28.07.2011, 13:54 Uhr
In Ostafrika sind nach UN-Angaben Millionen Menschen von der Hungersnot bedroht (Foto: AP) (Quelle: AP)
Die Vereinten Nationen wollen noch in dieser Woche Notrationen in den von einer schweren Dürre geplagten Süden Somalias einfliegen. Nachdem die radikalislamische Al-Shabab-Miliz UN-Mitarbeitern den Zutritt zu weiten Teilen des Gebiets zwei Jahre lang verweigert hatte, sollen auf diese Weise nun hungerleidende Flüchtlinge versorgt werden.
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"Die Zeit läuft uns davon", sagte eine Mitarbeiterin von "Save the Children" der BBC in Somalia. "Bisher hat die internationale Gemeinschaft zu viel geredet und zu wenig gehandelt."
Bei den Notrationen handele sich hauptsächlich um mit Vitaminen und Mineralien angereicherte Nahrungsergänzungen für die an Unterernährung leidenden Kinder, hieß es. Die Verteilung der Nahrungsmittel durch die UN in vier Distrikten im Süden Somalias soll am Donnerstag anlaufen. Die Helfer wollen 70 Vergabestellen in dem Gebiet einrichten und hoffen, den Strom der Flüchtlinge in die Nachbarstaaten auf diese Weise abzuschwächen.
Für das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) ist es eine große Herausforderung. Viele Mitarbeiter wurden in der Vergangenheit von Al-Shabab-Kämpfern bedroht. 14 Angestellte wurden seit 2008 in Somalia getötet. Im Januar 2009 stellte das WFP die Arbeit im Land aus Sicherheitsgründen ein.
Im Juli hatte die Al-Shabab, der Verbindungen zum Terrornetzwerk Al-Kaida nachgesagt werden, die Hilfsorganisation zunächst wieder willkommen geheißen - um kurz darauf zu verkünden, es gebe gar keine Hungersnot.
Tausende Menschen strömen derweil weiter aus dem Bürgerkriegsland in die Nachbarstaaten Kenia und Äthiopien. Allein in der Registrierungsstelle von Dagahali im weltweit größten Flüchtlingslager Dadaab in Kenia seien in der Nacht zum Dienstag über 500 verzweifelte Menschen angekommen, sagte ein Mitarbeiter des Kinderhilfswerks UNICEF. Mittlerweile böte das Camp fast 400.000 Dürre-Flüchtlingen Zuflucht.
Wegen der Überfüllung eröffnete das UN-Flüchtlingskomittee (UNHCR) am Montag ein neues Lager in der Nähe von Dadaab. Es seien bereits Zelte für 2500 Menschen aufgestellt worden, hieß es. Ein weiteres Lager in der näheren Umgebung sei ebenfalls in Planung, um die Dadaab-Camps zu entlasten.
"Ich habe eine Großmutter getroffen, die sich jetzt ganz alleine um ihre zwei kleinen Enkel kümmern muss, weil beide Elternteile bei dem Fußmarsch aus Somalia ums Leben gekommen sind", erklärte Christopher Tidey von UNICEF. Der letzte Wegabschnitt von der somalischen Grenze nach Dadaab, der etwa 90 Kilometer lang ist, sei besonders gefährlich, da es hier keine Nahrung oder Wasser gebe.
"Wir schicken Verpflegung in die Gegend und versuchen, Wassertanks zu reparieren, um dort Leben zu retten", betonte Tidey. Das Kinderhilfswerk habe zudem Masern-Impfungen gestartet, weil unterernährte Kinder besonders anfällig für Infektionskrankheiten seien.
Mit Blick auf die seit Jahrzehnten zerrütteten politischen Zustände in Somalia erklärte ein Mitarbeiter der Organisation Oxfam, die Krise sei "eine tödliche Kombination aus natürlichen und von Menschen gemachten Ursachen". Kenneth Lavelle von Ärzte ohne Grenzen fügte hinzu: "Wir können dem Ganzen zwar ein Pflaster aufdrücken, aber wir brauchen eine langfristige Lösung."
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Quelle: dapd , dpa
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