Zahlreiche Menschen wurden bei den Anschlägen verletzt (Quelle: AFP)Bei der Serie von Terroranschlägen in Bombay sind Attentäter nach australischen Augenzeugenberichten auch in ein Café eingedrungen und haben wahllos um sich geschossen. Die 24-jährige Touristin Kate Anstee wurde im Unterschenkel von einer Kugel getroffen, berichtete ihr Freund David Coker am Donnerstag im Fernsehen. Die jungen Attentäter hätten im Leopold Café das Feuer aus Schnellfeuergewehren eröffnet.
"Sie sahen aus wie kleine Jungs. Das war ein Amoklauf", sagte Coker. "Wir hatten gerade bestellt und dann hörte es sich an, als würden Feuerwerkskörper losgehen", berichtete der Student. "Die Leute schrien, dann sah ich Kate aus der Tür kriechen, weil sie nicht laufen konnte." Die beiden fuhren im Taxi ins Krankenhaus.
Eine indische Architektin saß zunächst in dem gleichen Cafe: "Wir haben gegen 22 Uhr das Café verlassen und eine Reihe von Schüssen gehört, es klang wie Feuerwerk", sagte die 33-jährige Perena Motwane. "Es wurde immer lauter, wie Explosionen, aber er war nicht klar, aus welcher Richtung es kam", sagte sie. Dann seien Menschen gelaufen gekommen. Ein Mann in einem blutigen T-Shirt habe um Hilfe geschrien. "Dann kam ein junges Pärchen, vermutlich ausländische Touristen. Die Frau heulte, der Mann humpelte, es sah aus, als sei er angeschossen worden", berichtete Motwane. Sie sagten, sie seien in einem Café gewesen, als ein paar Männer wild um sich geschossen hätten. Überall sei Blut gewesen.
"Immer wieder verfolgt"
Unterdessen haben die deutschen Europa-Abgeordneten Erika Mann und Daniel Caspary die Terroranschläge überlebt. Sie sei mit indischen Freunden im Hotel Taj Mahal zum Essen verabredet gewesen, sagte die SPD-Politikerin in einem Telefoninterview. Nach dem ersten Angriff sei sie stundenlang auf der Flucht gewesen. Mann erklärte, nach dem Angriff hätten sich Gäste in dem Hotel zu Gruppen zusammengefunden, "die immer wieder verfolgt wurden". Sie habe sich selbst verbarrikadiert.
Sie habe sich unter einen Tisch geflüchtet, während sie draußen die Explosion von Bomben gehört habe, berichtete die Politikerin der Zeitung "Bild". Sie sei durch "unsichere Gänge" geflüchtet und habe immer wieder an unterschiedlichen Stellen im Hotel Schutz gesucht. Das Personal sei sehr hilfreich gewesen und habe soweit wie möglich Kontakt mit Sicherheitskräften gehalten. Immer wieder habe man Schüsse gehört "und man wusste, man muss jetzt hier raus, an den nächsten Ort".
"Überall Schüsse" gehört
Nach dem Verlassen des Hotels habe sie "überall Schüsse" gehört. Man habe den ganzen Abend nur sporadische Informationen gehabt und die Situation nicht richtig einschätzen können. Zum Zeitpunkt des Interviews hielt sie sich an einem einem "relativ sicheren" Ort auf, den sie nicht näher benennen wollte. "Die Situation ist jetzt okay. für uns und sie ist mit einer hohen Wahrscheinlichkeit sicher."
Mann sagte, man müsse die Realität akzeptieren, "dass es Terrorgruppen gibt, die kein anderes Ziel haben als ihre egoistischen Ziele politischer oder sonstiger Art zu verfolgen." Damit dürfe man nicht naiv umgehen. "Die Welt ist eine andere, in der wir leben und ich glaube, es ist gut, dass wir das überall zur Kenntnis nehmen."
Schüsse auf Parlamentarier
Der Rest der EU-Delegation befand sich in einem Restaurant nahe des Taj Mahal als die Anschläge begannen. Dort harrten die Politiker dann bis sechs Uhr Ortszeit aus, bis der deutsche Generalkonsul sie abholte und ins französische Konsulat brachte. Der britische Europaabgeordnete Sajjad Karim erlebte den Überfall hautnah mit: "Ich war in der Lobby des Hotels. Plötzlich wurde draußen überall geschossen", sagte Karim in einem Telefongespräch. Dann sei ein Mann mit einem Maschinengewehr vor ihm aufgetaucht. "Er begann auf uns zu schießen. Ich drehte mich um und bin in die entgegengesetzte Richtung gerannt."