Tim K., der Amokläufer von Winnenden (Fotos: ddp, dpa)
Der Amokläufer von Winnenden hatte bereits Monate vor der Tat ausgeprägte Tötungsfantasien. Einer Therapeutin berichtete Tim K. von seinem Drang, "Menschen zu töten". Die ganze Welt sei schlecht, er wolle "Menschen erschießen". Wieder und wieder habe er sich darüber das Gehirn zermartert.
Bereits im Frühjahr 2008 hatte Tim einen "Hilferuf" ausgesendet: Weil er spürte, dass etwas mit ihm auf quälende Weise ganz und gar nicht stimmte, recherchierte er im Internet die Symptome psychischer Krankheitsbilder und kam zu der Selbstdiagnose, dass er möglicherweise an einer "bipolaren Störung" leide, also manisch-depressiv sei.
Masochistische Persönlichkeitsstörung
Tim K. informierte die Eltern über seine Stimmungsschwankungen, die daraufhin bei einer psychiatrischen Klinik ein Gespräch veranlassten. Demnach erzählte K. dann der Therapeutin in einer ersten Sitzung von detaillierten Tötungsphantasien, wiederholte diese Schilderungen bei späteren Treffen jedoch nicht, berichtet "Spiegel Online". Gutachter diagnostizierten bei Tim K. eine masochistische Persönlichkeitsstörung.
Gewaltverherrlichende Filme
Der Jugendliche bekam von seinen Eltern viele gewaltverherrlichende Videospiele und Filme, die erst ab 18 Jahren erhältlich sind, geschenkt. Zudem habe er noch kurz vor dem Amoklauf im Schützenverein geübt, ohne dass dies im Schützenbuch des Vereins notiert wurde, berichtet "Spiegel Online". Die Unterlagen der Staatsanwaltschaft und des Gutachters zeichneten das Bild einer klassischen Risikopersönlichkeit.
Bilder gefesselter Männer
Eine wichtige Rolle in dem Gutachten spielen laut "stern.de" sadomasochistische Fantasien des Jungen. Auf seinem Rechner habe die Polizei Bilder gefesselter Männer gefunden. Tim K. habe unter diesen Fantasien gelitten, sie jedoch den Therapeuten nicht geschildert.
Amokläufer tötete 15 Menschen
Die Anklagebehörde wollte dazu zunächst keine Stellung nehmen. Der 17-jährige Tim K. hatte am 11. März an seiner ehemaligen Schule im baden-württembergischen Winnenden und auf seiner anschließenden Flucht nach Wendlingen 15 Menschen und sich selbst erschossen.
Anwalt: Eltern tragen Mitverantwortung
Unterdessen erhebt ein Opferanwalt schwere Vorwürfe gegen die Eltern des Amokläufers. Seiner Ansicht nach hätten sie erkennen müssen, dass ihr Sohn gefährlich werden könne. "Das psychiatrische Gutachten belegt die Mitverantwortung der Eltern", sagte Rechtsanwalt Jens Rabe. "Der Zugang zu Waffen hätte ihm verwehrt werden müssen", sagte Rabe.
Ermittlungen gegen Vater laufen noch
Unterdessen soll im September oder Oktober entschieden werden, ob gegen den Vater des Jungen Anklage erhoben oder ein Strafbefehl erlassen wird. Gegen den Vater wird wegen fahrlässiger Tötung ermittelt, weil Tim K. dessen Waffe und Munition benutzt hatte. Die Waffe hatte unverschlossen im Schlafzimmer der Eltern gelegen.