Startseite Jetzt online bestellen und 10% Rabatt sichern

Sie sind hier: Home > Nachrichten > Wissen > Archäologie >

Stonehenge: Steinkreis soll Totenstadt gewesen sein

...

Stonehenge soll Totenstadt gewesen sein

30.05.2008, 10:47 Uhr

Von Jens Lubbadeh

Heilstädte oder Totenstadt - Was war Stonehenge wirklich? (Quelle: dpa) Heilstädte oder Totenstadt - Was war Stonehenge wirklich? (Quelle: dpa)Mike Parker Pearson, Archäologie-Professor an der University of Sheffield, hat eine Theorie. Und Geoffrey Wainwright, Präsident der Society of Antiquaries, und sein Kompagnon Timothy Darvill von der Bornemouth University haben auch eine. Die Forscher glauben jeweils zu wissen, was Stonehenge war, jenes rätselhafte Monument aus Steinkreisen im Westen Englands. Parker Pearson sagt: Stonehenge war ein Friedhof, eine Stadt für die Toten. Wainwright und Darvill sagen: Stonehenge war eine Pilger- und Heilstätte, ein steinzeitliches Lourdes.

Rätsel gelöstStonehenge war eine Heilstätte
Foto-SerieMysterium Stonehenge
GrafikHier liegt Stonehenge
Das deutsche StonehengeSonnenobservatorium von Goseck
GrafikDie neuen Sieben Weltwunder

"Der größte Friedhof Großbritanniens"

Nun prescht Parker Pearson vor: Er hat erstmals das Alter von Resten von Feuerbestattungen datiert, die in Stonehenge gefunden wurden - die Überreste eines Erwachsenen und die einer etwa 25 Jahre alten Frau. Der Archäologe datierte sie auf die Zeit von 2930 bis 2870 und auf 2570 bis 2340 vor Christus. Aus dieser zeitlichen Spanne zwischen beiden Bestattungen leitet der Forscher eine Bestätigung für seine Theorie ab: Stonehenge war schon vor 5000 Jahren eine Begräbnisstätte und war das für mindestens 500 bis 600 Jahre. "Im Jahr 3000 vor Christus war Stonehenge der größte Friedhof Großbritanniens", sagte Parker Pearson im Gespräch mit "Spiegel Online".

Überreste schon in 50ern gefunden

Gefunden wurden die Überreste der Feuerbestattungen laut Parker Pearsons bereits in den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts. Sie stammen aus den sogenannten Aubrey Holes, Mulden, die rund um die berühmten Steinkreise liegen und die mit einem Alter von 5000 Jahren zu den ältesten Teilen des Monuments gehören - die ersten Steinkreise wurden erst etwa 2600 vor Christus errichtet. Die sterblichen Überreste lagerten bis heute im Salisbury Museum und wurden laut Parker Pearson jetzt zum allerersten Mal auf ihr Alter hin untersucht.

Zahl der Toten nicht bekannt

In Stonehenge wurden viele Menschen feuerbestattet: Insgesamt 49 Gräber fand man in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts. Parker Pearson schätzt, dass innerhalb der 600 Jahre wahrscheinlich bis zu 240 Leute in der Kultstätte begraben wurden - Männer, Frauen und auch einige Kinder. "Leider wurden die Grabfunde 1935 wieder vergraben, weil man glaubte, sie seien nicht von Interesse", sagte Parker Pearson. "Daher weiß keiner genau wie viele Leute dort wirklich begraben wurden." Doch wer wurde an dem Monument tatsächlich bestattet? Andrew Chamberlain, ein Kollege Parker Pearsons, vermutet, dass in den Aubrey Holes möglicherweise nur gehobene Persönlichkeiten begraben wurden - oder sogar nur Angehörige einer einzigen Herrscher-Dynastie.

