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Sozialenzyklika des Papstes: "Viele der Vorschläge nicht neu"

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"Viele der Vorschläge nicht neu"

08.07.2009, 10:12 Uhr

Papst Benedikt XVI. unterzeichnet die Enzyklika "Caritas in veritate" (Foto: dpa) Papst Benedikt XVI. unterzeichnet die Enzyklika "Caritas in veritate" (Foto: dpa)

Diesmal war das Timing des Papstes gut. Seine erste Sozialenzyklika mit dem Schwerpunkt Weltwirtschaftskrise präsentierte Benedikt XVI. genau einen Tag bevor die Mächtigen der Welt sich zum G8-Gipfel in L'Aquila treffen. Und das Papier wird in den kommenden Monaten noch einigen Nachhall finden. Benedikt streitet darin vehement für die Rechte der "Kleinen", bleibt in seiner Forderung nach einer "Weltautorität" aber sehr vage.

Benedikt XVI. hatte die eigentlich für das vergangene Jahr geplante Enzyklika mit dem Titel "Caritas in Veritate" (Die Liebe in der Wahrheit) wegen der zunächst unabsehbaren Folgen der weltweiten Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise verschoben und überarbeitet. In der nun endgültigen Fassung der Enzyklika - ein Lehrschreiben, das nicht den Anspruch der Unfehlbarkeit hat - widmet sich der Papst den Ursachen und den seiner Ansicht nach nötigen Folgen der Krise.



"Kleinstkredite lobenswert"

Der Heilige Vater geißelt seiner Meinung nach bestehende Missstände wie Riesengehälter für Manager. Dafür fordert er, eine menschenfreundliche Ethik zum Maßstab wirtschaftlichen Handelns zu machen. Er nennt Modelle der Entwicklungshilfe wie Kleinstkredite für Bauern als ethisch besonders lobenswert. Und Benedikt hebt immer wieder hervor, Lösungen zunächst auf der kleinstmöglichen Ebene zu suchen.


Viel Vorschläge nicht neu

Aber ist dies wirklich der entscheidende Beitrag zur Globalisierungsdebatte, wie es etwa der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, findet? Oder ein "moralisches Ausrufezeichen", wie der Münchner Erzbischof Reinhard Marx sagt? Tatsächlich sind viele der vom Papst genannten Vorschläge nicht neu, sondern schon lange ein fester Bestandteil der katholischen Soziallehre.

Papst vernachlässigt Klimawandel

So bewerten auch die Münchner Theologen Johannes Müller und Johannes Wallacher, die als Sachverständige für die deutsche Bischofskonferenz tätig sind, die Enzyklika deutlich zurückhaltender als Zollitsch oder Marx. Zwar habe der Papst ein "wichtiges Dokument" vorgelegt, finden beide. Doch habe er auch Lücken gelassen und etwa den Klimawandel nur in einem Nebensatz erwähnt, obwohl dieser für die Verbindung von Entwicklung und Gerechtigkeit von zentraler Bedeutung sei.

Naiver Utopist?

Direkt "unglücklich" findet Wallacher ein anderes Wort, das der Papst gewählt hat. Benedikt fordert in der Enzyklika eine "Weltautorität", die nicht weniger leisten soll, als die globale Wirtschaft zu steuern, eine vollständige Abrüstung zu verwirklichen, den Umweltschutz zu gewährleisten und auch noch die Ströme der Migranten zu regulieren. Jeder andere als der Papst mit der Autorität seines Amtes wäre bei der Formulierung solch eines Wunsches wohl als naiver Utopist bezeichnet worden.

"Konkrete Aussagen zu Weltautorität fehlen"

"Ich hätte diese Formulierung rausgelassen", sagt Wallacher. Problematisch sei, dass der Heilige Vater keine konkreten Aussagen zur Ausgestaltung dieser Weltautorität mache. Da er so sehr auf die Stärkung der kleinen Einheiten abhebe, könne sicherlich keine Weltregierung gemeint sein, glaubt der Münchner Theologe. Aber genau sagen könne er dies auch nicht.

Soziologe hält Weltautorität für unrealistisch

Der Sozialethiker und Soziologe Karl Gabriel von der Universität Münster hält die Forderung nach einer politischen Weltautorität für "wenig realistisch". Der Vorschlag aus der neuen Enzyklika als Antwort auf die Wirtschaftskrise sei "kaum zielführend", sagte Gabriel, Direktor des Instituts für Christliche Sozialwissenschaften. "Die Gründung einer neuen politischen Weltautorität ist unrealistisch", sagte der katholische Theologe. "Sie liegt außerhalb der Möglichkeiten, die die heutige komplexe Welt bietet." Auch lasse sich die Weltwirtschaft nicht einfach steuern. Gabriel bewertete es aber als positiv, dass Papst Benedikt XVI. sich in seiner Sozialenzyklika stark an seinen Vorgängern Paul VI. und Johannes XXIII. orientiere. Auch seine Analyse, dass die Probleme noch drängender geworden seien, sei angemessen, meinte der Wissenschaftler.

Anstoß einer Debatte gelungen

Ein weiterer Sozialethiker vermutet, der Papst sei bewusst vage geblieben, weil er lediglich zum Nachdenken anregen wolle, ohne konkrete Vorgaben zu machen. Zumindest der Anstoß einer Debatte ist ihm gelungen. "Caritas in Veritate" stieß auch in der deutschen Politik auf eine breite Resonanz und könnte im Wahlkampf noch manches Mal zitiert werden.

"Soziale Verantwortung wichtig"

Nach Ansicht von CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla macht Benedikt deutlich, dass unternehmerische Freiheit und Initiative ebenso wichtig sind wie soziale Verantwortung und die Ausrichtung der Wirtschaft an den Interessen von Mensch und Umwelt. Bodo Rameloh (Die Linke) meinte: "Es wurde Zeit für eine klare Äußerung Benedikts über die Ursachen und möglichen Auswege aus der Krise." Leider bleibe die Enzyklika in Fragen konkreter Maßnahmen hinter den Erwartungen zurück.


Quelle: AFP , dpa

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