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Meeresschildkröten im Ferienflieger
17.12.2009, 08:44 Uhr | Von Sabine Ränsch, dpa
Vom Schmuggelgut zum Hoffnungsträger: eine der fünf extrem seltenen Meeresschildkröten, die auf die Seychellen zurückkehren (Foto: dpa)Glücklicher Ausgang einer Schmuggelgeschichte: Fünf seltene und streng geschützte Meeresschildkröten von den Seychellen, die in Frankfurt am Main aus beschlagnahmten Eiern geschlüpft sind, reisen noch in dieser Woche zurück in ihre Heimat - per Ferienflieger. Von dort hatte eine Urlauberin die Eier im März illegal als Souvenir mitgebracht und war damit am Frankfurter Flughafen erwischt worden.
Im Zoo wurden die Eier in den Brutkasten gelegt - "sie waren zwar ein bisschen verschrumpelt, aber sie rochen noch gut", erinnert sich Zoodirektor Manfred Niekisch. Vier Tage später staunten die Experten: Echte Karettschildkröten, Fachleute nennen sie Eretmochelys imbricata, krabbelten heraus; sie gehören zu den seltensten Meeresschildkröten der Welt. Wie viele Tiere heutzutage auf der Erde noch in Freiheit leben, ist nicht bekannt. Wegen ihres Panzers, aus dem Brillengestelle oder Kämme gemacht wurden, waren die Tiere fast ausgerottet worden.
"Besonderer Glücksfall"
Sogleich wurde der Plan gefasst, die Tiere auf die Seychellen zurückzubringen, denn anders als in den meisten Fällen von Artenschmuggel ist der Herkunftsort diesmal genau bekannt. "Es ist ein ganz besonderer Glücksfall, wir vertrauen fest darauf, dass sie ihren Weg finden", sagt Niekisch.
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100 Jahre können sie alt werden
Der Zoodirektor stellte die braungemusterten Tiere mit der charakteristischen Panzerform vor ihrer Abreise der Öffentlichkeit vor. Die inzwischen 20 Zentimeter großen und 800 Gramm schweren Schildkröten sind gesund, in der Natur können sie mehr als 75 Kilo schwer und 100 Jahre alt werden, ihr Panzer wird einen guten Meter lang.
"Nie wiedersehen"
An ihrem Heimatstrand, wo die Eier illegal eingesammelt wurden, sollen sie wieder in die Freiheit entlassen werden. "Dann werden wir sie nie wiedersehen", hofft Dirk Hausen vom Bundesamt für Naturschutz (BfN), der die Holzkiste mit den fünf Tieren auf dem Flug begleitet. Die Transportkosten übernimmt die Fluggesellschaft Condor.
1000 Tiere jedes Jahr
Bis zu 1000 lebende Tiere werden nach Angaben von BfN-Referent Franz Böhmer jedes Jahr in Deutschland im Gepäck von Reisenden entdeckt und beschlagnahmt, obwohl der Handel mit ihnen verboten ist. Oft sind es Exoten wie Vogelspinnen, Reptilien oder Falken. In Frankfurt arbeitet der Zoll mit speziell trainierten Artenschutz-Suchhunden, die auch die Schildkröteneier in der Reisetasche der Frau aufspürten.
Findige Hunde
Allein diese Hunde wurden in diesem Jahr bereits 52-mal fündig. Der illegale Handel mit geschützten Arten sei ein Milliardenmarkt wie der Handel mit Drogen oder Waffen, bestätigt eine Zollsprecherin. Der Frankfurter Flughafen ist dabei eine wichtige Drehscheibe.
Wenige Ausnahmen
In den allermeisten Fällen müssen die Tiere im Land bleiben, wenn sie die Reise überhaupt überleben, und werden an Zoos oder private Halter vermittelt. Ausnahme seien vor drei Jahren zwei Transporte lebender Falken aus der Mongolei gewesen, sagte Böhmer. Je acht Vögel wurden in Berlin in zwei Koffern entdeckt und später wieder in der Mongolei ausgewildert.
Appell an Urlauber
Zoo-Chef Niekisch appelliert deshalb an Urlauber, keine Tiere oder Tierprodukte mitzubringen: "Leute, lasst die Finger weg von solchen Souvenirs." Ihre Ahnungslosigkeit hat der Frau nichts geholfen, sie wurde nach BfN-Angaben zu einer Geldstrafe von 5000 Euro verurteilt.
Von Sabine Ränsch, dpa