05.05.2011, 14:00 Uhr
Teile des abgestürzten Air-France-Flugzeugs sollen Aufschluss über die Unglücksursache geben (Fotos: Reuters) (Quelle: Reuters)
Warum stürzt ein voll besetzter Air-France-Airbus auf dem Flug von Rio nach Paris mit 228 Menschen an Bord über dem Atlantik ab? Nach knapp zwei Jahren Rätselraten ist endlich eine realistische Chance auf eine Antwort in Sicht.
Ab Freitag soll die letzte Bergungsaktion - diesmal im Auftrag Frankreichs - endlich Klarheit bringen. Der mit einem ferngesteuerten Tauchroboter ausgestattete Kabelleger "Ile de Seine" soll dann von den Kapverden aus in See stechen, sofern das Wetter es zulässt. In rund 4000 Metern Tiefe soll er die Blackbox des abgestürzten Fliegers und mehrere Leichen bergen.
Die Entdeckung des 400 mal 200 Meter großen Trümmerfelds und die von Robotern geschossenen 15.000 Fotos warfen noch mehr Fragen zum Todesflug AF 447 vom 1. Juni 2009 auf. Denn zunehmend verdichtet sich die Vermutung zur Gewissheit, dass die Langstreckenmaschine vom Typ Airbus A330 erst beim Aufprall aufs Meer zerbarst und sank - sonst lägen die Trümmer weit zerstreut. Warum aber knallt ein mit modernen Computern und Sicherungssystemen ausgerüsteter Verkehrsjet mit einer Art Bauchklatscher aufs Wasser, ohne dass es die Piloten verhindern?
Der Absturz von Flug AF 447 könnte eine Bedeutung bekommen, die weit über den Einzelfall hinausweist. Denn sollte sich herausstellen, dass auch moderne Verkehrsjets durch aerodynamische Extremsituationen wie schwere Tropengewitter in fatale Notlagen gelangen können, müssten wohl weltweit die Sicherheitssysteme auch vieler anderer Flieger auf den Prüfstand. Vor diesem Hintergrund erklärt sich auch das große Interesse des Herstellers Airbus, der sich die Suche nach dem Wrack mehrere Millionen Euro kosten ließ. Doch auch andere Hersteller haben ein enormes Interesse daran zu erfahren, was bei diesem Flug wirklich passiert ist. Denn er sprengt in vielfacher Hinsicht den Rahmen des Wahrscheinlichen.
Fast zwei Jahre nach dem Absturz einer Air-France-Maschine haben Roboter im Atlantik Trümmerteile und Opfer gesichtet. zum Video
Luftfahrtexperten diskutieren seit Wochen in Internetforen lebhaft über Szenarien, bei denen eine Verbindung aus Extremsituationen und falschen Anzeigen in großer Höhe zu schlagartigem Höhenverlust führen kann. Dabei taucht immer wieder ein Schlagwort auf, dass es eigentlich für moderne Verkehrsflugzeuge so gar nicht geben dürfte: der sogenannte "Deep Stall". So nennen Piloten das Phänomen, wenn beim Fliegen ganz plötzlich die Strömung abreißt, ohne die ein Flugzeug nicht fliegen kann. Dabei wird das Leitwerk wirkungslos, das für Seiten- und Höhenänderung wichtig ist. Bei gepfeilten Flügeln - wie sie moderne Verkehrsjets haben - reißt der Auftrieb meist an den Enden zuerst ab.
Durch den geänderten Druckpunkt "bäumt" sich das Flugzeug regelrecht auf und verliert weiter an Auftrieb - ein tödlicher Kreislauf. Es ist ein seltenes Phänomen, das den Jet wie ein welkes Blatt weitgehend in Bauchlage vom Himmel fallen lässt. Der französische Pilot Gérard Arnoux, der nach Angaben der Zeitung "Le Figaro" die Hinterbliebenen der Opfer berät, hat den Fundort der Trümmer mit der letzten Positionsmeldung der Maschine in 35.000 Fuss (knapp zwölf Kilometer) Höhe in Relation gesetzt. Er errechnete, dass Flug AF 447 nach einem Höhenverlust von 2,1 Kilometern pro Minute fünf Seemeilen weiter ins Meer knallte.
Mit anderen Worten: Der Airbus fiel wie ein Stein vom Himmel und mit geringer Neigung wie bei einem Bauchklatscher aufs Wasser, bevor er zerbarst und sank. Ein Szenario ähnlich dem des "Deep Stall". Doch diese seltene, aber fatale Form des Strömungsabrisses ist eigentlich weitgehend Flugzeugen mit T-Leitwerken vorbehalten, wie sie etwa noch alte sowjetische Maschinen vom Typ Tupolew Tu-154 hatten. Heute sind moderne Verkehrsflugzeuge dagegen so konzipiert, dass sie eigentlich gar nicht in solche Situationen geraten können. Aufklärung erhoffen sich die Flugunfalluntersucher daher nun von den Flugdatenschreibern.
Beim Auswerten der Roboterbilder vom Trümmerfeld haben Ermittler das Heckteil lokalisiert - dort ist die Blackbox normalerweise angebracht. Fraglich bleibt aber, ob sie noch dort montiert ist - und ob die Daten noch lesbar sind nach so langer Zeit unter Wasser.
Quelle: dpa
soso schrieb:
am 20. April 2011 um 17:24:00
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@Flieger
Meine Güte, du musst ein ganz Schlauer sein. Die Blackbox hat noch niemals so geheißen, weil sie schwarz ist, sondern weil ein
gekapseltes System dieser Art, in dem etwas abläuft, was nach außen hin nicht nachvollziehbar ist, nun mal so genannt wird. Nicht wahr? Hättest du wissen sollen!
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Flieger schrieb:
am 20. April 2011 um 17:18:38
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Todesflug AF 447: Bauchklatscher aufs Wasser
Das erste was ich beim fliegen gelernt habe : Halte dich fern von Gewittern mindestens 20
Kilometer umfliegen. Fallwinde mit bis zu 100 km/h schon weit vor der Gewitterfront, Hagelschlag etc. Das gilt im übrigen auch für die grossen Verkehrsflieger. Gewitter immer weiträumig umfliegen. Nun die Realität bei Verkehrsfliegern sieht leider auf Druck der Fluggesellschaften anders aus.
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Laie schrieb:
am 20. April 2011 um 16:55:48
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an alle
Ladies and Gentleman, überlassen wir die Aufklärung den profunen Kennern
dieser Materie, den Luftfahrtexperten. Wir Laien hier
können nur eines bekunden: Unser aller Beileid den Angehörigen.
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