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Tepco will Reaktorgebäude mit Deckel abdichten

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Tepco will Reaktorgebäude mit Deckel abdichten

16.06.2011, 09:30 Uhr | Von Markus Becker, mit Material von AFP und dapd

Diese Computergrafik zeigt, wie die Tepco-Ingenieure das Gebäude von Reaktor 1 des Kraftwerks Fukushima-Daiichi abdichten wollen (Foto: Tepco / Reuters) (Quelle: Reuters)

Diese Computergrafik zeigt, wie die Tepco-Ingenieure das Gebäude von Reaktor 1 des Kraftwerks Fukushima-Daiichi abdichten wollen (Foto: Tepco / Reuters) (Quelle: Reuters)

Die beschädigten Reaktorgebäude im Atomkraftwerk Fukushima sollen luftdichte Deckel bekommen. Die Betreibergesellschaft Tepco will Ende Juni mit den Bauarbeiten beginnen - doch das ist nur ein erster Schritt, um das havarierte AKW zu sichern.

Die Bilder sorgten in aller Welt für Schrecken: Am 12. März riss eine gewaltige Explosion im Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi den oberen Teil von Reaktorgebäude 1 ab. In den Tagen darauf kam es auch an den Reaktoren 3 und 4 zu ähnlichen Explosionen von Wasserstoffgas.

Jetzt, mehr als drei Monate nach dem Beginn der nuklearen Katastrophe in Japan, will die AKW-Betreibergesellschaft Tepco die Dächer der beschädigten Reaktorgebäude abdichten. Am 27. Juni sollen die Bauarbeiten am Reaktor 1 beginnen, wie Tepco am Dienstag mitteilte. Rund um das Gebäude sollen vier Säulen errichtet werden, die ein 47 mal 42 Meter großes, mehrteiliges Stahlgerüst tragen.

Das Dach soll luftdicht sein und die Freisetzung radioaktiven Materials verhindern - wie etwa Wasserdampf aus den Abklingbecken für benutzte Brennstäbe und Staub. Zugleich soll der Deckel den Regen vom beschädigten Reaktor fernhalten. Die Konstruktion soll sowohl gegen Erdbeben als auch gegen starken Wind ausreichend gesichert sein. Auch die beschädigten Gebäude der Reaktoren 3 und 4 sollen entsprechende Deckel bekommen.

"Vorübergehende Notmaßnahme"

Tepco betonte, dass es sich dabei lediglich um eine "vorübergehende Notmaßnahme" handele, bis mit einer "mittelfristigen Lösung" begonnen werde. Unabhängige Experten sehen das ähnlich. "Das Stahlgerüst ist nur eine schnelle, kurzfristige Abdeckung", sagte Joachim Knebel, Reaktorexperte am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). "Der nächste Schritt ist ein massives Stahlbeton-Containment, das den Reaktor auf lange Sicht verschließt und schützt." Dazu aber sei ein komplett neues Fundament notwendig. "Das ist eine Herkulesaufgabe", meint Knebel.

Zudem sei es außerordentlich wichtig, die beschädigten Reaktoren auch im Inneren abzudichten - was nach wie vor nicht gelungen sei. Normalerweise müssen Atomreaktoren eine geschlossene Kühlkette besitzen: Wasser wird von außen zugeführt, nimmt Hitze von den Reaktoren auf, wird anschließend außen luftgekühlt und wieder an die Reaktoren gepumpt - ohne dass unterwegs etwas verloren geht. Doch das sei noch nicht der Fall, betont Knebel: "Teile des Kühlwassers fließen noch unkontrolliert in die tieferen Räume der Reaktorgebäude und müssen von dort abgepumpt werden - entweder zurück in die Reaktordruckbehälter oder in Behälter zur Zwischenlagerung."

Tepco arbeitet weiter daran, eine Anlage zur Dekontaminierung des Wassers an diesem Freitag in Betrieb zu nehmen. Das Ziel: Statt immer neues Wasser in das AKW zu pumpen, soll das verseuchte Wasser recycelt und zur weiteren Kühlung verwendet werden. Zudem behindert das verseuchte Wasser die Arbeiten zur Instandsetzung der zerstörten Kühlsysteme des Kraftwerks.

