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Social Media im Nahen Osten: Ein Netzwerk aus Netzwerken

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Ein Netzwerk aus Netzwerken

28.02.2011, 11:35 Uhr | Von Sheldon Himelfarb

Zwei ältere ägyptische Demonstranten ruhen sich unter einem Facebook-Graffito aus (Foto: dpa)

Zwei ältere ägyptische Demonstranten ruhen sich unter einem Facebook-Graffito aus (Foto: dpa)

Es ist fast unmöglich, sich momentan mit dem Mittleren Osten zu beschäftigen, ohne eine Diskussion darüber zu hören, welche Rolle Social Media für die aktuellen Entwicklungen spielen. Doch wir müssen zuerst einmal abwarten, bis sich der Staub gelegt hat und die Daten gesammelt und ausgewertet sind. Bei der sogenannten Twitter-Revolution im Iran 2009 stellte sich nach genauer Untersuchung heraus, dass es sich dabei weder um eine Revolution noch um von Twitter gesteuerte Unruhen handelte.

Zudem müssen wir versuchen, die einzelnen Datensätze auseinanderzudividieren. Wir müssen in unserer Analyse die einzelnen Kanäle (Facebook, Twitter, Blogs, Printmedien, TV) trennen und verschiedene Stufen des Aktivismus unterscheiden. Ist jemand individuell unterwegs, als Teil einer Gruppe, oder gar im Auftrag des Regimes? Mit anderen Worten: Es ist kompliziert.

Vernetzung als Voraussetzung

Zweifellos ist das, was wir in den letzten Monaten gesehen haben, in erster Linie das Ergebnis eines leidenschaftlichen Engagements einzelner Menschen als das Verdienst einer technologischen Plattform. Das bestätigen auch die Aktivisten selber. Ob es Wael Ghonim ist, der inhaftiert wurde, weil er als Google-Mitarbeiter die Proteste in Ägypten mit organisiert hat, oder Ai Wei Wei in China, der ebenfalls für seinen Aktivismus ins Gefängnis gebracht wurde ihre Antwort ist einstimmig: Das Internet ist eine absolute Schlüsselkomponente bei den Bemühungen, sozialen Wandel voranzutreiben. Soziale Netzwerke sind Teil eines weitläufigen Netzes aus unmittelbaren Informationssträngen in und aus diesen Ländern, die Demonstranten im Vorlauf der Proteste miteinander und mit der Außenwelt verbunden haben.

Wenn diese Handy- und Online-Netzwerke nicht entscheidend gewesen wären, hätte die Regierung nicht den Stecker gezogen, so wie es in Ägypten der Fall war. Das Abschalten des Netzes macht Ägypten zum Sonderfall. Bei nahezu jedem anderen Fall zum Beispiel im Iran und in Tunesien waren die Regierungen viel gemäßigter. Mubarak ließ den Internetzugang sperren, alle Dienste herunterfahren, sie wieder zugänglich machen, nur um sie danach wieder zu sperren. Ägypten war das erste Land der Welt, das über den Zeitraum mehrerer Tage hinweg einen fast totalen Internetblackout inszenieren konnte und damit viele neue Fragen aufwarf.

Proteste und die Medienberichterstattung sind nicht versiegt

Das änderte jedoch nichts am Fortbestand der Proteste und der Medienberichterstattung. Dass der Informationsfluss nicht unterbrochen wurde, ist teilweise den sozialen Netzwerken zu verdanken. Wir sehen ein Netzwerk aus Netzwerken, von denen einige empfindlicher als andere sind. Wenn sich die meisten Menschen wie in Ägypten auf große Anbieter wie Google und Twitter verlassen, können sie auch leichter von Regierungen zensiert werden. Insgesamt ist das Internet jedoch auffallend robust, gerade durch die Koexistenz verschiedener Netzwerke und Plattformen. Aktivisten finden schnell innovative Wege zur Umschiffung eines Problems. Um wer die Proteste im Nahen Osten über die Social-Media-Kanäle verfolgt hat, der hat es selbst miterlebt: Berichte aus Ägypten, geliefert durch Dritte, um die Kommunikation mit der Außenwelt und unter den Aktivisten kontinuierlich zu gewährleisten. Für die Demonstranten auf den Straßen von Kairo waren soziale Netzwerke eine wichtige Lebensader nach draußen.

Der Vorstandsvorsitzende des United States Institute vor Peace ist Leiter des Innovationszentrums für Medien, Konflikte und Friedensförderung. Er war Manager für Medien Programme in zahlreichen Krisenregionen wie Bosnien, Irak, Angola, Liberia, Mazedonien und Burundi, für die er mit dem Capitol Area Peacemaker Preis der American University in Washington D.C. ausgezeichnet wurde. Bevor er zum USIP kam war er als Außenpolitikberater für ein Mitglied des Senatsausschusses für externe Angelegenheiten und als Leiter von North American Documentary Development for Yorkshire TV tätig.


Von Sheldon Himelfarb  

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Kommentare (1)

zum Forum

Thema: "Social Media im Nahen Osten: Ein Netzwerk aus Netzwerken"

Jürgen-Andreas schrieb: am 28. Februar 2011 um 15:53:30
(0) (0) neue Medien
Das Geschen in Afrika weckt in mir Sorge, weil nicht erkennbar ist, wer hinter den sozialen Medien steht. Mißbrauch ist jetzt
schnell möglich und Menschen lassen sich über diese Medien leicht manipulieren .Der Weg zu einer wahren Volksherrschaft, sprich Demokratie,verlangt kluge Persönlichkeiten und den Willen, breite Massen voll zu integrieren .Frage, will und kann das Kapital dies ?, oder geht es wieder nur um neue Absatzmärkte.
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