15.11.2011, 17:29 Uhr
Die für eine Mordserie verantwortlich gemachte Neonazi-Terrorgruppe NSU hatte nach einem Medienbericht auch in Sachsen einen Unterstützer. Das ARD-Magazin "Fakt" berichtet, dass der in Johanngeorgenstadt lebende Neonazi Matthias D. die Wohnung in Zwickau angemietet habe, in der die Verdächtige Beate Zschäpe von Frühjahr 2001 bis Sommer 2008 unter falschem Namen gelebt hat.
Zudem sei der 34-Jährige nach Angaben des Vermieters auch alleiniger Mieter jener Wohnung gewesen, in der Zschäpe mit ihren Komplizen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos zuletzt Unterschlupf fand. Nach Recherchen von "Fakt" ging die Miete von einem Konto ab, das auf den Namen von Matthias D. geführt wurde. Ein ehemaliger Schulkamerad habe berichtet, dass Matthias D. schon seit Jahren ein überzeugter Neonazi sei.
Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe wollte nicht sagen, ob der Mann im Visier der Ermittler ist. "Wir ermitteln intensiv in sämtliche Richtungen", hieß es. An Spekulationen beteilige man sich nicht. Auch zu möglichen Verbindungen der Neonazi-Terrorzelle zur NPD äußerte sich die Behörde nicht. "Unsere Ermittlungen erstrecken sich selbstverständlich auch auf das Umfeld der Täter", teilte die Bundesanwaltschaft mit.
Laut stern.de ist Matthias D. allerdings noch nicht festgenommen worden. Er bezeichne die Vorwürfe als Missverständnis. "Wenn ich was gemacht hätte, wäre ich ja wohl auch im Gefängnis. Bin ich aber nicht. Ich bin zu Haus...Ich habe damit nichts zu tun", sagte Matthias D. im Gespräch mit stern.de. Nach Informationen von Spiegel Online wurde der Verdächtige jedoch schon kurz nach dem Fund der Leichen von Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos von der Polizei in Gewahrsam genommen und verhört.
Im Fall der Döner-Mordserie wird dem Mann vorgeworfen, eine terroristische Vereinigung unterstützt zu haben. zum Video
Dass die Verteidigung von Matthias D. stimmt, könnte der damalige Hausverwalter belegen. Laut stern.de ist dieser sich zu 100 Prozent sicher, dass er mit Uwe Böhnhardt zu tun gehabt habe, der sich als Matthias D. ausgab. Er habe sich im September 2007 gemeldet und wollte die Wohnung mieten.
In der Selbstauskunft habe der Mieter die Adresse Polenzstraße in Zwickau angegeben. Im Gehaltsnachweis allerdings stehe die Adresse von Matthias D. in Johanngeorgenstadt. Einen Ausweis habe der Vermieter nie verlangt.
Spiegel Online wiederum behauptet, dass Matthias D. selbst jahrelang in der Wohnung gelebt habe und diese 2008 dem Trio überlassen habe. Ein auf Matthias D. zugelassenes Auto habe regelmäßig vor dem Haus in Zwickau geparkt.
Erneut ist also ein Verdächtiger aufgetaucht, der in Verbindung mit dem Zwickauer Trio stehen soll. Weitere Helfer könnten folgen. "Es gibt Hinweise auf weitere Helfer", sagte der Vorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums des Bundestags, Thomas Oppermann, nach einer Sitzung. Mit Rücksicht auf die Ermittlungen könne er jedoch keine weiteren Angaben machen. Der Gruppe haben neben der in Haft sitzenden Beate Zschäpe die beiden tot aufgefundenen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt angehört.
Gegen einen vierten Verdächtigen wurde gestern Haftbefehl erlassen: Holger G. sei dringend verdächtig, eine terroristische Vereinigung unterstützt zu haben, teilte die Bundesanwaltschaft mit. G. war am Sonntag in der Nähe von Hannover festgenommen worden und sitzt in Untersuchungshaft. Er soll die rechtsextremistische Gruppierung "Nationalsozialistischer Untergrund (NSU)" seit dem Jahr 2007 unterstützt haben. Mit den anderen Mitgliedern der Gruppe habe er zudem seit Ende der 90er Jahre in Kontakt gestanden.
Er soll die fremdenfeindliche Einstellung der Gruppenmitglieder geteilt haben und in dieselben rechtsextremistischen Kreise wie sie eingebunden gewesen sein, hieß es. Laut Bundesanwaltschaft soll er den drei anderen NSU-Mitgliedern seinen Führerschein und seinen Reisepass überlassen und ihnen dadurch ermöglicht haben, weiterhin verborgen zu agieren und rechtsextremistische Gewalttaten zu verüben.
Die Ermittlungen in der bundesweiten Neonazi-Mordserie stehen unterdessen einem Zeitungsbericht zufolge möglicherweise vor einem Durchbruch. Nach Informationen der "Stuttgarter Nachrichten" will die inhaftierte mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe an diesem Mittwoch eine umfassende Aussage machen. "Sie will auspacken und berät sich deshalb mit ihrem Anwalt", zitiert das Blatt einen Beamten aus Ermittlerkreisen.
Der Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs hatte am Wochenende Haftbefehl gegen die 36-Jährige wegen dringenden Verdachts der Gründung und Mitgliedschaft in der Gruppierung "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) erhoben, die für mindestens zehn Morde verantwortlich sein soll. Ob Zschäpe bei einer Aussage in den Genuss einer Kronzeugenregelung kommt und deshalb mit einer milderen Strafe rechnen kann, ist unklar.
Quelle: AFP , dapd , t-online.de , dpa
Cubafan schrieb:
am 15. November 2011 um 19:14:16
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NSU
Unsere Politiker heucheln weiter, obwohl eigentlich seit Hoyerswerda klar ist, dass im Dreieck Jena, Gera und Greiz schon immer
rechtsradikal Denken vererbt wird. Um Gottswillen nicht jeder in diesem Land denkt so, aber es ist schon auffällig, wie offen hier die politische Gesinnung gezeigt werden kann, ohne den Verfassungsschutz am Hacken zu haben. Wenn ich Politiker wäre, hätte ich eine Zentrale in diesem Dreieck errichtet, aber schon vor 20 Jahren. Nicht nur Kontrolle, auch Bürgerschutz.
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Staat Schutz schrieb:
am 15. November 2011 um 18:37:39
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NSU
Wofür war nochmal der Solidaritätszuschuss ???
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rolabit schrieb:
am 15. November 2011 um 18:28:14
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NSU
Welche Rolle spielt eigentlich der Verfassungsschutz?
Bei der Aufarbeitung der Stasi wurden und werden nach mehr als zwanzig Jahren so
viele Aktivitäten entwckelt! Herr Jahn und seine Behörde sollten sich mal um die Akten des BND und Verfassungsschutz kümmern !
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