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Italienische Komapatientin gestorben
10.02.2009, 13:28 Uhr
Eluana Englaro lag seit 1992 im Wachkoma - am Montag starb sie (Foto: AP)
Die italienische Koma-Patientin Eluana Englaro, die derzeit im Zentrum einer kontrovers geführten Debatte um Sterbehilfe steht, ist gestorben. Das berichtete der italienische Gesundheitsminister Maurizio Sacconi im Senat. Die heute 38-Jährige lag seit einem Unfall im Jahr 1992 im Koma.
Ein Gericht hatte in der vergangenen Woche verfügt, dass Eluana - gemäß dem Wunsch der Eltern - sterben darf. Die Ärzte in einer Klinik in Udine hatten daraufhin die künstliche Ernährung der Patientin reduziert, um sie gänzlich sterben zu lassen.
Komapatientin Berlusconi will Gesetz im Eilverfahren
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Englaro starb früher als erwartet
Englaro starb am Montagabend kurz nach 20 Uhr Ortszeit und damit deutlich früher, als von den Ärzten erwartet. Diese hatten vorausgesagt, dass die Patientin auch ohne Nahrung und Flüssigkeit noch "12 bis 14 Tage" leben könne. "Ja, sie hat uns verlassen", bestätigte der Vater der Komapatientin, der seit Jahren dafür gekämpft hatte, dass die künstliche Ernährung seiner Tochter eingestellt werden konnte. Der Vater sagte noch, er wolle jetzt nur allein sein.
Regierung wollte Sterbehilfe verhindern
Der Fall hatte auch über die Landesgrenzen hinaus für Diskussionen gesorgt. Die Regierung des rechtskonservativen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi wollte eine Fortsetzung der lebenserhaltenden Maßnahmen per Gesetz erzwingen. Staatspräsident Giorgio Napolitano hatte am Freitag eine für das Gesetz notwendige Unterschrift verweigert. Der Senat in Rom hatte am Montagnachmittag Beratungen über ein Eilverfahren gegen Sterbehilfe eröffnet.
Berlusconi beklagt "tiefen Schmerz"
Die Senatoren, die noch am Montagabend über den entsprechenden Gesetzentwurf beraten sollten, legten eine Schweigeminute für die Verstorbene ein. Regierungschef Berlusconi sprach von einem "tiefen Schmerz". Es sei seiner Regierung nicht möglich gewesen, "ein Menschenleben zu retten."
Vatikan beklagt "Euthanasie"
Auch der Vatikan hatte immer wieder gegen "Euthanasie" argumentiert. "Möge der Herr sie aufnehmen und denjenigen vergeben, die sie dorthin gebracht haben", sagte der Gesundheitsbeauftragte des Vatikans, Javier Lozano Barragan, der italienischen Nachrichtenagentur Ansa.
Opposition: "Angriff auf die Verfassung"
Eine Abstimmung über den Gesetzentwurf soll am Dienstag stattfinden. Am Mittwoch würde dann das Abgeordnetenhaus beraten. Berlusconis rechtsgerichtete Regierung verfügt in beiden Parlamentskammern über bequeme Mehrheiten. Oppositionschef Walter Veltroni sprach am Montag von einem "beispiellosen Angriff auf die Verfassung". Berlusconi wies diese Kritik zurück: "Ich habe auf die Verfassung geschworen, aber man kann sie ändern."
Klinik wird überprüft
Noch am Montag sollten vier von den Behörden bestellte Ärzte die Klinik "La Quiete" in Udine wegen "Unregelmäßigkeiten" in der Verwaltung überprüfen. Der Präsident der Region Friaul-Julisch-Venetien, Enzo Tondo, hatte die Klinikleitung aufgefordert, Englaros künstliche Ernährung wieder aufzunehmen, bis das Parlament über das Eilgesetz zur Sterbehilfe abgestimmt habe.
Sterbehilfe spaltet Italien
Eluana war vor 17 Jahren nach einem Autounfall ins Koma gefallen. Davor hatte sie nach Angaben von Freunden und Angehörigen betont, dass sie im Fall eines Komas sterben wolle. Ihr Schicksal spaltete das stark katholisch geprägte Italien: Nach einer vom "Corriere della Sera" veröffentlichten Umfrage waren 47 Prozent der Bürger dafür, die Komapatientin sterben zu lassen. 47 Prozent waren dagegen. Sterbehilfe ist in Italien verboten.
Quelle: AFP
, dapd
, dpa