt hatte. Nach Angaben der US-Botschaft fielen auch Schüsse. Anlass der Proteste ist der 49. Jahrestag eines Aufstandes in Lhasa gegen die chinesischen Besatzer. Die Lage in dem Himalaya-Gebiet, in manchen Regionen Chinas und in Indien, wo viele Exil-Tibeter leben, war in den vergangenen Tagen bereits sehr angespannt gewesen.

Selbstmordversuch aus Protest

Wütende Tibeter steckten in der Altstadt von Lhasa eine Reihe von Geschäften sowie Polizei- und Feuerwehrwagen in Brand, verprügelten Polizisten und Feuerwehrleute. Aus Protest gegen die chinesische Fremdherrschaft in ihrem Hochland unternahmen zwei Mönche einen Selbstmordversuch, indem sie sich die Pulsadern aufschnitten, wie der Sender Radio Free Asia berichtete. Ihr Zustand galt als "kritisch".

Angriff mit Stöcken und Steinen

"Es herrscht Chaos", berichtete eine Augenzeugin telefonisch aus der tibetischen Hauptstadt. "Die Menschen hatten Stöcke und Steine in den Händen und rannten damit auf die Polizisten los." Die Polizeikräfte hätten vor der aufgebrachten Menge zurückweichen müssen. Auf am Boden liegende Feuerwehrleute sei eingetreten und eingeprügelt worden. "Drei Feuerwehrwagen brannten aus." Die Ausschreitungen sind der vorläufige Höhepunkt der Proteste anlässlich des Jahrestages des 1949 niedergeschlagenen Aufstandes gegen die chinesischen Besatzer. Seit dem Jahrestag am Montag hatten sich die Proteste auf mehrere Klöster in der Region Tibet und auch in der Provinz Qinghai ausgeweitet, wie exiltibetische Gruppen berichteten.

Tibetische Flagge geschwenkt

Die Mönche protestierten gegen chinesische Einmischung in ihre religiösen Angelegenheiten, die "patriotische Erziehungskampagne" der Kommunisten in den Klöstern oder sprachen sich bei einer Aktion in Lhasa auch direkt für eine Unabhängigkeit Tibets aus. Erstmals seit 20 Jahren wurde dabei wieder eine tibetische Flagge geschwenkt. Zahlreiche Mönche traten aus Protest in einen Hungerstreik. Soldaten der chinesischen Volksbefreiungsarmee umstellten und riegelten Klöster ab, berichteten Exil-Tibeter.

Das Land fest im Griff: chinesische Soldaten bei einer Militärparade vor dem Potala-Palast in Lhasa (Foto: dpa) Das Land fest im Griff: chinesische Soldaten bei einer Militärparade vor dem Potala-Palast in Lhasa (Foto: dpa)

Chinesische Flaggen zerstört

Die Ausschreitungen am Freitag konzentrierten sich auf den Platz vor dem berühmten Jokhang-Tempel und den Barkor genannten Pilgerweg. Neben Mönchen seien auch Studenten und andere Tibeter auf dem Platz gewesen, als die Gewalt eskalierte, berichtete eine Augenzeugin. Die Demonstranten hätten die dort gehisste chinesische Flagge eingeholt. "Sie trampelten mit den Füßen auf der Fahne herum."

Feuer in der Altstadt

Der Jokhang-Tempel wurden gesperrt, sagte ein Mitarbeiter. Ein Bewohner von Lhasa berichtete, dass es in dem berühmten Tromsikhang-Markt am Pilgerweg um den Jokhang-Tempel ein Feuer gegeben habe. Das Ausmaß der Schäden war nicht bekannt. Das aus dem 18. Jahrhundert stammende Gebäude, das einst die Stadtwohnung des sechsten Dalai Lamas war, war erst Ende der 90er Jahre restauriert worden.

Geschäfte in Brand gesetzt

Die US-Botschaft in Peking verfügte für Lhasa unter Hinweis auf die Unruhen und die Berichte über Schüsse eine Reisewarnung für amerikanische Bürger. Nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua sind "eine Reihe von Geschäften in Brand gesetzt worden". Die Staatsagentur sprach von "Gewalt im Zentrum von Lhasa". Ausschreitungen gab es offenbar auch auf dem Platz vor dem Potalla-Platz, dem Sitz des heute im indischen Exil lebenden Dalai Lamas. "Der Platz war in dunklen Rauch gehüllt", berichtete die Augenzeugin.

Fernsehübertragungen gestört

Um die Unruhen in den Griff zu bringen, wurde ein Großaufgebot von Sicherheitskräften mobilisiert. Der Flughafen von Lhasa stand nach Angaben von Reisenden unter Militärkontrolle. Es könnten keine Flugtickets gekauft werden, um Tibet zu verlassen, obwohl nicht alle Sitze in Maschinen ausgebucht seien, berichtete eine Reisende. Die chinesische Zensur blockierte alle Fernsehberichte über die Unruhen, die der amerikanische Nachrichtensender CNN und die britische BBC über Satellit nach China ausstrahlten. Sobald der Bericht anfing, wurde der Bildschirm schwarz und der Ton war weg.

"Tief verwurzelter Ärger"

Angesichts der Eskalation der Proteste in Tibet hat der Dalai Lama die chinesische Regierung und die Demonstranten zur Gewaltlosigkeit aufgerufen. Das spirituelle Oberhaupt der Tibeter teilte am Freitag in seinem Exil mit, er sei "tief beunruhigt" über die Entwicklung in seiner Heimat. Die friedlichen Proteste der vergangenen Tage seien "Ausdruck des tief verwurzelten Ärgers des tibetischen Volkes" unter der chinesischen Regierung.

Aufruf zum Dialog

"Einheit und Stabilität unter roher Gewalt ist im besten Falle eine kurzzeitige Lösung", erklärte der Dalai Lama. "Es ist unrealistisch, Einheit und Stabilität unter solch einer Herrschaft zu erwarten." Er appelliere an die chinesische Regierung, "aufzuhören, Gewalt zu gebrauchen, und die lange schwelenden Ressentiments des tibetischen Volkes durch Dialog mit dem tibetischen Volk anzusprechen". Seine Landsleute bitte er dringend darum, den Ausweg nicht in der Gewalt zu suchen.


Quelle: dpa , AFP

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