18.05.2011, 21:37 Uhr
Luftaufnahme des Bin-Laden-Verstecks in Abbottabad (Foto: dpa)
Mit neuartigen Drohnen hat der US-Geheimdienst angeblich das Versteck von Osama bin Laden schon Monate vor dessen Tötung ausgespäht. Wie die "Washington Post" unter Berufung auf US-Vertreter berichtet, waren hochentwickelte Drohnen im Einsatz, die vom Radar unentdeckt in großer Flughöhe fliegen können.
Es seien dutzende heimliche Einsätze mit den unbemannten Flugzeugen geflogen worden, dem Bericht zufolge möglicherweise mit Drohnen vom Typ RQ-170. Darüber hinaus habe die CIA mit Satelliten und Abhörtechniken das Versteck von Bin Laden überwacht, in dem sich der Terrorchef jahrelang aufgehalten haben soll.
Demnach ging es dem Geheimdienst CIA um hochauflösende Videos, die per Satellit nicht hätten beschafft werden können. "Sie mussten mehr davon sehen, was vor sich ging", als mit Hilfe anderer Aufklärungsmittel möglich gewesen wäre, zitierte das Blatt einen früheren Beamten mit Kenntnis von der Operation.
Dank der Tarnkappen-Technologie habe die CIA die Drohnen unbemerkt jenseits der Grenzen einsetzen können, die Pakistan bei Einsätzen anderer unbemannter US-Flugzeuge gegen militante Ziele an der Grenze zu Afghanistan gezogen habe, hieß es weiter. Dass der Geheimdienst zu diesem Mittel gegriffen habe, sei ein Zeichen für das tiefe Misstrauen zwischen den USA und Pakistan.
Bin Laden war Anfang Mai von einem US-Sonderkommando der Navy Seals getötet worden. Der Einsatz löste Spannungen zwischen Washington und Islamabad aus. Zudem kritisiert Pakistan regelmäßig den Einsatz von Drohnen, mit denen die USA von Afghanistan aus Angriffe auf radikalislamische Kämpfer im Grenzgebiet von Pakistan fliegen. Die USA haben nach Angaben von Verteidigungsminister Robert Gates jedoch keine Beweise dafür, dass Pakistan den Aufenthaltsort von Bin Laden kannte.
Unterdessen wurde bekannt, dass ein ehemaliger ägyptischer Armeeoffizier die Nachfolge von Bin Laden an der Spitze des Terrornetzwerks Al-Kaida antreten soll. Das verlautete aus Islamisten-Kreisen in Pakistan. Angeblich soll der Ägypter, der sich den Kampfnamen Saif al-Adel ("Schwert der Gerechtigkeit") gegeben hat, für eine Übergangszeit die Führung übernehmen. Anschließend soll die komplette Führungsebene des Terrornetzwerks an der Auswahl eines neuen Chefs beteiligt werden.
Die Ernennung sei am 10. Mai bei einem Treffen in Nord-Wasiristan beschlossen worden, hieß es. Dabei seien auch verschiedene andere Positionen in der Führungsspitze des Terrornetzwerkes neu besetzt worden. Der Ägypter Eiman al-Sawahiri, der in den vergangenen Jahren als Nummer Zwei von Al-Kaida zahlreiche Botschaften veröffentlicht hatte, soll demnach die Funktion eines spirituellen Führers übernehmen.
Von einigen Islamisten in Europa wird die Nachricht von der Ernennung von Saif al-Islam zum Nachfolger Bin Ladens allerdings noch angezweifelt. Die arabische Tageszeitung "Al-Sharq Al-Awsat" berichtete, mehrere arabische Islamisten warteten noch auf eine Art "offizielle Erklärung" des Terrornetzwerkes Al-Kaida zur Frage. In den Internet-Foren der Islamisten finden sich ebenfalls Warnungen: "Die Ungläubigen und CNN dürfen keine Informationsquelle für uns sein...Die ganze islamische Nation muss aus offizieller Quelle wissen, wer der neue Anführer ist, sie muss ihn auswählen und ihm Loyalität versprechen".
Quelle: dpa , AFP
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