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Sicherheitskonferenz in München: Wie Obama auf die arabische Welt wirkt

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"Die Begeisterung hält sich in Grenzen"

12.02.2009, 12:02 Uhr

Ägyptischer Journalist Hassan: "Die Leute finden Obama gut, aber die Begeisterung hält sich in Grenzen." (Foto: AFP) Ägyptischer Journalist Hassan: "Die Leute finden Obama gut, aber die Begeisterung hält sich in Grenzen." (Foto: AFP)

Mazen Hassan (38) ist Korrespondent von "Al-Ahram“, der größten Tageszeitung Ägyptens. Als Kind ging der Journalist auf eine deutsche Schule in Kairo und machte dort auch Abitur. Seit 14 Jahren lebt er in Berlin, hält aber engen Kontakt zu seiner ägyptischen Heimat. t-online.de sprach mit Hassan am Rande der Münchener Sicherheitskonferenz über Hoffnungen und Zweifel, die die Menschen des Nahen Ostens mit dem neuen amerikanischen Präsidenten Barack Obama verbinden.

Herr Hassan, was ist Ihnen durch den Kopf gegangen, als Sie von Obamas Wahlsieg erfahren haben?

Ich war begeistert von der Begeisterung. Für mich persönlich ist er ein ganz normaler Mensch. Ob er schwarz oder weiß ist, spielt für mich keine Rolle. Aber dass ein Schwarzer in Amerika die Wahl gewinnt, und welch große Bedeutung das in Bezug auf die amerikanische Geschichte hat, das hat mich begeistert.

Und sein Ansatz gegenüber dem Nahen Osten?

Ich kann nur sagen: Man muss abwarten. Was er bis jetzt sagt, finde ich gut. Er will eine Partnerschaft, er will nicht diktieren. Wir hoffen, dass er das schafft.

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Wie war das für Sie als arabischer Moslem, Bush bei seinem Treiben zu beobachten?

Ich kenne niemand, der ihn nicht hasst. Alle denken, dass er ein Ignorant ist; jemand der nichts versteht von der Welt, der einfach irgendeine Politik durchzieht, die Neokonservative im Hintergrund geplant haben. Das war Bush…

Wie fällt denn die allgemeine Reaktion auf die Person Obamas im Nahen Osten aus?

Die Leute finden ihn gut, aber die Begeisterung hält sich in Grenzen. Man hat ja seit Jahrzehnten erfahren, dass nicht unbedingt die Person etwas ändert. Die Politik, die daraus hervorgeht, muss nicht zum Wohl der arabischen Welt sein. Man wartet erst mal ab. Vielleicht kann er ja seine Politik gar nicht verwirklichen.

Was wird von Obama nach den acht Bush-Jahren erwartet?

Im Nahen Osten kriselt es ziemlich. Für die Palästinenser wird es immer schlimmer und sie bekommen immer noch keinen Staat - unter Bush gab es nur Versprechungen. Für ihren inneren Streit sind sie natürlich selbst verantwortlich. Aber das hat auch damit zu tun, dass sie keine Perspektive haben. Die amerikanische Politik hat mit dazu geführt. Und aus dem Irak müssen die amerikanischen Truppen einfach raus.

Teheran hat auf die Gesprächsangebote aus Washington mit einem gewissen Zynismus reagiert. Ist das eine allgemeine Haltung?

Momentan sieht es so aus: Obama streckt die Hand aus und Teheran weist sie zurück. So wird es auch in den Medien dargestellt. Wenn man richtig hinschaut hat er vor allem gesagt: Wir wollen nicht nur Worte hören, wir wollen auch die Politik sehen. Das ist im Wesentlichen, was die Leute im Nahen Osten denken. Laridschani hat es nur etwas schärfer formuliert.

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Können Sie verstehen, dass die Menschen im Westen ein Problem damit haben, wenn Juden in ihrer Gesamtheit verunglimpft werden?

Sicher, ich lebe schon lange hier und kenne die Mentalität der Menschen.

Man hat hier den Eindruck, dass Antisemitismus eine allgemeine Haltung in der islamischen Welt ist.

Das rührt daher, dass die Menschen ungerecht behandelt werden. Man sieht den mächtigen Staat Israel mit einem riesigen Waffenarsenal und Atombomben und Unterstützung aus Europa und Amerika und auf der anderen Seite die Palästinenser, die keinen eigenen Staat bekommen können. Sie werden ungerecht behandelt. Davon haben viele genug und das drückt man aus, indem man Israel beschimpft. Was beispielsweise der iranische Präsident sagt, werden nicht alle Araber richtig finden, aber sie stimmen ihm öffentlich zu, weil sie sich ansonsten hilflos fühlen.

Auf der anderen Seite hört man immer wieder, dass arabische Staaten ihre Bürger auch nicht sehr gut behandeln. Man hört viel von Folter, beispielweise in Ihrem Heimatland Ägypten. Im Internet gibt es zahlreiche Videos, die zeigen, was auf Polizeistationen geschieht. Wieso ist das offensichtlich ein kleineres Problem, als das, was Israel mit den Palästinensern macht?

Ich persönlich sehe in den meisten arabischen Ländern tatsächlich keine Demokratie. Stattdessen gibt es Diktaturen, in denen die Leute entsprechend behandelt werden. Die Menschen in den arabischen Ländern haben es nicht gut. Auf der anderen Seite bekommen sie auch keine Hilfe von außen. Die Regime dagegen bekommen Unterstützung von Amerikanern und Europäern - es ist eine Politik der Doppelmoral.

Und das bringt den Westen und seine Werte allgemein in Misskredit?

Man neigt ohnehin dazu, zu glauben, es gäbe eine Verschwörung gegen die arabisch-islamische Welt. Das hat auch mit der Geschichte des Kolonialismus zu tun, auch wenn das schon über 50 Jahre her ist.

Hier im Westen wird oft gefragt, ob es keine wichtigeren Probleme gibt, als das, was vor 50 Jahren war.

Das stimmt, aber die arabischen Regime helfen ihren Menschen ja auch nicht dabei, die Gesellschaften zu entwickeln. Ich sehe das Problem darin, dass diese Regime von außen gestützt werden. Es gibt offenbar ein Interesse daran, dass sie bleiben, weil sie den Interessen der USA und Europas dienen. Das ist einer der Gründe dafür, dass die Araber dem Westen misstrauen.

Rührt daher auch eine gewisse Verachtung für die Einforderung der Menschenrechte durch westliche Politiker?

Es gibt im Nahen Osten viele Menschenrechtsgruppen. Aber wenn man keine Demokratie wie in Europa hat, kann man dagegen nicht sehr viel machen.

Glauben sie dass Obama da eine Veränderung herbeiführen kann?

Ja. Er muss dazu nicht unbedingt eine Revolution lostreten. Veränderungen gibt es sowieso nur schrittweise. Das wird nicht wie eine Tablette eingenommen. Es wird lange dauern. Obama sollte die Organisationen unterstützen, die sich darum kümmern. Was er außerdem beeinflussen könnte, wäre die Entstehung eines Palästinenserstaates. Wenn er das schafft,  hätte er 50 Prozent der Probleme des Nahen Ostens gelöst. Hamas und andere islamistische Strömungen würden ihren Zulauf verlieren. Es würde alles ändern.

Das Interview führte Christian Kreutzer.


 

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