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Terror: 26 verdächtige Pakete im Jemen gefunden

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Terror: 26 verdächtige Pakete im Jemen gefunden

30.10.2010, 20:17 Uhr

Polizisten im Jemen untersuchen Autos auf einer Straße in der Hauptstadt Sanaa. Mehrere Terrorverdächtige hat die Polizei bereits verhaftet (Foto: Reuters)

Polizisten im Jemen untersuchen Autos auf einer Straße in der Hauptstadt Sanaa. Mehrere Terrorverdächtige hat die Polizei bereits verhaftet (Foto: Reuters) (Quelle: Reuters)

Nach dem Fund von zwei Paketbomben in Luftfrachtmaschinen haben die Behörden im Jemen 26 weitere verdächtige Pakete entdeckt. Mitarbeiter von Luftfrachtgesellschaften und der Frachtabteilung des internationalen Flughafens in Saana seien festgenommen worden, hieß es aus jemenitischen Ermittlerkreisen.

Die verdächtigen Pakete würden derzeit untersucht. In Dubai und Großbritannien waren zuvor zwei Pakete mit Sprengstoff entdeckt worden, die laut US-Regierung für jüdische Organisationen in den USA bestimmt waren. Das am Flughafen von Dubai abgefangene Paket aus dem Jemen enthielt nach Angaben der örtlichen Polizei einen Sprengsatz, dessen Bauart auf eine "terroristische Gruppe wie Al-Kaida" hinweist.

Diente Handy als Zünder?

Beide Paketbomben enthielten Medienberichten zufolge PETN, auch Pentrit oder Nitropenta genannt. Der Sprengstoff kann sehr schwere Detonationen erzeugen. Ein Zünder oder große Hitze könnten die Explosion auslösen. Den gleichen Sprengstoff wollte auch der sogenannte "Unterhosenbomber" Omar Farouk Abdulmutallab Weihnachten 2009 zünden. Er hatte versucht, ein Passagierflugzeug über Detroit in die Luft zu jagen. Laut dem US-Sender CNN sollen die Päckchen Druckerpatronen enthalten haben, die mit einem weißen Pulver versehen waren.

Bei dem in Dubai gefundenen Sprengsatz haben Experten auch einen Anschluss für ein Mobiltelefon gefunden. Das Handy könnte als Zünder gedacht gewesen sein, teilte die Polizei unter Verweis auf Experten mit. "Der Sprengsatz ist auf professionelle Weise präpariert und mit einem Stromkreis versehen worden, der mit einer im Drucker versteckten Handykarte verbunden war." Beim Inhalt des in Großbritannien gefundenen Päckchens handelte es sich um eine manipulierte Druckerpatrone, aus der Drähte und ein Schaltkreis hingen.

Paket in Großbritannien hätte hochgehen können

Das in Großbritannien entdeckte Luftfracht-Paket aus dem Jemen war nach Angaben der britischen Innenministerin Theresa May voll explosionsfähig und hätte an Bord des Flugzeuges in die Luft gehen können. "Das Ziel könnte das Flugzeug selber gewesen sein, und wäre es zur Explosion gekommen, hätte das Flugzeug abstürzen können", sagte May nach einem Treffen eines nationalen Sicherheitskomitees in London. Man könne davon ausgehen, dass die mutmaßlichen Attentäter nicht gewusst haben, wo genau der Sprengsatz hochgehen würde.

Nach den Worten des jemenitischen Präsidenten Ali Abdullah Saleh hat ein Mädchen die Pakete aufgegeben. Das Haus der jungen Frau sei "von der Polizei umstellt" worden. Die Polizei im Jemen habe einen Hinweis der US-Behörden erhalten, nachdem diese das Mädchen als Besitzerin der SIM-Karte an einem der Sprengsätze ermittelt hätten. Die Päckchen waren an Synagogen in Chicago gerichtet. Jüdische Einrichtungen in allen Teilen der USA verstärkten ihre Schutzmaßnahmen.

Jemen im Visier der Terrorfahnder

Am Freitag hatte vieles zunächst auf falschen Alarm hingedeutet. Es war von Bombenattrappen, später von einem Testlauf für einen echten Terroranschlag die Rede gewesen. Obama sagte dann aber wenig später, die Pakete beinhalteten "anscheinend explosives Material". Er sprach von einer "glaubhaften terroristischen Bedrohung". London stoppte am Abend zunächst alle Direktflüge vom Jemen nach Großbritannien.

Das arabische Land ist in den vergangenen Monaten zunehmend ins Visier internationaler Terrorfahnder geraten. Der US-Präsident habe mit dem jemenitischen Präsidenten Ali Abdullah Saleh telefoniert, der diesem seine volle Unterstützung zugesagt habe, hieß es.

"Gefahr von Terroranschlägen nach wie vor hoch"

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) fordert die Bundesregierung dazu auf, die Bombenfunde in zwei UPS-Frachtmaschinen ernst zu nehmen. Diese Funde machten "sehr deutlich, dass die Gefahr von Terroranschlägen nach wie vor unverändert hoch ist", sagte der Vorsitzende Josef Scheuring.

"Es ist jetzt jedoch kein erneuter kurzlebiger Aktionismus angezeigt. Vielmehr ist es erforderlich, dass die Sicherheitsstrukturen in allen terrorrelevanten Bereichen professionell hoch gehalten werden", mahnte Scheuring. Zugleich kritisierte der Gewerkschaftschef die Bundesregierung. Gerade in dem Moment, in dem die Aufgaben der Bundespolizei weiter anstiegen, streiche der Bund Personal bei der Bundespolizei. "Das ist alles andere als ein Beitrag zur Terrorbekämpfung", sagte Scheuring.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière sah nach den Vorfällen keine konkrete Bedrohung für Deutschland. "Es liegen keine konkreten Hinweise auf Anschlagsplanungen gegen Deutschland vor", erklärte er. Bei der Lufthansa führte der Terroralarm in den USA zu keinen Einschränkung. Frankreich ordnete die Unterbrechung aller Frachtlieferungen aus dem Jemen an.

Frachtflüge sind "Achillesferse" der Luftfahrt

Die Pakete aus dem Jemen seien nur durch Hinweise von Geheimdienstlern entdeckt worden und nicht, weil die regulären Sicherheitschecks alleine gegriffen hätten, berichteten mehrere britische und US-Medien übereinstimmend. Experten warnen nun vor Schwächen bei den Sicherheitskontrollen. Frachtflüge seien schon immer die "Achillesferse" der Sicherheit in der Luftfahrt gewesen, sagte Fachjournalist Chris Yates der britischen Tageszeitung "Daily Telegraph".

Es sei "sehr schwierig", mit der eingesetzten Technik Container einer gewissen Größe gründlich zu überprüfen, der mögliche Einblick in die Frachtbehälter sei "minimal". Auch David Learmount, Sicherheitsexperte beim Magazin "Flight Global", sagte der Zeitung, Frachtflugzeuge seien schon immer ein mögliches Ziel terroristischer Anschläge gewesen. In der Vergangenheit hätten Terroristen aber vor allem auf Passagierflugzeuge abgezielt.


Quelle: dapd , dpa , AFP

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