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Streit um Vormundschaft für Sektenkinder geht weiter
24.05.2008, 15:50 Uhr
Polizei holt Frauen und Kinder von der Ranch der Sekte und bringt sie in Sicherheit (Quelle: dpa)Der Streit um die Obhut für 463 Kinder der Fundamentalistischen Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (FLDS) im US-Bundesstaat Texas geht in die nächste Runde. Die Sozialbehörden legten am Freitag (Ortszeit) Berufung gegen eine Gerichtsentscheidung vom Vortag ein, nach der sich die Kinder in der Betreuung der Sekte nicht in "unmittelbarer Gefahr" befanden und deshalb nicht in Pflegeheime überstellt werden durften. Dies war am 3. April mit der Begründung geschehen, die Kinder seien der Gefahr sexuellen und sonstigen Missbrauchs ausgeliefert.
Video Zwölf Kinder kommen zu ihren Eltern zurück
Sekten-Ranch in TexasMassiver Kindesmissbrauch
Abstammung der Kinder ungeklärt
Es sei bislang nicht gelungen, die Abstammung der 250 Mädchen und 213 Jungen zu klären, teilten die Sozialbehörden mit. Das Berufungsgericht in Austin hatte in seinem neun Seiten langen Beschluss ausgeführt, dass die vorliegenden Hinweise nicht ausreichten, um eine "unmittelbare Gefahr" für die Kinder zu belegen. Daher müsse die Anfang April getroffene Entscheidung, die Kinder in Pflegeheime einzuweisen, entweder widerrufen oder näher begründet werden. Dafür setzten sie eine zehntägige Frist fest. Die Sozialbehörden von Texas sehen die Gefahr, dass die abtrünnige Mormonen-Sekte Fundamentalist Church of Jesus Christ of Latter Day Saints (FLDS) ihre Kinder auf polygame Praktiken einschwört. Zahlreiche Kinder sagten aus, dass sie nicht wüssten, wer ihre Eltern seien.
Sekte: Polygamie ebnet den Weg zum Himmel
Unter den Minderjährigen, über die die Sozialbehörden eine Vormundschaft verhängten, sind auch zahlreiche schwangere Mädchen. Schwangerschaften bei Minderjährigen seien nicht "automatisch" eine ausreichende Begründung, um diese der Obhut ihrer Eltern zu entziehen, hatten die Richter in Austin geurteilt. Die FLDS vertritt die Ansicht, dass Polygamie Menschen den Weg zum Himmel ebnet.
Staat Texas übernahm das Sorgerecht
Die Aktion gegen die Sekte hatte Anfang April weltweite Schlagzeilen gemacht. Viele Kinder wurden nach Angaben der zuständigen texanischen Familienbehörde zur Heirat gezwungen und sexuell missbraucht. Ein Gericht hatte zunächst entschieden, dass der Bundesstaat Texas das Sorgerecht übernimmt. Die Kinder wurden bei Pflegefamilien untergebracht, dagegen hatten ihre Mütter protestiert.
"Kultur des sexuellen Missbrauchs"
Die Staatsanwaltschaft hatte seinerzeit von einer "Kultur des sexuellen und emotionalen Missbrauchs" in der Kolonie gesprochen. Unter anderem habe ein 50-jähriger Mann ein Verhältnis mit einer 16-Jährigen gehabt und das Mädchen geschwängert. Die Rechtsanwälte der Sekte beschuldigen die Behörden dagegen der religiösen Diskriminierung.
Sektenführer wegen Vergewaltigung verurteilt
Nach Angaben von Experten gibt es rund 10.000 Anhänger der Sekte, die zumeist an der Grenze zwischen Utah und Arizona leben. Die Sekte hatte sich von der offiziellen Mormonen-Kirche getrennt, nachdem diese 1890 die Polygamie aufgegeben hatte. Die Ranch in Texas, auf der die FLDS-Anhänger leben, wurde 2003 von dem selbsternannten Propheten Warren Jeffs erworben, der 2006 in Las Vegas verhaftet und im vergangenen Jahr wegen Beihilfe zur Vergewaltigung zu lebenslanger Haft verurteilt wurde.
Quelle: AFP
, dpa