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Streit um Tanzverbot am Karfreitag

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Streit um Tanzverbot am Karfreitag

22.04.2011, 22:22 Uhr | Von Gregor Tholl, dpa

Tanzen erlauben oder nicht? Das Tanzverbot am Karfreitag wird wieder heftig diskutiert. (Foto: dpa) (Quelle: dpa)

Tanzen erlauben oder nicht? Das Tanzverbot am Karfreitag wird wieder heftig diskutiert. (Foto: dpa) (Quelle: dpa)

Tanzverbot? Wo gibt's denn sowas? Antwort: in Deutschland! Doch die regional unterschiedlichen Gesetze an gewissen "stillen Feiertagen" wie Karfreitag, Allerheiligen oder Totensonntag sind vielen Leuten nicht bewusst und wirken auf sie wie ein Überbleibsel aus einem Land ohne Spaß.

Denn Tanzpartys, Rockkonzerte und sportliche Wettkämpfe widersprechen aus Sicht der Gesetzgeber dem ernsten Charakter einiger christlicher Feiertage. Nach dem Grundgesetz sind staatlich anerkannten Feiertage "als Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung gesetzlich geschützt".

"Taliban lässt grüßen"

"Der Taliban lässt grüßen", polterte der Frankfurter Gastronom Ralf Scheffler vom Kulturzentrum Batschkapp kürzlich in einer Mitteilung: "Tanzverbot, das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Solche Maßregelungen erwartet man heutzutage zu Recht nur noch in den Herrschaftsbereichen der Steinzeit-Islamisten."

Frankfurt verschickt Mahnungen

Was war geschehen? Die Stadt Frankfurt hatte Mahnschreiben an Disco-Besitzer verschickt, weil Bürger gepetzt hatten, dass dort Veranstaltungen geplant seien, die möglicherweise verboten werden müssten. Nach einem Landesgesetz von 1952 darf in Hessen am Karfreitag sowie den Osterfeiertagen von jeweils 4 Uhr morgens bis 12 Uhr mittags nicht öffentlich getanzt werden.

Grüne: Verbot "nicht zeitgemäß"

Das finden jetzt auch die Grünen falsch, obwohl sie das Gesetz während ihrer Regierungszeit in Hessen unverändert ließen. Die Landtagsabgeordnete Sarah Sorge findet das Verbot "nicht zeitgemäß". Die Jugendorganisation der hessischen Grünen rief für Freitag zu einem Flashmob in Frankfurt auf, also zu einem über Handy und E-Mails organisierten Protestauflauf. Auch die Jungen Liberalen sagen: "Niemand wird in seiner Glaubensausübung gehindert, wenn Menschen andernorts feiern." Das sieht Hessens Innenminister Boris Rhein (CDU) anders: Hessen sei ein "christlich-abendländisch geprägtes" Land. Daher sei es "richtig und wichtig, dass es an den höchsten christlichen Feiertagen des Jahres nicht 'Ramba Zamba' rund um die Uhr" gebe.

"Wer gackert, muss auch ein Ei legen"

Auch im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen gab es eine Diskussion: Ein Verbot von Unterhaltungsveranstaltungen an kirchlichen Feiertagen passe nicht mehr in die Zeit, sagte Grünen-Landeschef Sven Lehmann der "Rheinischen Post". Doch dem Motto "Wer gackert, muss auch ein Ei legen", das zu Ostern passen würde, will er dann doch nicht folgen.

Grüne wollen Debatte anstoßen

Der dpa erläuterte Lehmann, die rot-grüne Regierung plane keine Änderung des Feiertagsgesetzes im Land. Die Grünen wollten aber eine Debatte anstoßen. Christen dürften dem Rest der Bevölkerung nicht vorschreiben, wie sie den Tag verbringen. "Unsere Gesellschaft ist nicht nur christlich geprägt, sondern vielseitig - auch jüdisch, muslimisch und säkular." Die NRW-FDP teilte mit, sie sei offen "für moderate Veränderungen am Feiertagsgesetz".

Die Kirchen, seit Jahren auf einem Rückzugsgefecht, wollen ihre Bastion nicht aufgeben: "Wer die Aufhebung der besonderen Feiertagsruhe am Karfreitag propagiert, fordert nichts Anderes als mehr Werktage", sagte Nikolaus Schneider, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Auslöser der NRW-Debatte waren umstrittene Aufführungen an einigen Bühnen, die für Karfreitag geplant gewesen waren. Nach einem Hinweis der Bezirksregierung verlegte zum Beispiel das Essener Aalto-Theater die Premiere einer Puccini-Oper auf Gründonnerstag vor.

Karfreitag ein Tag "der Stille und Besinnung"

Die Beauftragte der Unions-Bundestagsfraktion für Kirchen und Religionsgemeinschaften Maria Flachsbarth sagte, der Verzicht auf öffentliche Sportveranstaltungen, Tanz oder Theater sei an Karfreitag richtig. "Für solche Veranstaltungen gibt es in unserer Gesellschaft nun wirklich ausreichend Gelegenheit." Der Karfreitag sei ein Tag der Stille und der Besinnung, der allen Menschen zugutekomme.

Stephan Büttner, der Geschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Discotheken- und Tanzbetriebe glaubt das nicht. Er sieht stark veränderte Bedürfnisse in der Gesellschaft. Viele Menschen fragten am Vorabend und in den frühen Morgenstunden eines Feiertages Gastronomie, Musik und Tanz nach. Verbote sind deshalb für ihn "antiquierte Relikte aus vergangenen Zeiten".


Quelle: dpa

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