16.12.2010, 08:43 Uhr | Von Otto Bakano, AFP
Spielen gegen Diskriminierung: die Mitglieder des Fußballclubs "Albino United" leiden unter Albinismus (Foto: AFP)
Die jungen Männer mit der auffallend hellen Haut stürmen über eine staubige Sandpiste. Der Straßenrand dient als Trainingslager für den ersten Fußballclub in Tansania, in dem Sportler mit Albinismus spielen. Der ungewöhnliche Verein mit dem Namen "Albino United" will damit zeigen, dass seine Fußballer weder verhext noch im Besitz von übermenschlichen Kräften sind - sondern bloß mit einer ziemlich harmlosen Pigmentstörung auf die Welt gekommen.
"Dem Team ist es gelungen, Menschen mit Albinismus glücklich und stark zu machen", sagt Manager Severin Edward. "Vorher war das nicht möglich."
Im ostafrikanischen Tansania ist es seit einigen Jahren zu einer Serie von grausamen Morden an Menschen mit Albinismus gekommen. Medizinmänner sollten aus ihren Körperteilen Wundermittel herstellen, nachdem der Aberglaube aufgekommen war, die Albinos hätten übernatürliche Kräfte. In der Hauptstadt Daressalam sind bislang keine Morde an Menschen mit Albinismus registriert worden, doch ihre Botschaft wollen die Fußballer auch in die von dem Aberglauben betroffene Region im Norden des Landes schicken. Im Fußballclub träten die hellhäutigen Spieler als ganz normale Sportler auf, sagt Edward. "Davon profitieren auch die Albinos außerhalb des Teams und außerhalb von Daressalam."
Ursprünglich hieß der vor zwei Jahren gegründete Club "Albino Magic", doch dann fiel den Gründern auf, dass der Name zu sehr an die Hexenmeister erinnert, und nannten sich "United". "Vereint, so fühlen sich die Mitspieler hier auch", sagt Teammanager Edward. Viel Geld für seine Überzeugungsarbeit hat er nicht. Das Spielfeld ist ein staubiger Platz, die Tore werden von Baumstämmen markiert, und viele Spieler haben nicht einmal richtige Fußballschuhe.
Die Armut hält den Flügelstürmer Said Seremani nicht davon ab, von einer Karriere im professionellen Fußball in Europa zu träumen. "Ich glaube, ich kann es mit diesem Club schaffen, wenn sie mich hier entdecken." Seremani selbst spielt trotz des Verletzungsrisikos barfuß. "Ich habe viel von diesem Verein profitiert", sagt der 17-Jährige. "Ich konnte auf diese Weise mein Schulgeld zahlen und bin in Provinzen gereist, die ich vorher nie gesehen hatte."
Seremanis Mutter, die selbst nicht an Albinismus leidet, hat den Jungen alleine aufgezogen, nachdem der Vater sie nach der Geburt verließ. "Als ich merkte, dass ich einen Albino zur Welt bringe, sah ich das gar nicht negativ. Ich fand das nicht seltsam." Ihr gefalle sein Interesse am Fußball, sagt die Mutter. "Er fing schon als kleiner Junge an. Oft verschlang er sein Essen ganz schnell, um dann gleich zum Platz zu rennen."
Albinismus ist eine vererbbare Störung der Pigmentierung von Haut, Haar und Augen, die die Betroffenen empfindlicher macht für ultraviolette Sonnenstrahlen. Meist ist auch die Sehkraft beeinträchtigt. Die brennende Sonne in der Küstenstadt Daressalam, aber auch Armut, Krankheiten und Verletzungen im Team schränken die Trainingszeiten ein. Weil die Spieler so empfindlich gegenüber der Sonne sind, können sie erst ab dem späten Nachmittag spielen, wenn die größte Hitze vorüber ist. Doch die jungen Spieler trauen sich jetzt alles zu. "Ich spiele mit, weil die Gesellschaft uns verachtet", sagt Fikiri Sultan. "Jetzt sehen uns jene, die uns einst verachteten, im Fernsehen. Sie lernen uns zu akzeptieren. Wenn wir das geschafft haben, können wir alles schaffen", sagt der 28-Jährige.
58 Morde an Menschen mit Albinismus wurden seit 2007 in Tansania gezählt, wie die kanadische Organisation Under the Same Sun berichtet. Manche Leichenteile sollen sogar außer Landes geschafft worden sein. In vielen südlichen Landesteilen von Tansania scheinen hellhäutige Menschen sicher vor solcher Gewalt zu sein. Mit Diskriminierung haben sie jedoch auch hier zu kämpfen. Im Wahlkampf für die Parlamentswahl musste sich der Kandidat Salum Khalfani Barwani für seine weiße Haut rechtfertigen. Der Politiker könne als Albino nicht klar denken, schimpften seine Gegner. Barwani wurde trotzdem ins Parlament gewählt - als erster Abgeordneter mit Albinismus in Tansania.
Quelle: AFP
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