
11.10.2011, 12:05 Uhr
Tausende Menschen nahmen in Kairo an der Trauerfeier für die getöteten koptischen Christen teil (Quelle: Reuters)
Nach den blutigen Straßenkämpfen zwischen Christen und dem Militär wird in Ägypten nach den Schuldigen gesucht. Die Vereinigungen der koptischen Christen machten in einer Erklärung, die von der christlichen Zeitung "Watani" veröffentlicht wurde, die Armeeführung für das Blutbad von Sonntagnacht verantwortlich. Offiziell ist von 25 Toten und 329 Verletzten die Rede. Inoffizielle Angaben gehen davon aus, dass unter den Toten auch vier Soldaten waren.
Tausende Menschen haben am Montagabend in der koptischen Kathedrale von Kairo an der Trauerfeier für die bei der Demonstration getöteten koptischen Christen teilgenommen. Live-Bilder des privaten Fernsehsenders "ON TV" zeigten, wie die blumengeschmückten Särge mit den Namen der 17 Opfer aufgebahrt wurden und viele der Trauernden in Tränen ausbrachen.
"Das gewalttätige Vorgehen (der Soldaten) war schlimmer als das, was die israelische Armee mit den Palästinensern macht, die Kassam-Raketen abfeuern", heißt es in der Erklärung der koptischen Vereinigungen. Augenzeugen berichteten, wie Truppenfahrzeuge in die vor dem Staatsfernsehen versammelte Menge rasten. Nach Angaben des Gerichtsmediziners Maged Luis al-Nimr, der einige der Leichen im koptischen Krankenhaus untersuchte, wurden zehn der 17 untersuchten Opfer von Fahrzeugen überfahren. Selbst nach dem Anschlag von Luxor im Jahr 1997 habe er keine derart zugerichteten Leichen gesehen, sagte der Mediziner.
Die Staatsanwaltschaft der Militärjustiz hatte am Montagabend 19 Christen und zwei Muslime in Untersuchungshaft genommen, denen sie Zerstörung öffentlichen Eigentums und Angriffe auf die Armee vorwirft.
Horror bei einer Demonstration koptischer Christen in Kairo. zum Video
Die staatlichen Medien meldeten, die Übergangsregierung wolle binnen zwei Wochen eine revidierte Version des Gesetzes vorlegen, das den Bau von Gotteshäusern vorsieht. Die Demonstration der koptischen Christen am Sonntagabend, bei der es zu den gewalttätigen Zusammenstößen mit der Armee gekommen war, hatte als friedliche Protestaktion gegen den Gouverneur der Provinz Assuan begonnen. Die Christen werfen ihm vor, er habe in einem Streit um den Umbau eines Hauses in eine koptische Kirche in einem Dorf die Partei der muslimischen Dorfbewohner ergriffen.
Die europäische Presse blickt besorgt auf die politische Lage in Ägypten. So schreibt die rechtsliberale spanische Zeitung "El Mundo": "Mit dem Massaker hat der seit dem Sturz Mubaraks regierende Militärrat in Ägypten versucht, die Empörung wegen des Brandanschlags auf eine koptische Kirche im Süden im Keim zu ersticken. Zudem wird vor den für November angesetzten ersten demokratischen Wahlen der Hass zwischen religiösen Gruppen geschürt. Dies alles lässt vermuten, dass es sich um einen Versuch der radikalsten Kräfte der Militärregierung handelt, um die Situation so weit zu destabilisieren, dass der demokratische Übergang unmöglich wird."
Die linksliberale römische "La Repubblica" sieht in Ägypten nach den blutigen Auseinandersetzungen in Kairo eine wachsende Furcht vor einem Bürgerkrieg: "Vor allem ist es der Militärführung und der provisorischen Regierung in den vergangenen Monaten nicht gelungen, einen klaren politischen und institutionellen Parcours hin zu dem erhofften Regime-Wechsel vorzuzeichnen. Begleitet von der Gefahr weiterer interreligiöser Auseinandersetzungen geht jetzt das Gespenst einer geplanten Destabilisierung um, gefördert eben von dieser Regierung, und von einem fortbestehenden Misstrauen unter denen, die viel von der Revolution erwartet hatten. Der Übergangsprozess (...) läuft so Gefahr, vom rechten Weg abzukommen."
Der rechtsliberale Mailänder "Corriere della Sera" sieht nach den Unruhen in Kairo den arabischen Frühling in der Krise und erinnert an die Revolution von 1848 in Europa: "Das Volk hat die neuen Sultane verjagt, aber nicht deren Soldaten und Verbündeten. Es hat das alte Regime zertrümmert, doch ist es ihm nicht gelungen, Parteien und Bewegungen ins Leben zu rufen, die in der Lage sein könnten, den Sieg in den Aufbau eines neuen politischen Systems umzumünzen. Das, was jetzt geschieht, erinnert in vielerlei Hinsicht an einen anderen Frühling der Völker - den von 1848 in Europa. Damals mussten die Liberalen nach begeisternden Siegen vor den Mächten der Restauration - Herrscher, Militär, Konservative - zurückweichen. Sie mussten vieles von dem wieder abtreten, was sie in den Monaten zuvor erobert hatten."
Quelle: dpa , AFP
irgendeine schrieb:
am 11. Oktober 2011 um 20:25:58
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Ewald
Demokratie in der Schweiz...stimme ich Dir zu. Dort wird das Volk gefragt, es gibt Volksabstimmungen. In den USA sehe ich das
allerdings etwas anders. Die Präsidenten dort sind längst die Marionetten der Wirtschaft und verwalten lediglich statt zu regieren. Außerdem gibt es dort nur 2 Parteien.....,man kann im Prinzip nur zwischen Pest und Cholera wählen. Von Deutschland will ich gar nicht erst reden (shreiben).
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Pilo schrieb:
am 11. Oktober 2011 um 19:04:41
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Unruhen-Demokratie
Glaubt blos nicht dass das Kapital eure Vorstellungen von Demokratie Hat.
Für dieses bedeutet es ungezügelte
Bereicherungsmöglichkeit zu erhalten!!
Guten Abend den Gutgläubigen !
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GuenterF schrieb:
am 11. Oktober 2011 um 18:02:25
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Ägypten und Demokratie??
und was haben die Politikversteher in der westlichen Welt alle gejubelt vom vermeintlichen Demokratisierungsprozess
in den nordafrikanischen Regionen. Muslimische Länder und Demokratie?? Da gehört auch Tolerierung Andersgläubiger dazu. So lange das Ungläubige im Sprachgebrauch sind, werden die gejagt und verfolgt. Die werden ihre aufstrebende und gebildete Jugend an die Wand drücken und einsperren, weil die den Ansatz haben, sich zu öffnen. Facebook-Revolution! Daß ich nicht lache. Wo denn??
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