09.03.2010, 15:23 Uhr
Der Sturm hinterlässt in Deutschland eine Spur der Verwüstung (Foto: dpa)Orkantief "Xynthia" hat am Sonntag den kompletten Zugverkehr in Nordrhein-Westfalen und im Saarland lahmgelegt. Auch in Rheinland-Pfalz war der Zugverkehr teilweise gestoppt worden, in Baden-Württemberg waren viele Bahnstrecken unterbrochen. In Hessen stand ein ICE mit über 800 Passagieren rund drei Stunden auf offener Strecke, nachdem er mit einem umgestürzten Baum kollidiert war.
Wie ein Bahnsprecher in Nordrhein-Westfalen sagte, sollten nach der am Abend getroffenen Entscheidung die Züge zum Teil noch bis an ihr Ziel fahren. Aus Sicherheitsgründen würden aber keine neuen Züge eingesetzt. Man wolle einfach kein Risiko eingehen, sagte der Sprecher. Wie lang die Unterbrechung dauern sollte, konnte er zunächst nicht absehen.
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Orkanböen von bis zu 165 Stundenkilometern hatten in weiten Teilen Deutschlands Bäume entwurzelt, Dächer abgedeckt und Baustellenteile durch die Luft gewirbelt. Schon am Nachmittag war der Bahnverkehr dadurch erheblich behindert. Im Fernverkehr war es bundesweit zu massiven Verspätungen gekommen. Aus Sicherheitsgründen war die Geschwindigkeit vieler Fernzüge gedrosselt worden.
Im Laufe des Tages riss „Xynthia“ in Westeuropa mindestens 52 Menschen in den Tod. In Deutschland wurden bis zum frühen Sonntagabend vier Menschen von umstürzenden Bäumen erschlagen. Es gab zahlreiche Verletzte. Im Schwarzwald kam ein 74-jähriger Mann ums Leben, bei Wiesbaden ein 69 Jahre alter Wanderer. Bei Köln wurde eine Joggerin getötet. Im Rhein-Erft-Kreis wurde eine Nordic-Walkerin von einem fallenden Baum getötet. Wie die Polizei in Bergheim mitteilte, war sie trotz heftigen Sturms in einem Wald in Pulheim bei Köln unterwegs gewesen.
Die meisten Opfer gab es in Frankreich, wo im schlimmsten Unwetter seit zehn Jahren 45 Menschen umkamen. Der Großteil ertrank bei Überschwemmungen an der Atlantikküste. In zahlreichen Orten in der Nähe von La Rochelle stand das Wasser bis zu 1,50 Meter hoch in den Straßen. Air France strich etwa 70 von insgesamt 700 Flügen am Pariser Flughafen Charles de Gaulle. In den Pyrenäen stürzten Felsbrocken auf die Straßen. Die Grenze zu Spanien wurde zeitweise geschlossen.
Von einer Baustelle am Flughafen seien Fassadenteile, Werbeplakate und Baumaterial auf die A3 geweht worden, sagte eine Polizeisprecherin in Frankfurt. Die Autobahn, die von Köln nach Würzburg führt, sei deshalb um 14.30 Uhr bei Kelsterbach bis auf weiteres ganz gesperrt worden. Der Verkehr wird weiträumig umgeleitet. "Die Sperrung wird wieder aufgehoben, wenn der Sturm vorbei ist", sagte die Polizeisprecherin.
Auch auf dem Frankfurter Flughafen kam es zu zahlreichen Verspätungen und Ausfällen. Am frühen Nachmittag waren bereits 22 Starts und Landungen gestrichen worden. "Das wird noch zunehmen", sagte ein Sprecher. Bei starkem Wind dürfen aus Sicherheitsgründen deutlich weniger Flugzeuge pro Minute landen als normalerweise. Daher waren auch viele Maschinen verspätet.
"Xynthia" sei ein Sturmtief, "wie man es nicht jedes Jahr hat", sagte Meteorologe Peter Hartmann vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach. Die höchste Windgeschwindigkeit in Deutschland wurde nach Angaben des Wetterdienstes Meteomedia am Sonntag bis 17.00 Uhr mit 165 Kilometern pro Stunde bei Weinbiet in Rheinland-Pfalz gemessen. Auf der Wasserkuppe in Hessen waren es 141 Stundenkilometer.
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In Spanien, wo die Wetterexperten von einer "meteorologischen Bombe" gesprochen hatten, erreichte "Xynthia" die Rekordgeschwindigkeit von 228 Stundenkilometern. Dieser am Samstag gegen 21.00 Uhr in der baskischen Kleinstadt Orduña gemessene Wert liegt noch über den 213 Stundenkilometern, die Jahrhundert-Orkan "Lothar" 1999 im Schwarzwald erreichte, den bis dahin höchsten Wert seit Beginn der wissenschaftlichen Wetterbeobachtung Ende des 19. Jahrhunderts.
In mehreren deutschen Bundesländern waren die Rettungskräfte pausenlos im Einsatz. "Es ist alles im Einsatz, was fahren und laufen kann", sagte ein Polizeisprecher in Frankfurt. Mobile Toiletten flogen durch die Luft. Bäume stürzten um, Fassadenteile, Material von Baustellen und Werbeplakate wirbelten umher und blockierten Straßen. Bis zu 20 000 Menschen waren in Hessen von Stromausfällen betroffen.
Im pfälzischen Landau erlitt eine Frau schwerste Verletzungen, als der Sturm ein Eisentor aus der Verankerung riss, das sie gerade schließen wollte. In einigen Orten in Rheinland-Pfalz fiel vorübergehend der Strom aus. "Die Bäume knicken um wie die Streichhölzer", hieß es von Einsatzkräften in Mainz. Dächer wurden vom Sturm abgedeckt, Baustellen verwüstet.
Viele Straßen Baden-Württembergs waren von entwurzelten Bäumen blockiert. Auch im Raum Stuttgart fiel der Bahnverkehr aus, ein Ersatzverkehr über die zum Teil verwüsteten Straßen war nicht möglich. Bei Würzburg in Bayern erlitt ein Mann schwere Quetschungen, als er im Sturm die Arretierung eines Krans lösen wollte. Auch in Nordrhein-Westfalen und in Thüringen richtete "Xynthia" viele Schäden an. Umgestürzte Bäume blockierten auch Autobahnen.
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Am wenigsten betroffen vom Wind ist laut Experten die Alpenregion. Dort herrsche zwar Föhn, dieser sei aber nicht so stark wie der Sturm. Am Montag tobe sich der Wind am heftigsten über der Ostsee aus. Dann zeigt sich in Deutschland auch schon ein wenig die Sonne. Die weitere Woche entwickelt sich nach Angaben von Meteomedia deutlich ruhiger. "Der Wind weht dann zwar noch kräftig aus West bis Nordwest, langsam kehrt aber Ruhe ein in die Wetterküche", sagt Globig. Die Sonne zeigt sich am Montag in Baden-Württemberg und Bayern. Hier liegen die Temperaturen laut Meteomedia zwischen acht und zehn Grad.
In der Nacht hingegen ist es relativ kalt. Meteorologe Globig rechnet aufgrund der Nässe auf den Straßen mit Glätte. Sowie die Wolkendecke aufreiße sei weiter Frost angesagt. Am Dienstag ziehen Graupelschauer über Deutschland. Die Temperaturen steigen am Rhein auf acht bis elf Grad. Am kältesten ist es laut Meteomedia in Ostholstein und Vorpommern. Dort werden nur drei bis vier Grad erreicht.
Quelle: wetter.info, dpa, to, afp
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