Italiens Staatschef Napolitano besucht die stark zerstörte Stadt L'Aquila (Foto: Reuters)
Bei einem Besuch des Erdbebengebiets in den Abruzzen hat der italienische Präsident Giorgio Napolitano "unverantwortliche" Baumängel kritisiert. "Niemand darf die Augen verschließen", sagte Napolitano in der am stärksten betroffenen Stadt L'Aquila. Dies gelte für Verkäufer ebenso wie für Käufer von Immobilien. Die Verantwortung laste auf vielen Schultern, von den Bauherren bis hin zur Bauaufsicht. Die Gebäude müssten "sicherer" sein, unabhängig von der schwierigen Vorhersehbarkeit von Erdbeben.
Nach einem Erdbeben im Jahr 2002 waren 2005 verschärfte Baubestimmungen beschlossen worden, deren Inkrafttreten jedoch im Herbst auf Juni 2010 vertagt worden war. Bei dem Beben am Montag kamen nach jüngsten Angaben von Ministerpräsident Silvio Berlusconi 279 Menschen ums Leben, darunter 20 Kinder. Die Polizei sprach am Donnerstag von bis zu 30 Vermissten. Die Zahl der Verletzten wurde mit 1170 angegeben, darunter 179 Schwerverletzte. Es gibt noch immer 28.000 Obdachlose.
Berlusconi rechnet für den Wiederaufbau mit Kosten von mehreren Milliarden Euro. Noch sei es aber zu früh, um die genaue Summe abschätzen zu können, sagte Berlusconi. Italien hat seit 1976 für die Behebung der Schäden von drei Erdbeben 46 Milliarden Euro ausgegeben. In L'Aquila kehrte am Donnerstag wieder ein bisschen Normalität ein: Bäcker, Metzger, kleine Supermärkte und Apotheken öffneten. In einer Bäckerei gab es auch schon wieder traditionelle Osterspezialitäten der Region.
Einsatzkräfte bargen am frühen Donnerstagmorgen in L'Aquila drei weitere Leichen aus einem eingestürzten Studentenwohnheim, in dem insgesamt sieben Studenten ums Leben kamen. Nach der Bergung der Toten in den Trümmern des Studentenwohnheims rückten Bagger an, um die Reste einzureißen. "Es wird keiner mehr vermisst. Es warten keine Eltern mehr, aber wir sind natürlich weiter sehr vorsichtig, dass da nicht doch noch jemand ist", sagte der Koordinator der Bergungsarbeiten.
Am Freitag soll eine Trauermesse für die Opfer stattfinden, die Kardinal Tarcisio Bertone leiten will. Dazu war eine Sondergenehmigung des Vatikans notwendig, da der Karfreitag, der Tag der Kreuzigung Jesu, der einzige Tag im Jahr ist, an dem es in der römisch-katholischen Kirche keine Messen gibt. Papst Benedikt XVI. will das Erdbebengebiet erst nach Ostern besuchen. In einer Gründonnerstagsmesse im Vatikan segnete er Öle, von denen einige ins Katastrophengebiet geschickt werden sollten.