Größte Steinzeit-Siedlung entdeckt

Stonehenge - eine Stadt der Toten. Parker Pearson ist überzeugt: Die Lebenden waren nicht weit. Anfang 2007 hatte er drei Kilometer von Stonehenge entfernt die Reste der steinzeitlichen Anlage Durrington Walls entdeckt. Der Ort entpuppte sich als Nordeuropas größte Steinzeit-Siedlung - 300 Häuser fand Parker Pearson dort. Er glaubt, dass beide Stätten durch einen Fluss verbunden waren. "In Durrington hat man das Leben gefeiert und die Toten verabschiedet, sie auf Booten in den Fluss Avon gesetzt und ins Jenseits geschickt", vermutet der Forscher. "Stonehenge dagegen diente zur gleichen Zeit der Erinnerung an die Toten und als Begräbnisstätte einiger auserwählter Menschen."

Erste Grabungen seit über 40 Jahren

Während Parker Pearson seit Jahren Stonehenge und seine Umgebung erkundet, hatten seine Konkurrenten Wainwright und Darvill im April dieses Jahres inmitten der Steinkreise gegraben. Es waren die ersten Ausgrabungsarbeiten in Stonehenge seit 44 Jahren. Auch diese beiden Forscher haben Indizien für ihre Theorie, die sie präsentieren: Im Mai 2002 fanden Archäologen zwei spektakuläre Gräber in der Nähe von Stonehenge: den Amesbury Archer und die Boscombe Bowmen. Den Archer, oder Bogenschützen, fanden Ausgräber in dem Ort Amesbury, 13 Kilometer von Stonehenge entfernt. Sein Alter schätzt man auf 2300 vor Christus. Der Bogenschütze war ein kräftiger Mann und wurde 35 bis 45 Jahre alt. Vor seinem Tod hatte er sich eine schwere Knieverletzung zugezogen, die zertrümmerten und anschließend entzündeten Knochen müssen ihm qualvolle Schmerzen bereitet haben. Dennoch war er mobil, sowohl ein steinerner Armschutz als auch viele Pfeilspitzen weisen ihn als aktiven Bogenschützen aus. Anhand seines Zahnschmelzes konnten die Wissenschaftler auch seine Herkunft bestimmen: die Alpen, auf dem europäischen Festland.

Erstaunliche Gemeinsamkeiten

Die Boscombe Bowmen wurden ein Jahr später entdeckt, südlich von Amesbury. In dem Grab lagen die Reste von sieben Menschen, darunter ein Mann von etwa 30 bis 45 Jahren. Auch in diesem Grab fanden sich Pfeilspitzen, daher der Name "Bowmen". Die erstaunlichste Gemeinsamkeit beider Funde: Auch dieser Mann hatte eine Verletzung, sein linkes Bein war zertrümmert. Zwar waren die Knochen zusammengeheilt, jedoch so schlecht, dass er – genau wie der Amesbury Archer – unter Schmerzen gehumpelt haben muss. Anders als der Archer kamen die Bowmen aber nicht vom europäischen Festland sondern von der Insel, aus Wales. Von genau dort stammen die Steine mit denen Stonehenge errichtet wurde. Irgendwann zwischen 2400 und 2200 vor Christus kamen also die Boscombe Bowmen, wie auch der Amesbury Archer, in die Ebene von Salisbury. Vielleicht in der Hoffnung auf Heilung.

Kampf der Theorien, Kampf der Medien

Jede Menge Indizien, aber noch immer gibt es keine Beweise. Aus der Konkurrenz der Archäologen Parker Pearson, Wainwright und Darvill ist auch eine Konkurrenz der Medien geworden: Wainwrights und Darvills Ausgrabungsarbeiten werden von der BBC gefördert - Parker Pearson hingegen von der National Geographic Society. Es mag vielleicht kein Zufall sein, dass Parker Pearson seine Ergebnisse schon am 1. Juni im National Geographic Channel präsentiert. Denn Wainwright und Darvill werden ihre Schlussfolgerungen nach Auskunft der BBC in der Sendung "Timewatch" darlegen - frühestens in einem Monat.