Tepco-Aktienkurs steigt stark an

Um Wasserstoffexplosionen wie in Fukushima künftig zu verhindern, plant Tepco weitere Sicherheitsmaßnahmen an zwei Atomkraftwerken. Sieben Reaktoren der Anlage Kashiwazaki-Kariwa im Norden Japans würden mit Entlüftungssystemen ausgestattet, teilte Tepco mit. Auch im Kernkraftwerk Fukushima-Daini würden Löcher in das Dach geschnitten und weitere Sicherheitsmaßnahmen getroffen, um im Unglücksfall schwere Explosionen zu verhindern.

Finanziell geht es für Tepco momentan steil bergauf. Nach der Ankündigung eines milliardenschweren Rettungsplans ist der Aktienkurs des Unternehmens am Mittwoch weiter stark gestiegen. Im ersten Handelsabschnitt legten Tepco-Papiere an der Börse in Tokio gut 28 Prozent zu und verbesserten sich um 70 auf 319 Yen (etwa 2,75 Euro). Bereits am Dienstag waren die Aktien um mehr als 25 Prozent gestiegen. Die Tepco-Aktien waren seit der Atomkatastrophe am 11. März um fast 90 Prozent abgestürzt.

Die japanische Regierung hatte zuvor beschlossen, einen Fonds einzurichten, um die mehr als 85.000 Opfer des Atomunfalls in Fukushima vor drei Monaten entschädigen zu können. Neben dem Staat sollen auch andere Energiekonzerne in den Fonds einzahlen. Das Parlament muss den Rettungsplan noch billigen. Dort wird starker Widerstand erwartet.

Radioaktivität bei Walen gemessen

Unterdessen haben japanische Walfänger bei zwei im Pazifik getöteten Zwergwalen Spuren von Radioaktivität entdeckt. Die beiden kürzlich vor der japanischen Nordinsel Hokkaido gefangenen Tiere wiesen 31 beziehungsweise 24,3 Becquerel radioaktiven Cäsiums pro Kilogramm auf, wie ein Fischereibeamter am Mittwoch erklärte. Grund sei möglicherweise der Unfall im Atomkraftwerk Fukushima. Die Radioaktivitätswerte lägen aber weit unter dem kürzlich in Japan festgelegten Grenzwert von 500 Becquerel pro Kilogramm. Zudem gebe es keine Vergleichsdaten, mit denen festgestellt werden könnte, ob die gemessenen Werte höher als normal seien. "Wir werden die Entwicklung weiter beobachten", fügte der Beamte hinzu.

Was den Walfängern drohen könnte, ist für Teeanbauer bereits Realität: Einige Plantagen in Japans größter Teeanbau-Provinz Shizuoka sollen den Verkauf radioaktiv belasteter Teeblätter stoppen. Wie die lokalen Behörden am Mittwoch bekanntgaben, wurden fünf Plantagen in Shizuoka aufgefordert, freiwillig den Vertrieb der Blätter einzustellen und die bereits ausgelieferten zurückzurufen.

Bei Untersuchungen war in den Teeblättern eine radioaktive Belastung oberhalb der Grenzwerte gemessen worden. Die Behörden hatten 20 Plantagen in dem Anbaugebiet Warashina, 370 Kilometer südwestlich von der Atomruine Fukushima, untersucht. In Warashina war vor kurzem in getrockneten Teeblättern radioaktives Cäsium festgestellt worden.

Der Bürgermeister der Provinzhauptstadt Shizuoka erklärte laut Medienberichten, er werde von der Zentralregierung in Tokio Schadensersatz verlangen. Japan hatte im vergangenen Jahr 83.000 Tonnen an getrockneten Teeblättern produziert. Davon entfielen 40 Prozent auf die Provinz Shizuoka. Die lokalen Behörden wollen nun weitere Strahlenmessungen vornehmen.


Quelle: Spiegel Online

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