23.03.2011, 14:15 Uhr
Flüchtlinge sind auf der italienischen Insel Lampedusa gelandet. (Foto: Reuters)
Vorurteile und Intoleranz gegenüber Minderheiten sind laut einer neuen Studie in Europa weiter verbreitet als bislang angenommen. Außerdem wächst die Sehnsucht nach einer starken Führerfigur. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Untersuchung von Wissenschaftlern der Universität Bielefeld im Auftrag der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung.
So ist rund die Hälfte der Befragten in acht EU-Staaten der Ansicht, es gebe in ihrem Land zu viele Zuwanderer. Ebenso viele verlangen die Bevorzugung von Einheimischen bei Arbeitsplätzen in Krisenzeiten. Mehrheitlich wird zudem der Islam pauschal als "Religion der Intoleranz" verurteilt. "Die gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit ist somit auch in Europa keineswegs ein Phänomen von politischen Randgruppen", erklärten die Forscher.
Danach sind auch antisemitische Einstellungen zum Teil tief verwurzelt. So seien zwischen 17 Prozent der Befragten in den Niederlanden und über 70 Prozent in Polen davon überzeugt, "die Juden" wollten heute Vorteile aus ihrer Verfolgung in der Nazi-Zeit ziehen. Ein Drittel der befragten Europäer glaubt danach an eine Überlegenheit von bestimmten Völkern im Vergleich zu anderen.
Als "besorgniserregend" werteten die Forscher weiter, dass eine Mehrheit der Befragten in allen Länder das Gefühl habe, von ihren Politikern nicht verstanden zu werden. Dieses Gefühl politischer Machtlosigkeit gehe oft mit dem Wunsch nach einer starken Führerfigur einher. So wachse in Europa der Wunsch nach autoritären Regierungsformen.
Danach ist fast jeder dritte Deutsche der Ansicht, dass ein "starker Mann" an der Spitze gebraucht werde, der sich nicht um Parlament oder Wahlen schert. In traditionellen Demokratien wie Großbritannien und Frankreich sind mehr als 40 Prozent dieser Ansicht. In Ländern wie Portugal oder Polen liegt dieser Anteil sogar bei mehr als 60 Prozent.
Untersucht wurden die Einstellungen in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, Portugal, Polen, Ungarn und den Niederlanden. Deutschland liegt danach im europäischen Mittelfeld.
Quelle: dpa
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