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Spionage-Affäre mutet an wie im Hollywood-Film

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Bond-Girl im echten Leben

08.07.2010, 07:59 Uhr

Anna Chapman soll russische Spionin sein (Foto: AP)

Anna Chapman soll russische Spionin sein (Foto: AP) (Quelle: AP)

Es mutet wie ein Hollywood-Streifen an: Agenten tauschen in einem belebten Bahnhof im Vorbeigehen blitzschnell identische Taschen aus. Geheime Botschaften werden verschlüsselt ins Internet gestellt. Geheimagentinnen mit dem Aussehen eines Bond-Girls funken aus einem Straßencafe brisante Daten an Passanten draußen. Glaubt man der US-Justiz, lässt Russland auch zwei Jahrzehnte nach Ende des Kalten Krieges nicht von alter Geheimdienst-Gewohnheit, und setzt weiter massiv Maulwürfe auf die USA an.

Am Sonntag schlugen FBI-Fahnder gleich in vier US-Staaten zu. Sieben lange Jahre hatten sie ermittelt, sich selbst als russische Regierungsbeamte ausgegeben, Nachrichten abgefangen, Wanzen in den Wohnungen versteckt. Letzter Akt war eine gestellte "Übergabe", bei der ein FBI-Mann 5000 Dollar abfing - wie im Thriller in einer gefalteten Zeitung versteckt. Elf russische Spione nahm das FBI schließlich fest - darunter die 28 Jahre alte Anna Chapman.

Glaubt man der "Bild" führte die junge Russin ein Doppelleben in New York. Der Zeitung zufolge lebte Chapman in einem schicken Apartment in Manhattan, trat als Partygirl in Erscheinung und betrieb einen Online-Immobilienhandel. Dazwischen kam sie ihren Verpflichtungen als Agentin nach. In einem Fall zog Anna Chapman laut den Ermittlern in einer Buchhandlung einen Laptop aus einer Einkaufstasche. Damit übermittelte sie eine geheime Nachricht an ihren Auftraggeber, der draußen vor dem Laden lauerte und die Nachricht auf einem eigenen Computer empfing. Auf dieselbe Art und Weise soll Chapman eine Botschaft aus einem Coffeeshop im Zentrum New Yorks verschickt haben. Das FBI geht davon aus, dass die Russin über ein geheimes elektronisches Netzwerk kommunizierte.

Maulwürfe im Vorstadtidyll

Neben Anna Chapman hatte das FBI zehn weitere Verdächtige festgenommen, darunter vier Paare mittleren Alters, die nach außen hin ein völlig unscheinbares, gutbürgerliches Leben führten. Sie wurden vom russischen Geheimdienst mit falschen Namen und Papieren ausgestattet. Die Anweisungen aus Moskau an die Spione waren klar formuliert: Sie sollten sich "amerikanisieren", sich in die "Kreise politischer Entscheidungsträger" der USA einschleusen und Geheimnisse an den Kreml weitergeben. Alle Verdächtigen wurden in das Spionagehandwerk eingewiesen – vom Einsatz digitaler High-Tech-Geräte bis hin zu "traditionellen" Spionagewerkzeugen wie unsichtbare Tinte.

Zumindest für die Nachbarn der mutmaßlichen Spitzel schien die Tarnung perfekt. Sie reagierten wie vom Donner gerührt, als am Sonntag Fahnder die Verdächtigen abführten und Beweismaterial davon schafften, berichtete die "New York Times". Wie im Falle des Paares, das sich in Montclair (New Jersey) als Richard und Cynthia Murphy ausgab. Ein Nachbar nennt sie "das personifizierte Vorstadtleben", sogar mit Töchtern im Grundschulalter. "Das können doch keine Spione sein", meinte eine Teenagerin, die nebenan lebt. Das sehe man doch schon dran, wie Mrs. Murphy ihre Hortensien pflege.

