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St. Augustin: Schülerin nach Amokalarm in Polizeiobhut

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16-Jährige Täterin wollte Sprengstoffanschlag verüben

13.05.2009, 12:05 Uhr

Die 16-jährige Angreiferin wurde nun von einem Bonner Gericht verurteilt (Foto: ddp) Die 16-jährige Angreiferin wurde nun von einem Bonner Gericht verurteilt (Foto: ddp)

Nach dem Amokalarm an einem Gymnasium in St. Augustin wurde ein Haftbefehl gegen die 16-jährige mutmaßliche Täterin ausgestellt, wie "Bild.de" berichtet. Die Schülerin hatte sich am Montagabend gegen 23 Uhr bei der Bundespolizei am Kölner Hauptbahnhof gestellt.

Die Kölner Haftrichterin Erika Nagel bestätigte dem Online-Portal: "Der Haftbefehl wurde wie beantragt wegen versuchten Mordes, Vorbereitung einer Sprengstoff-Explosion und gefährlicher Körperverletzung ausgestellt."

Foto-SerieAmokalarm nach Messerattacke
Versuchter BrandanschlagAmokalarm in St. Augustin

Akute Selbstmordgefahr

Laut "Bild.de" sei die Jugendliche inzwischen in einer Bonner Klinik untergebracht, in der sie von Ärzten und Psychologen betreut wird. Wegen akuter Selbstmordgefahr werde sie rund um die Uhr videoüberwacht. Die Gymnasiastin habe zudem einen Brief verfasst. Allerdings wollte die Polizei keine näheren Angaben zum Inhalt des Schreibens machen, das Ermittler im Rucksack der Jugendlichen fanden. "Nur soviel: Es war kein Abschiedsbrief", sagte ein Sprecher. Hinweise auf einen Mitwisser gebe es aber nicht.

Offenbar mit Selbstmordgedanken gespielt

Auch der Schulleiterin lagen offenbar Hinweise von Mitschülern vor, nach denen die Gymnasiastin mit Selbstmordgedanken gespielt hatte. Der schulpsychologische Dienst sei aber nicht von einer Gefahr für andere ausgegangen.

Mitschülerin vereitelte offenbar die Tat

Eine 17-jährige Mitschülerin hatte die Gymnasiastin am Montag offenbar in letzter Sekunde daran gehindert, mit Brandbeschleunigern einen Anschlag auf ihre Schule zu verüben. Sie hatte die Maskierte kurz nach 9 Uhr mit einem Rucksack bepackt in der Schultoilette angetroffen. Lehrer hörten die Schreie des Mädchens, als die Tatverdächtige mit einem langen Messer auf sie losging und ihr fast einen Daumen abtrennte. Anschließend flüchtete die mutmaßliche Täterin.

Daumen wurde wieder angenäht

Der Daumen konnte im in einer Kölner Klinik inzwischen wieder angenäht werden, doch war die Schülerin noch nicht vernehmungsfähig. Deshalb sei noch unklar, ob das Opfer sich der Verdächtigen in den Weg stellte und sie aufzuhalten versuchte. Der Vorwurf des versuchten Mordes beziehe sich nur auf den Messerangriff, betonte ein Behördensprecher. "Wir gehen davon aus, dass die Verdächtige damit eine andere Straftat - nämlich einen Anschlag - verdecken wollte."

Molotow-Cocktails, Gaspistole und Brief gefunden

In der Toilette fand die Polizei später einen Rucksack mit mehreren Molotow-Cocktails, einer Gaspistole, einer Maske und dem Brief. In der elterlichen Wohnung der 16-Jährigen stellten die Ermittler unter anderem einen Feuerlöscher mit einer "fremden Substanz" sicher. Die Molotow-Cocktails, waren nach Angaben der Staatsanwaltschaft funktionsfähig. "Es hätte sehr, sehr viel passieren können", sagte ein Sprecher. "Die Sachen waren außerordentlich gefährlich."

Feuer- statt Amokalarm

Bekannt wurde nun, dass nach der Messerattacke auf die 17-Jährige in der Schule zunächst Feuer- statt Amokalarm ausgelöst worden war. Die Schüler seien daraufhin erst einmal auf die Flure gerannt, anstatt sich in ihren Klassen zu verbarrikadieren, sagte ein Schülervertreter. "Schließlich kam aber die Ansage, dass die Klassen abgeschlossen werden sollen", sagte der 18-Jährige. Panik habe es nicht gegeben, aber "es war eine Erfahrung, die ich hoffentlich nicht mehr wieder machen muss". Spezialeinsatzkräfte hatten die rund 800 Schüler am Montag in einer Turnhalle in Sicherheit gebracht.

Einserschülerin aus unauffälliger Familie

Die Hintergründe der geplanten Tat sind unterdessen weiter unklar. Nach Informationen der "Bild"-Zeitung handelt es sich bei der 16-Jährigen um eine Einserschülerin aus einer unauffälligen Familie. Auch die Schulleiterin erklärte, das Mädchen sei eine "an sich gute Schülerin".

Ministerin Sommer: Täterprofil erweitern

Nordrhein-Westfalens Schulministerin Barbara Sommer (CDU) forderte, bei den bereits getroffenen Maßnahmen gegen Amokläufe an deutschen Schulen auch die Mädchen stärker im Blick zu halten. "Wir haben ein Stück weit Mädchen ausgeklammert", sagte sie. Hier müsste das Täterprofil erweitert werden.

Unterricht geht weiter

Um eine schnellstmögliche Rückkehr zur Normalität zu ermöglichen, hat der Unterricht an der Schule bereits am Dienstagvormittag wieder begonnen. Schulpsychologen und Notfallseelsorger stünden jedoch in den kommenden Tagen für Schüler, Eltern und Lehrer bereit, heißt es auf der Internetseite der Schule.

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Quelle: dapd , AFP , dpa

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