Ausschreitungen in Lhasa (Quelle: Reuters)Die tibetische Exilregierung im indischen Dharamshala verfügt nach eigenen Angaben über "unbestätigte Berichte", denen zufolge es rund 100 Tote bei den gewaltsamen Protesten in der Himalaya Region gegeben habe. Auch sei das Kriegsrecht in Tibets Hauptstadt Lhasa verhängt worden, hieß es in der am Samstag veröffentlichten Erklärung. Das tibetische Programm des US-amerikanischen Senders Radio Free Asia zitierte Tibeter, wonach bis zu 80 Menschen getötet worden seien. Die von Chinesen dominierte Regionalregierung im Tibet hatte zuvor von zehn Todesopfern berichtet. Am Freitagmorgen waren waren in der Altstadt von Tibets Hauptstadt Lhasa mehrere Brände ausgebrochen. Die Polizei ging mit Warnschüssen und Tränengas gegen die anti-chinesischen Demonstranten vor.
Behörden: Teilnehmer an den Ausschreitungen sollen sich stellen
Die Behörden in der tibetischen Hauptstadt Lhasa riefen die Teilnehmer der gewaltsamen Protesten am Samstag dazu auf, sich zu ergeben. "Diejenigen, die sich bis Montag um Mitternacht (Ortszeit) selbst den Sicherheitskräften oder der Justiz ausliefern, können mit leichten oder verminderten Strafen rechnen", hieß es in einer gemeinsamen Erklärung der von China kontrollierten tibetischen Regierung und der Justizbehörden, die die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua veröffentlichte. Alle anderen müssten mit "harter Bestrafung" rechnen.
Samstag angespannte Ruhe in Lhasa
Die tibetischen Behörden warfen der "Clique um den Dalai Lama" vor, die Unruhen "vorsätzlich geplant" zu haben. Am Samstag herrschte angespannte Ruhe in Lhasa. Sicherheitskräfte hatten Straßensperren errichtet. Bewohner berichteten von Panzern und gepanzerten Fahrzeuge in den leeren Straßen.
Demonstrationen in Sydney
Im australischen Sydney stürmten Exil-Tibeter bei anti-chinesischen Protesten am Samstag das chinesische Konsulat. Es kam zu Zusammenstößen mit der Polizei, sieben Demonstranten wurden nach Angaben der Behörden festgenommen.
Panzer rollen durch die tibetische Hauptstadt (Quelle: Reuters)
Exil-Regierung bittet UNO um Hilfe
Der Ministerpräsident der tibetischen Exil-Regierung im indischen Dharamshala, Samdhong Rinpoche, forderte hingegen China dazu auf, mit "Mitgefühl und Klugheit" mit den Demonstranten umzugehen. Er erinnerte an die gewaltsame Niederschlagung der pro-demokratischen Proteste auf dem Platz des Himmlischen Friedens 1989. Gleichzeit appellierte die Exil-Regierung an die Vereinten Nationen, die "Menschenrechtsverletzungen" im Tibet zu untersuchen. "Das tibetische Parlament bittet die UNO dringend, Vertreter zu schicken und einzugreifen", hieß es in einer Erklärung.
Jahrestag des Aufstandes gegen China
Anlass der Proteste ist der 49. Jahrestag eines Aufstandes in Lhasa gegen die chinesischen Besatzer. Die Lage in dem Himalaya-Gebiet, in manchen Regionen Chinas und in Indien, wo viele Exil-Tibeter leben, war in den vergangenen Tagen bereits sehr angespannt gewesen. Auch in Xiahe im Nordwesten Chinas protestierten am Freitag rund 200 Menschen, angeführt von buddhistischen Mönchen, gegen Chinas Herrschaft in Tibet. Tibet wird seit dem Einmarsch der chinesischen Armee 1950 von Peking regiert. Nach einem fehlgeschlagenen Aufstand der Bewohner flüchtete der Dalai Lama nach Indien, wo er seit 1959 in Dharamsala eine Exil-Regierung führt und für die Autonomie Tibets wirbt. China lehnt dies strikt ab.