17.05.2011, 14:09 Uhr
Air-France-Absturz: Die Daten der Flugschreiber konnten nun ausgewertet werden (Foto: dpa)
Der Todesflug einer Air-France-Maschine vor zwei Jahren geht nach jüngsten Untersuchungsergebnissen nicht auf grundlegende Mängel am Flugzeug zurück. Darüber durfte der Flugzeugbauer Airbus jetzt mit Einverständnis der französischen Luftfahrtermittlungsbehörde (BEA) seine Kunden informieren.
Nach dem Absturz mit 228 Toten gebe es derzeit keinerlei Handlungsbedarf für die Betreiber von Langstreckenmaschinen des Typs A330, heißt es in dem der dpa vorliegenden Unfall-Informations-Telex (AIT).
Bereits am Montagabend hatte die französische Tageszeitung "Le Figaro" im Internet berichtet, dass die Katastrophe vermutlich auf Pilotenfehler oder Versäumnisse der Fluggesellschaft Air France zurückzuführen sei. Die BEA betonte, dass noch keine Schlussfolgerungen gezogen worden seien.
Die Flugschreiber des am 1. Juni 2009 abgestürzten Airbus A330-200 waren erst Anfang April auf dem Meeresgrund des Atlantiks in rund 4000 Metern Tiefe entdeckt worden. Ihre Daten werden seit diesem Wochenende in Frankreich ausgewertet. Noch in diesem Sommer werde ein Zwischenbericht mit den Ergebnissen der Untersuchung vorgelegt, teilte die BEA mit.
Bei dem Absturz kamen alle 228 Menschen an Bord ums Leben, darunter 28 Deutsche. Die Absturzstelle liegt mehr als 1000 Kilometer vor der brasilianischen Küste. Klar ist bis heute nur, dass es auf dem Flug von Rio de Janeiro nach Paris in einer Unwetterfront Probleme bei der Geschwindigkeitsmessung gab. Diese Tatsache allein dürfte normalerweise jedoch nicht zu einer solchen Katastrophe führen. Zuvor hatte es nicht einmal ein Notsignal gegeben.
Dank der beiden Geräte können die Ermittler den Flug nun genau rekonstruieren. Der Flugdatenschreiber registrierte zahlreiche Parameter wie Höhe und Neigungswinkel der Maschine sowie Triebwerkseinstellungen. Der Stimmenrekorder nahm während des Flugs die Gespräche und Geräusche im Cockpit auf. Die Informationen seien unabdingbar, um das Unglück vollständig aufzuklären, betonte BEA-Chef Jean-Paul Troadec in der vergangenen Woche.
Um Zweifel an der Ordnungsmäßigkeit der Untersuchung auszuschließen, waren beim Auslesen der Daten zahlreiche unabhängige Beobachter dabei, darunter zwei Experten der deutschen Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU). "Die Auswertungsarbeiten werden mehrere Wochen dauern", teilte die französische Luftfahrtermittlungsbehörde mit.
Neben den Flugschreibern und zahlreichen anderen Flugzeugteilen hat das Bergungsteam in den vergangenen Wochen auch zwei Leichen an die Meeresoberfläche geholt. Derzeit wird geprüft, ob sie mit Hilfe von DNA-Proben noch identifiziert werden können. Falls nicht, soll die Ruhe der Toten nicht weiter gestört werden. Rund 50 Leichen wurden bislang auf dem Meeresboden entdeckt. Direkt nach dem Unglück vor zwei Jahren waren ebenso viele auf dem Wasser treibende Opfer geborgen worden.
Die Hinterbliebenen sind geteilter Meinung über weitere Bergungsversuche. Manche halten es für menschenunwürdig, mit den Greifarmen eines Tauchroboters Leichenteile einsammeln zu lassen. Andere wären erleichtert, ihre Angehörigen doch noch bestatten zu können.
Quelle: dpa
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