Quelle: Spiegel Online

Inhalt versenden Versenden
Leserbrief An die Redaktion
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus.
Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Diese Mail an
mailing-ifrarr
Artikel versenden
Empfänger
Absender
Name
Name
E-Mail
E-Mail
Nachricht
 

"Stonehenge: Steinkreis soll Totenstadt gewesen sein" verlinken

Verlinken Sie uns, wenn Ihnen der Artikel "Stonehenge: Steinkreis soll Totenstadt gewesen sein" gefallen hat.

 
schließen

Kommentare (0)

zum Forum

Thema: "Stonehenge: Steinkreis soll Totenstadt gewesen sein"

Seite:

Kommentar schreiben

Name
Betreff
Kommentar: (Maximal 500 Zeichen)

Bitte füllen Sie alle Felder aus.

Haken

Vielen Dank. Ihr Kommentar wurde versendet!

Kommentar schreiben



Zu diesem Artikel/Thema können keine weiteren Kommentare mehr abgegeben werden.

Kommentar melden

Sie sind der Meinung, dass dieser Kommentar anstößige Inhalte enthält.

 

Haken

Vielen Dank! Ihr Hinweis wurde von der Redaktion entgegengenommen.
mailing-ifrarr

Shopping

Einkaufswelt
14,95 €-Gutschein sichern
Gutschein-Aktion bei KLiNGEL.de

Damenmode in den schönsten Sommerfarben - online bestellen und sparen. bei KLiNGEL.de

Einkaufswelt
Exklusiver Herren-Sale
Exklusiver Daniel Hechter-SALE

Höchste Qualität zum sagenhaft günstigen Preis: Hemden, Jacken u.v.m. von Daniel Hechter. mehr

Einkaufswelt
Passform-Mode für Damen
Premium-Mode mit perfekter Passform - von RAPHAELA by BRAX

Modische Multitalente für Business und Freizeit - für Frauen mit jedem Figur-Typ. zum XXL-Special

Einkaufswelt
Perfekte Hosen für Damen
Die neuen Trends von AtelierGS

Entdecken Sie jetzt die modischen Hosen der Saison – in exzellenter Passform! von AtelierGS


Downloads & Shops

Minus 29%: CutOut PRO
CutOut PRO (Quelle: Softwareload)

Der Meister für feinste Freistellungen und präzise Montagen. mehr

Historische Traktoren
Agrar Simulator: Historische Landmaschinen (Quelle: Koch Media)

Landmaschinen der 50er bis 70er Jahre fahren. Spiel jetzt kaufen

Badeurlaub in Kroatien ab 572,- €/P.
Last Minute bei t-online.de Reisen (Quelle: t-online.de)

1 Woche im 4-Sterne- Hotel mit AI und Flug.


Aus anderen Bereichen

Grandprix: mutiger Auf- tritt von Anke Engelke
Anke Engelke verkündet Aserbaidschan beim Eurovision Song Contest: "Europa beobachtet Dich". (Quelle: dpa)

"Aserbaidschan, Europa beobachtet Dich". mehr

Hells Angels-Boss ist "stinksauer"
Frank Hanebuth, Chef der Hannoveraner Hells Angels, ist über das Vorgehen der Polizei empört (Quelle: dpa)

Rocker beschwert sich über die Razzia. mehr


Anzeigen

Anzeige
Anzeige
Einkaufswelt
Die neuen Kurzarmhemden
Die neuen Kurzarmhemden von Esprit

Lässige Frühjahrshemden im zeitlosen Karo-Muster. mehr

Regionale Nachrichten
News aus Ihrer Region
Nachrichten aus Ihrer Region (Foto: imago)

Aktuelle Meldungen aus den Bundesländern. mehr

Augenblicke
Fotos des Tages
Eine Frau versucht bei den "Redneck Games" in Dublin, einen Schweinefuß mit dem Mund zu fischen. (Quelle: dpa\Erik S. Lesser)

Tierischer Tauchgang. mehr

Special
Die neuen Kriege
US-Soldaten beim Einsatz in Afghanistan (Quelle: Reuters)

Moderne Kriegsführung und moderne Waffen. mehr

Aus dem All
Satellitenbild der Woche

Wie Außerirdische die Erde sehen würden. zur Foto-Serie

Quiz
Rätseln Sie sich schlau!
(Montage: t-online.de)

Quiz bei t-online.de: Testen Sie Ihr Wissen. zur Quiz-Seite

Anzeige

Zur breiten Ansicht
© Deutsche Telekom AG 2012

Anzeige