25.02.2010, 18:06 Uhr
Killerwal "Tillikum" mit Trainerin Dawn Brancheau / die Leiche der Frau neben dem Orca-Becken (Fotos: AP)Vor den Augen von Besuchern hat ein Schwertwal eine Tierpflegerin in Florida angegriffen und getötet. Die 40-jährige Frau wurde bei einer Vorführung im Freizeitpark SeaWorld in Orlando von dem Wal gepackt und in die Tiefe gerissen, teilte der Park mit.
Der Walbulle mit dem Namen Tilikum war zuvor schon 1991 und 1999 an tödlichen Zwischenfällen beteiligt. Aus diesem Grund war es den Pflegern untersagt, sich zusammen mit diesem Wal in einem Becken aufzuhalten. Nur etwa ein Dutzend SeaWorld-Mitarbeiter arbeiteten überhaupt mit Tilikum. Was nun mit dem Tier geschieht, ist noch nicht entschieden.
Foto-SerieSchwertwal tötet seine Pflegerin
Die Pflegerin Dawn Brancheau befand sich während einer Vorführung am Mittwoch zusammen mit Tilikum auf der Plattform eines Meerwasserbeckens und massierte den 5450 Kilogramm schweren Wal. Die Augenzeugin Victoria Biniak berichtete, der Wal sei plötzlich in das Becken gesprungen. "Dann kam er zurück, schoss in die Luft hoch, packte die Dompteurin an der Hüfte und begann, sie herumzuwirbeln," sagte sie dem Sender WKMG-TV.
HintergrundLangeweile macht Orcas aggressiv
Foto-SerieWale: Riesen der Meere
HintergrundSchwertwale
Ein brasilianisches Paar, Joao Lucio DeCosta Sobrinho (28) und seine Freundin Talita Oliveira (20), beobachteten das Geschehen von einem Unterwasser-Aussichtspunkt. Sie meinten, das Tier habe bei der Show gereizt gewirkt. Sie wollen gesehen haben, dass Tilikum die Dompteurin am Oberarm packte und immer wieder aufs Wasser klatschte. Brancheau blutete aus dem Mund oder im Gesicht: "Es war schrecklich, schlimm, es mit anzusehen",
Ein anderer Zeuge berichtete dem US-Sender CNN, dass das Tier schon während der Show begonnen hatte, die Anweisungen der Dompteure zu ignorieren: "Du konntest deutlich sehen, dass dieser Wal absolut nicht in Stimmung war, dass er einfach nicht mitmachte."
Die erschrockenen Zuschauer wurden schnell herausgeführt, ein Teil des Parks geschlossen. In allen SeaWorld-Parks wurden die Orca-Shows abgesagt. Dawn Brancheau konnte nur noch tot aus dem Wasser geborgen werden. Nach Angaben von SeaWorld ist sie ertrunken.
Tilikum, was in der Sprache der örtlichen Indianerstämme "Freund" heißt, wurde im November 1983 vor der Küste Islands gefangen. Kein anderer Pfleger habe mehr Erfahrung mit diesem Wal gehabt als Brancheau, sagte der Leiter des Dressurprogramms der SeaWorld-Parks, Chuck Tompkins.
Der Experte Steve McCulloch vom Marine Mammal Research and Conservation Program der Florida Atlantic University sagte, vielleicht habe der Wal nur spielen wollen. "Das sind sehr große und mächtige Meeressäugetiere. Sie zeigen ein solches Verhalten auch in Freiheit." Schwertwale werden auch als Orcas bezeichnet; der wissenschaftliche Name der bis zu acht Meter langen Tiere lautet Orcinus orca.
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Tillikum, genannt Tilly, ist der größte Killerwal, der in einem der zahlreichen nordamerikanischen Meerestierparks gefangen gehalten wird. Er war nach einem ersten tödlichen Unglück 1991 im kanadischen Victoria (British Columbia) als Zuchtbulle nach Orlando gekommen. In Victorias "Sealand" hatte Tilly eine Trainerin zusammen mit zwei weiblichen Orcas in die Tiefe gezogen.
In Orlando zeugte er etliche Orca-Babys, berichtete die Zeitung "Orlando Sentinel". Als sich 1999 ein Besucher in SeaWorld versteckte und in der Nacht zu den Orcas ins Becken stieg, wurde er am nächsten Morgen tot auf Tillikums Rücken gefunden. Sein Körper war verschrammt und zeigte Bisswunden. Die offizielle Todesursache lautete Unterkühlung. Die Temperatur im Becken der Schwertwale wird bei etwa zehn Grad Celsius gehalten.
Erst an Weihnachten war ein Orca-Trainer in einem Meerespark auf der Kanareninsel Teneriffa ums Leben gekommen. Der 29-Jährige stürzte, als der Wal Keto während einer gemeinsamen Vorführung eine ungewöhnliche Bewegung machte.
Im November 2006 schnappte ein anderer Schwertwal in der SeaWorld von San Diego nach einem Dompteur und zog ihn mehrmals unter Wasser. Der Tiertrainer überlebte mit einem gebrochenen Fuß.
Quelle: dpa , dapd , AFP
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