Ein ehemaliger hoher Beamter des US-Außenministeriums und seine Frau haben vor Gericht zugegeben, 30 Jahre lang für Kubaspioniert zu haben. Jetzt muss Walter Myers (72) lebenslang in Haft, seine Frau Gwendolyn (71) kommt mit sechs bis siebeneinhalb Jahren Gefängnis glimpflich davon.
Das Ehepaar erhielt überdies eine Geldstrafe in Höhe von 1,7 Millionen Dollar - die Summe aller Gehälter, die Myers während seiner Tätigkeit für die US-Regierung bezog. Ihre Wohnung in New York, ihre Segelyacht und ihre Bankkonten wurden beschlagnahmt.
Morsen, Funken oder Einkaufswagen
Das Rentnerehepaar hatte geheime Militärdokumente an Kuba weitergeben und dabei im Laufe der drei Jahrzehnte verschiedene Methoden angewandt. Die Spione kommunizierten zunächst mit Morsezeichen, benutzten später Kurzwellensender und am Ende das Internet. Manchmal spielten sie der anderen Seite Material zu, indem sie im Supermarkt Einkaufswagen austauschten.
Verrat für geringen Lohn
Der zuständige Chefankläger Channing Phillips sprach in Washington von einem "verachtungsvollen Verrat" an der Nation. Die Eheleute gaben an, sie hätten nicht aus Habgier gehandelt, sondern aus persönlicher Hingabe und Liebe zu Kuba, dessen früheren Führer Fidel Castro sie einst als "brillant und charismatisch" bezeichneten. Tatsächlich erhielt das Paar nur einen geringen Lohn, laut Medienberichten waren es hauptsächlich Aufwandsentschädigungen und Medaillen.
Spionage systematisch angestrebt
Nach Angaben der Justiz wurden Walter Myers, seinerzeit Lehrer in North Dakota, und seine damalige Freundin Gwendolyn 1979 nach einem Kuba-Besuch als Agenten rekrutiert. Myers bewarb sich dann gezielt im State Department und arbeitete sich dort systematisch hoch, um Zugang zu wichtigen Geheimdienstdokumenten zu erhalten. Festgenommen wurde das Ehepaar im vergangenen Juni nach einer verdeckten Operation der Bundespolizei FBI. Dabei gab sich ein Beamter als kubanischer Geheimdienstmitarbeiter aus.