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Tödlicher Schwefel aus Islands Vulkanen

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Tödlicher Schwefel aus Islands Vulkanen

21.09.2011, 13:43 Uhr

Der Grímsvötn gehört zu den aktivsten Vulkanen Islands (Quelle: dpa)

Der Grímsvötn gehört zu den aktivsten Vulkanen Islands (Quelle: dpa)

Schon einmal kostete ein Vulkanausbruch in Island zehntausenden Menschen das Leben - als die Eruption des Laki mehrere Länder mit einer tödlichen Schwefelwolke überzog. Forscher haben nun berechnet: Eine Wiederholung dieses Szenarios wäre die verheerendste Naturkatastrophe Europas.

Aschewolken aus Island gehören mittlerweile fast zum normalen Wettergeschehen in Europa. In den vergangenen 17 Monaten sorgten zwei solcher Schleier für Flugverbote. Die Folgen solcher Vulkanausbrüche können jedoch weitaus gravierender sein. 1783 brachte die Eruption des isländischen Laki Europa eine tödliche Katastrophe: Zehntausende starben in Großbritannien und auf dem Kontinent; in Island sogar ein Fünftel der Bevölkerung. Jetzt haben Klimaforscher die dramatischen Folgen berechnet, die eine ähnliche Eruption heutzutage hätte.

Schwefelgase sind gravierende Gefahr

Der Ausbruch des Laki 1783 dauerte acht Monate. Trotz der langen Zeit schoss der Vulkan kaum mehr Asche in die Luft als der Eyjafjallajökull 2010, doch Schwefelgase machten den Schleier des Laki zu einer tödlichen Gefahr. Die Gase verteilen sich über ein größeres Gebiet als die Asche: Schätzungen zufolge gelangten knapp 120 Milliarden Kilogramm Schwefeldioxid in die Atmosphäre - eine Menge, wie sie eigentlich nur bei weitaus heftigeren Ausbrüchen wie der Jahrtausenderuption des Tambora 1815 erreicht wird.

Die Folgen waren dramatisch: Schwefeltröpfchen blockierten das Sonnenlicht, der sogenannte große Nebel hing über Europa, ein bläulicher Dunst. Er verdarb drei Jahre lang die Ernte; Hungersnöte brachen aus. Gravierender noch wirkte das Gift: Der Schwefelschleier aus Island ließ Vögel in Massen tot vom Himmel fallen. Regentropfen brannten Löcher in die Haut geschorener Schafe. Der Säureregen ließ Pflanzen verwelken. Menschen erlitten Lungenkrankheiten, viele starben. Manche Historiker glauben, dass der Laki-Ausbruch soziale Unruhen auslöste und so die Französische Revolution 1789 beförderte.

Folgen eines Vulkanausbruchs berechnet

Heutzutage, bei deutlich größerer Bevölkerung, wären die Folgen einer solchen Eruption noch dramatischer, haben Klimatologen um die Forscherin Anja Schmidt von der University of Leeds in Großbritannien ermittelt.

Die Forscher haben berechnet, was heute in Europa geschähe, wenn der Laki erneut so ausbräche wie 1783. Die Ausbreitung der Wolke simulierten sie mit einem Wettermodell und haben so insbesondere ermittelt, wohin kleine Schwefelpartikel gelangen würden. Das Ergebnis: Bei Westwind würden in den drei Monaten nach der Eruption in Europa mehr als doppelt so viele Kleinstpartikel in der Luft schweben wie normalerweise.

Tausende Tote in Deutschland

Der Vergleich mit modernen Statistiken zur Auswirkung von Luftverschmutzung auf die Gesundheit brachte ein erschreckendes Ergebnis: Bis zu 140.000 Menschen könnten aufgrund der Luftverschmutzung eines Island-Vulkans sterben, darunter auch Tausende in Deutschland, berichten die Forscher im Wissenschaftsmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences".

"Chronisches Einatmen kleiner Schwefelpartikel kann tödlich sein", erläutert der Mediziner Bart Ostro vom Zentrum für Epeidemienforschung in Barcelona, der an der Studie mitgearbeitet hat. Eine Schwefelwolke aus Island könnte vor allem Älteren und Kranken gefährlich werden.

Europäischen Notfallplan gefordert

Bei der Laki-Eruption 1783 sei mehr Schwefeldioxid in die Atmosphäre gelangt als durch alle heutigen industriellen Aktivitäten innerhalb eines Jahres, so die Forscher. Die meisten Vulkanausbrüche setzen zwar weitaus weniger Schwefel frei. Ein ähnlicher Ausbruch wie der des Laki ereigne sich aber "mehrmals in tausend Jahren", sagt Schmidt. Wehte der Wind dann ungünstig aus Nordwest, müsste sich Europa der Studie zufolge auf seine vielleicht größte Naturkatastrophe vorbereiten.

Die europäischen Regierungen sollten einen Notfallplan entwickeln, sagt Marjorie Wilson von der University of Leeds, eine Mitautorin der Studie. Laki könne "in der näheren Zukunft" erneut ausbrechen.


 

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Kommentare (2)

zum Forum

Thema: "Tödlicher Schwefel aus Islands Vulkanen"

deepthoughtii schrieb: am 21. September 2011 um 15:54:48
(12) (0) Wo sind sie nun,
die Endzeitbeschwörer, die bei jeder Wettermeldung hier von der Apokalypse, Klimakatastrophen und Atomausstieg geifern? Da
seht ihr, Katastrophen gab es immer schon, wird es immer geben, und der Mensch kann weder was dafür, noch etwas daran ändern...
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heini schrieb: am 21. September 2011 um 14:26:46
(9) (2) Ausbruch LAKI
.. und dann regen wir uns über das bisserl CO2 auf. Das ist ja nur wohl der Oberhammer. Weil beidies ist möglich und nicht
von der Hand zu weisen. Der Co2 Anteil, ist dageben ja überhaupt zui vernachlässigen.
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