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Familie der getöteten Skifahrerin kritisiert Althaus
31.08.2009, 12:33 Uhr | Jan Dörner/AFP
Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus weist Vorwürfe zurück, er mache seinen Skiunfall zum Wahlkampfthema (Foto: ddp)
Wer wie Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus ein Bundesland regiert, muss ein Gespür für die Stimmung der Menschen haben. Doch in den vergangenen Monaten scheint der CDU-Politiker nicht immer die richtigen Worte gefunden zu haben. "Unangebracht und pietätlos" seien seine Äußerungen, wurde ihm nun gut eine Woche vor der Landtagswahl in der Zeitung "Die Welt" vorgehalten.
Von "Vertrauensbruch" ist gar die Rede. Die bittere Anklage stammt nicht etwa von der Opposition, sondern von der Familie der Frau, die nach einem Zusammenstoß mit Althaus am Neujahrstag auf einer Skipiste gestorben war.
Juristische Auseinandersetzung mit Hinterbliebenen
Das Unglück traf Althaus damals schwer. Er kehrte erst im April auf die politische Bühne zurück, um sich am 30. August nach sechs Jahren Amtszeit zur Wiederwahl zu stellen. Nach der körperlichen Gesundung folgte zunächst die rechtliche Aufarbeitung: Der 51-Jährige wurde wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe verurteilt; die zivilrechtliche Auseinandersetzung mit den Hinterbliebenen der Mutter eines kleinen Kindes ist noch nicht beendet.
"Der Tod ist private Angelegenheit der Familie"
Doch während sich die Opposition an ihre Zusage hielt, den Unfall nicht im Wahlkampf auszuschlachten, machte Althaus das Ereignis selbst in den Medien zum Thema. Die Familie der gestorbenen Beata Christandl kritisierte nun über ihren Anwalt den Umgang des Ministerpräsidenten mit dem Unglücksfall: Da der Tod der 41-Jährigen eine "zutiefst private Angelegenheit der Familie ist, werden die jüngsten Berichte über den tragischen Skiunfall nicht nur als Vertrauensbruch, sondern als unangebracht und pietätlos bewertet". Und anders als von dem CDU-Politiker behauptet, sei ihm von "einem freundschaftlichen Kontakt" zwischen Althaus und dem Witwer nichts bekannt.
Althaus: Freundschaftlicher Kontakt zu Witwer
Von dem angeblich freundschaftlichen Kontakt zu dem Witwer hatte Althaus zu Monatsbeginn in einem Interview mit der "Bild am Sonntag" gesprochen. Der Unfall habe ihm einen "Schub für mehr Sensibilität" für seine Mitmenschen verliehen. Auch gehe es ihm körperlich gut, er spiele bloß zur Zeit nicht Fußball, sagte der passionierte Sportler. Zudem berichtete der CDU-Politiker von einem Gebet am Grab der Toten.
"Kein Thema im Wahlkampf"
Gegen den Vorwurf, den Unfall im Wahlkampf für sich zu nutzen, wehrte sich Althaus nun mit dem Hinweis, er spreche das Thema bei seinen Wahlkampfauftritten "auf keinem einzigen Marktplatz" an. Dass er das Unglück gleichwohl in dem Interview angesprochen hat, liegt nach Ansicht des Medienexperten Jo Groebel daran, dass er es selbst bestimmen wolle. "Bei gesundem Menschenverstand lösen diese Äußerungen aber Stirnrunzeln aus." Hinter einem solchen Interview stehe die Hoffnung des Politikers, für seine Offenheit vom Wähler belohnt zu werden. "Wenn jedoch Aussagen wie die von dem freundschaftlichen Kontakt nicht haltbar sind, ist das ein Zeichen dafür, dass Althaus bei seiner Strategie entweder schlecht beraten oder beratungsresistent ist", sagte Groebel.
Althaus "mogelt sich in Opferrolle"
"Auch die Opposition in Thüringen kritisierte bereits mehrfach den Umgang des Ministerpräsidenten mit dem Unfall. SPD und Linke sprachen von "schamloser Selbstinszenierung". SPD-Spitzenkandidat Christoph Matschie warnte Althaus unlängst davor, den Unfall im Wahlkampf zu instrumentalisieren, indem er sich in die "Opferrolle" mogele.
Thüringer CDU nur noch bei 35 Prozent
Wie die Thüringer auf das Vorgehen ihres Landesvaters reagieren, wird sich bei der Wahl am übernächsten Sonntag zeigen. Im Mai war Althaus laut einer Umfrage beliebter als vor seinem Unfall. In den jüngsten Umfragen für ARD und ZDF liegt die bislang mit absoluter Mehrheit regierende CDU allerdings nur noch bei rund 35 Prozent. Noch hat Althaus eine Woche Zeit, gegen ein schlechtes Wahlergebnis anzukämpfen - und dabei die richtigen Worte zu finden.
Jan Dörner/AFP