Das Weiße Haus in Washington: Amtssitz des US-Präsidenten (Quelle: dpa)Der Weg ins Weiße Haus ist lang, beschwerlich und kompliziert: Bevor der Hauptwahlkampf beginnt, müssen sich die jeweiligen Präsidentschaftskandidaten gegen Mitbewerber aus der eigenen Partei durchsetzen. Dabei gibt es zwei Varianten: Vorwahlen (Primaries) und Urwahlen (Caucuses).
Offene und geschlossene Wahlen
In den meisten Bundesstaaten wird inzwischen durch Vorwahlen entschieden. Dabei wird in Wahllokalen geheim gewählt. Es gibt Abstimmungen, bei denen nur eingetragene Parteimitglieder zugelassen sind, und andere, an denen sich auch Unabhängige beteiligen dürfen. Die Parteilosen müssen sich allerdings vorher entscheiden, ob sie an der demokratischen oder republikanischen Vorwahl teilnehmen wollen.
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Wahlmänner legen sich fest
Der favorisierte Kandidat wird nicht direkt gewählt, stattdessen werden Wahlmänner bestimmt, die auf den Nominierungs-Parteitagen im Sommer den Präsidentschaftskandidaten offiziell küren. Die Wahlmänner legen sich vorher verbindlich auf einen Bewerber fest.
Keine geheime Wahl
Ein Caucus ist dagegen eine Parteiversammlung, bei der nur Mitglieder nach einer Debatte öffentlich die Wahlmänner bestimmen. Da es aber in den meisten Bundesstaaten keine feste Parteimitgliedschaft gibt beziehungsweise diese schnell zu ändern ist, kann auch an den Caucuses praktisch jeder Interessierte teilnehmen. Weil sie von den jeweiligen Parteien organisiert werden, ist die Hemmschwelle für die Teilnahme hier allerdings höher als bei den Vorwahlen, sodass in der Regel doch immer nur ein kleiner Kreis politisch Aktiver teilnimmt.
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New Hampshire setzt den Trend
Der erste Caucus findet traditionell in Iowa statt. Größere Bedeutung kommt der ersten Primary in New Hampshire zu. Obwohl in New Hampshire nur ein verschwindend kleiner Teil aller amerikanischen Wahlberechtigten lebt, werden hier erfahrungsgemäß die Trends gesetzt. Zurückliegende Kandidaten können mit einem guten Ergebnis die Aufholjagd beginnen. Das gelang zum Beispiel Jimmy Carter 1976. Der bislang Einzige, der die Vorwahl in New Hampshire verloren hat und sich später trotzdem durchsetzen konnte, war 1992 Bill Clinton.
Zweiter Sieger kann vorne liegen
Die Demokraten vergeben die Delegierten in allen Bundesstaaten nach einem proportionalen System, das heißt, die Verteilung richtet sich nach dem jeweiligen Abstimmungsergebnis im gesamten Staat, aber auch in den einzelnen Wahlbezirken. Das kann manchmal dazu führen, dass ein Kandidat bei den Primaries oder beim Caucus zwar insgesamt im Staat gewonnen hat, aber trotzdem weniger Delegierte erhält als der Zweitplatzierte.
Unterschiede von Staat zu Staat
Noch komplizierter ist es bei den Republikanern. Hier gibt es in einigen Staaten das Prinzip "the winner takes it all", das heißt dem Gewinner werden alle Delegiertenstimmen zugesprochen. Andere Staaten verfahren nach einem proportionalen Schlüssel und wiederum andere nach einem gemischten System aus beiden.
Superdelegierte entscheiden unabhängig
Dann gibt es noch sogenannte Superdelegierte. Das sind hohe Parteifunktionäre und derzeitige oder ehemalige Inhaber öffentlicher Ämter. Die Superdelegierten sind nicht an ein Wählervotum gebunden und können sich jederzeit für einen anderen Kandidaten entscheiden. Da sich zumeist aber schon vorher durch die Primary/Caucus-Wahlen ein klarer Favorit herauskristallisiert hat, stimmen die Superdelegierten in der Regel dann auch für diesen.
Höhepunkt Fernsehduell
Auf den Wahlkonventen der beiden großen Parteien im Spätsommer werden dann die jeweiligen Gewinner medienwirksam gekürt. Auch die Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten werden vorgestellt. Nach der Kandidatenkür beginnt der eigentliche Wahlkampf. Auftritte im ganzen Land und zahllose TV-Spots sollen die Anhänger mobilisieren. Höhepunkte sind dabei die landesweit übertragenen Fernsehduelle zwischen den beiden Kontrahenten. Am 4. November 2008 ist es dann endlich soweit: Die Amerikaner entscheiden, wer für die nächsten vier Jahre ihr Präsident sein soll.
Größe bestimmt Zahl
Wie bei den Vorwahlen geben die US-Bürger ihre Stimme einem der 538 Wahlmänner, die sich vorher auf einen Kandidaten verpflichtet haben. Die Anzahl der Wahlmänner eines Bundesstaats hängt von der jeweiligen Bevölkerungsgröße ab. So verfügt der bevölkerungsreichste Staat Kalifornien über 54 Wahlmänner, während Alaska nur drei hat.
Der Gewinner bekommt alle
Mit Ausnahme von Maine und Nebraska gilt für alle Staaten das "winner-take-all-Prinzip", das heißt alle Wahlmänner eines Staates fallen dem Sieger zu. Aufgrund dieses Mehrheitswahlsystems war es möglich, dass George W. Bush 2000 zwar insgesamt weniger Wählerstimmen als Al Gore erzielte, aber mehr Wahlmännerstimmen und somit die Wahl gewonnen hatte. Am 20. Januar ist der Sieger am Ziel: Der neue Präsident wird dann ins Amt eingeführt.