Verdächtige sollen brisante Daten ausspioniert haben

Tatsächlich soll sich das Ehepaar aber um Informationen über die US-Haltung zu einem neuen Abrüstungsvertrag und zum iranischen Nuklearprogramm vor Obamas Russland-Besuch im vorigen Jahr bemüht haben. Das Ziel: "Bisher unveröffentlichte, aber von Quellen im Außenministerium, in der Regierung und in Denkfabriken in privaten Gesprächen weitergegebene Informationen zu erlangen."

Nicht jedes Mitglied des mutmaßlichen Spionagerings zog die Unscheinbarkeit vor. Ein gewisser Mikhail Semenko, Ende 20, fuhr den Angaben zufolge einen Mercedes S-500. Gestylt sei der junge Mann aus Arlington in Virgina vor den Toren Washingtons aufgetreten. Mit seiner brünetten Freundin habe er russisch gesprochen, sich sonst aber von Nachbarn ferngehalten, berichtet eine Frau von gegenüber der "New York Times". Ein anderes Verdächtigenpaar lebte in Cambridge (Massachusetts) mit seinen zwei Teenagersöhnen in einem Appartementhaus, wo auch Harvard-Professoren wohnen. "Sehr freundlich, sehr nett" sei die Frau gewesen, sagte eine Nachbarin.

Kinder zur Tarnung

Training und Vorbereitung sollen minutiös gewesen sein, die Missionen auf viele Jahre angelegt: Die Verdächtigen "sind ausgebildete russische Geheimdienstmitarbeiter", sagte ein Sprecher des US-Justizministeriums. Die Paare wurden den Ermittlungen zufolge in Russland zusammengestellt - "damit sie im Gastland getarnt als Ehepaar zusammen leben und arbeiten können". Oft hätten sie dann auch gemeinsame Kinder, was die Tarnung nur noch besser mache.

Ob die angeblichen Agenten tatsächlich erfolgreich waren, lässt die Anklageschrift offen. "Es gäbe mehr Anklagepunkte, hätten sie Erfolg gehabt", sagte allerdings ein US-Beamter, der mit den Ermittlungen vertraut ist, der "Washington Post". Mission gelungen oder nicht: Für Anna Chapman ist das High-Society-Leben erstmal vorbei. Bei ihrer gerichtlichen Anhörung am Montagabend wurde nach Angaben der "Bild"-Zeitung festgelegt, dass sie nicht gegen Kaution freikommen kann. Der Staatsanwalt habe die Russin als "hoch trainierte Agentin" und eine "geübte Betrügerin" bezeichnet. Dem Blatt zufolge drohen Chapman und den anderen mutmaßlichen Spionen bis zu 25 Jahre Haft.


Quelle: t-online.de , dpa

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Kommentare (28)

zum Forum

Thema: "Spionage-Affäre mutet an wie im Hollywood-Film"

Thorsten schrieb: am 30. Juni 2010 um 19:40:59
(0) (0) Ach die bösen Russen also....
Die einzigen die AUSSPIONIEREN sind die Amis. Und sonst niemand....frag nach bei den Bankdaten aus Europa. Ein
sehr trauriges Land....mit ziemlich einfachen Menschen.....schade. Sie hätten das Zeug groß zu sein.
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anonym schrieb: am 30. Juni 2010 um 18:30:25
(0) (0) Spionage
War ja schon zum Ende des Kalten Krieges so das die Russen sich sehr gerne der "HumIntel" (Spionen) und die Amis sich der
"SigIntel"(Signalaufklärung/abhören von Funkübertragungen) und der Photoaufklärung bedienten. Die Russen sind nur deshalb pickiert, weil Sie selber im Augenblick keine "Spione" der Amis zu einem ÁUSTAUSCH zur Verfügung haben
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kowi schrieb: am 30. Juni 2010 um 18:13:21
(0) (0) Spionage
Ach die bösen Russen !! Jetzt brauchen wir nur zu warten bis Amerikanische Spione enttarnt werden und dann wird ausgetauscht !!
Leute seid nicht sö blöd und glaubt Spionage ist seit dem Mauerfall vorbei. Ob Russen, Chinesen Ami´s oder Tommy´s die spielen alle Ihren Kleinkrieg weiter.
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