22.11.2011, 08:08 Uhr
Uwe Böhnhardt 1996 in Erfurt: Kurze Zeit später führte er die Ermittler zu der Garage, wo die Bomben gebaut wurden, fuhr dann aber einfach mit dem Auto davon
Der Druck auf das Thüringer LKA steigt, denn immer mehr Ermittlungspannen geraten an die Öffentlichkeit. So hätte das Neonazi-Trio bereits vor 13 Jahren gefasst werden können. Doch eine geplante Festnahme wurde nach Angaben des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) 1998 in letzter Minute gestoppt.
Fahnder hätten die drei Verdächtigen zwischen 1998 und 1999 in Chemnitz in Sachsen aufgespürt, berichtete der MDR Thüringen. Das alarmierte Spezialeinsatzkommando des Landeskriminalamtes (LKA) habe einen Einsatzplan für die Festnahme gehabt.
Die drei Terrorverdächtigen, Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe seien durch Zielfahnder aufgespürt worden. Kurz bevor sich das SEK dann auf den Weg nach Sachsen gemacht habe, sei der Einsatz abgebrochen worden.
Das Innenministerium in Erfurt wollte den Bericht unter Verweis auf die Ermittlungen der Bundesanwaltschaft und die eingesetzte Untersuchungskommission in Thüringen nicht kommentieren. Das LKA dementierte die Berichte. Die Zielfahndung habe in den Jahren 1999 und 2000 "zu keinem Zeitpunkt Kenntnis zum konkreten Aufenthaltsort" der drei Verdächtigen gehabt, sagte ein Sprecher. Daher sei auch kein Einsatz eines Spezialeinsatzkommandos (SEK) für eine Festnahme in Chemnitz geplant gewesen.
Eine Expertin kritisiert die falsche Sicht der Behörden: Frauen seien nicht nur das Anhängsel männlicher Neonazis. zum Video
Nach Informationen des MDR hatten sich die beteiligten LKA-Beamten massiv beschwert. Daraufhin habe es ein Gespräch zwischen "hohen Vertretern des Innenministeriums" und den Polizisten gegeben. Unklar sei, ob ihnen ein Grund für den Abbruch der Aktion genannt wurde.
Die drei Thüringer Mitglieder der späteren Terrorzelle waren der Polizei als mutmaßliche Bombenbauer ins Visier geraten. Wie die "Thüringer Allgemeine" berichtete, habe Böhnhardt die Ermittler 1998 bei einer Garagendurchsuchung offenbar selbst zum fraglichen Gebäude geführt, sei dann aber mit einem Auto davongefahren. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits unter anderem wegen Volksverhetzung zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und drei Monaten verurteilt. Böhnhardt trat die Strafe nie an. Das Trio tauchte unmittelbar nach der Entdeckung unter.
In der Garage fanden die Fahnder Sprengstoff. Innenminister Jörg Geibert hatte bereits vor einigen Tagen scharf kritisiert, dass bei den Durchsuchungen einiges schiefgelaufen sei. So sei es für ihn "unerklärlich, warum die Staatsanwaltschaft Gera nicht vorher einen Haftbefehl ausstellte oder warum die Polizei nicht die Verdächtigen vorläufig festnahm".
Wegen der bestehenden Verurteilung hätte Böhnhardt laut der "Thüringer Allgemeinen" zudem zehn Jahre lang gesucht werden müssen. Allerdings habe das Landeskriminalamt die Suche 2003 wegen Verjährung eingestellt.
Unterdessen berichtet die "Berliner Zeitung" unter Berufung auf Sicherheitskreise, dass es in den 90er Jahren Verbindungen der rechten Szene zu mindestens einem LKA-Beamten gegeben haben soll. Unter anderem kursierten Unterlagen des Staatsschutzes in der Szene. Ebenfalls bei Rechten seien Protokolle der Geheimdienstkommission des Landtages sowie Daten des Landesverfassungsschutzes aufgetaucht. Das Material stammte laut dem Bericht von zwei 1997 gestohlenen Computern des Innenministeriums.
Thüringens ehemaliger Innenminister Richard Dewes (SPD) wollte den Bericht nach MDR-Angaben nicht kommentieren, da er "rechtliche Regeln" beachten müsse. Dewes war in der CDU/SPD-Koalition in Thüringen von 1994 bis 1999 Innenminister. Sein Nachfolger Christian Köckert (CDU) war am 1. Oktober 1999 als Innenminister vereidigt worden. Köckert hatte zuletzt gesagt, dass er sich an die Fahndung nach den flüchtigen Bombenbauern nicht erinnere. Es sei eine "anachronistische" Annahme, dass ein Minister über alle derartigen Vorgänge informiert sei.
Vor knapp einer Woche hatte Thüringens Innenminister Jörg Geibert (CDU) in einem Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" die Vermutung eines LKA-Zielfahnders aus dem Jahr 2001 erwähnt, wonach einer der Neonazis durch eine Behörde gedeckt wurde. Damals sei vermutet worden, dass eine der gesuchten Personen eine Quelle des Verfassungsschutzes gewesen sei. Daraufhin habe der Präsident des Landesamtes für Verfassungsschutz dienstliche Erklärungen in seinem Hause zu dem Vorwurf eingeholt. Die Auskünfte hätten ergeben, dass der Kriminalbeamte falsch gelegen habe.
Quelle: dapd , dpa
Nemesis schrieb:
am 18. November 2011 um 18:52:34
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Undß
Wer trägt denn nun nach diesem damaligen Abbruch des Einsatzes für die folgenden Morde und Körperverletzungen die durch diese braune
Brut verübt wurden? Ach ja,jetzt schüttelt es sich Jeder ab,Keiner will,s gewesen sen. Hätte man den Einsatz damals durchgezogen wären einige der Opfer vielleicht noch am Leben. Oder sollte am Ende was vertuscht werden? Wollte man vom Verfassungsschutz einen guten "Kameraden nicht brüskieren.Und sowas nennt sich dann Edeldemokraten!!!
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HGK schrieb:
am 18. November 2011 um 18:52:24
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Mehmed
Das hast Du gut erkannt. An allen Ecken und Enden werden die Ermittlungsbehörden eingeschränkt, behindertt, Personal
abgebaut.....
Wo bleibt der Aufschrei bei Verbrechen von Imigranten ?? Polizistenmorden ???
Besucht unser (?) Bundespräsident und SPD-Gabriel auch die Angehörigen dieser Opfer ????
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Reinhold schrieb:
am 18. November 2011 um 18:51:30
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Festnahme stopp
Es muss doch jemanden gegeben haben, der den Einsatz vor Ort geleitet hat und dann auch abgeblasen hat. Diese Person weiss ja
wohl von wem der Abbruch veranlasst wurde und warum. Hier wird doch schon wieder versucht, bestimmte Personen oder politische Stellen zu schützen.
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