08.12.2011, 12:27 Uhr | Von Lars Mensel
Sendeschluss für die globale Meinungsmacht der USA (Quelle: timbec/photocase.com)
Kriege kann man gewinnen oder verlieren. Daher ist es einfacher, wenn formal gar nicht erst eine Kriegserklärung vorliegt - denn ein Truppenabzug kommt in den Geschichtsbüchern wesentlich besser weg als das Eingeständnis einer Niederlage. So ist es kein Wunder, dass die USA trotz regelmäßiger Militäreinsätze bereits seit dem Zweiten Weltkrieg formal keinen Krieg mehr erklärt haben - stutzig macht einen nur, wie inflationär sie den Begriff weiterhin verwenden.
Glaubt man der Rhetorik, so sind die USA bereits seit Jahren in einen Mehrfrontenkrieg verwickelt: Neben dem bekannten "War on Terrorism" kämpft eine spezialisierte Polizeitruppe im Grenzgebiet nach Lateinamerika einen blutigen "War on Drugs". Dabei bleibt es allerdings nicht: Auch in den Medien führen die USA einen unsichtbaren Krieg. Der "Information War" ist eine Schlacht um Berichterstattung, um Wahrheit und um das Bild der Nation. Geht es allerdings nach Hillary Clinton, so steht gerade auf diesem Schlachtfeld eine Niederlage bevor.
Glücklicherweise sind die Zeiten längst vorbei, zu denen ganze Familien andächtig dem Radio der in Deutschland stationierten Truppen lauschten oder man in Dresden kein Westradio empfing. Das Internet hat nicht nur neue Medienformate geschaffen, es erlaubt auch einen Zugriff auf bis dato unerreichbare Quellen. Daran hat sich nicht nur der Journalismus gewöhnt, der Informationen schneller und mit größerer Reichweite einweben kann, sondern auch die Menschen in der Welt - denn der Blick über den nationalen Tellerrand offenbart alternative Perspektiven, die das eigene Weltbild beeinflussen. Auch im Tal der Ahnungslosen gibt es Twitter und Wikileaks.
Es ist ein erstaunliches Eingeständnis, dass Hillary Clinton nun vor dem Verlust des Infokrieges warnt und dabei nebenbei versichert, Al-Dschasira mache "richtiges" Fernsehen. Im Kern hat sie selbstverständlich recht - denn die amerikanische Fernsehlandschaft ist bereits seit Jahren in sich gekehrt, während andere Sender und Formate das dadurch entstandene Vakuum erfolgreich füllen konnten. Spannend ist daher, dass sich eine Politikerin ihres Ranges ausgerechnet um den Medienkonsum der Menschen im Ausland schert.
Der irrtümliche Luftangriff der NATO auf pakistanische Grenzbeamte Ende November ist einer der möglichen Gründe, zumal er im Zuge einer tatsächlichen Militärmission geschah. Selbst als vermeintliche Supermacht können die USA kaum noch Einfluss auf die zunehmend negative Berichterstattung nehmen, welche in Pakistan verständlicherweise für Furore sorgt. Das amerikanische Interesse an einer Hoheit über die Berichterstattung ist nachvollziehbar - doch negative Konsequenzen lassen sich viel mehr mit einem Verhalten eindämmen, das weder überdeckt noch aufgehübscht werden muss.
Die Truppen mögen also bleiben, doch den Infokrieg hat die Außenministerin bereits vor langer Zeit verloren. So wird sie sich demnächst auch vom Anspruch einer offiziellen, amerikanischen Wahrheit verabschieden können - denn Meinungspluralität kann seit dem Internet nicht mehr nur daraus bestehen, möglichst viel Lärm zu machen. Ironisch nur, dass die Technologie für diese Veränderung größtenteils aus den USA stammt.
Lars Mensel:Nach dem Studium an der Universität in Leiden (Niederlande) führte ihn seine Karriere von Glasgow über Barcelona nach Berlin. Dort arbeitet er bei "The European" als Leitender Redakteur. Außerdem versucht er sich als Fotograf und im Lösen von kleinen Alltagsmysterien.
Von Lars Mensel
Sylvia schrieb:
am 8. Dezember 2011 um 18:51:03
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(0)
Meinungsmacht USA
Im Zeitalter von web und TV nutzen die Medien natürlich ihren Einfluss.
Früher war es die journalistische Freiheit, die
es zu schützen galt, weil alle Zeitung lasen. Heute sind wir einen Schritt weiter. Dass regierungsnahe Sender dabei staatlich eingefärbte Meinungen vertreten, nenne ich Manipulation. Es ist nur gut, dass man heute mit Hilfe des Internet die unterschiedlichsten Meinungen, auch unerwünschte, nachverfolgen kann.
Vielleicht sind auch die Menschen durch Erfahrung kritischer geworden
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Walt schrieb:
am 8. Dezember 2011 um 18:06:26
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(3)
USA
Und vergesst die Ratingagenturen nicht, voreingenommen und Amerikahörig.
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Peter H. schrieb:
am 8. Dezember 2011 um 14:54:06
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Sendeschluss für die Meinungsmacht USA
Sowas wie Meinungsmacht haben wir in Deutschland doch auch. Ob es um einen Unfall auf der Autobahn
geht (der Fahrer sei Gerast) oder ob es um Politische Meinung geht ( alles was links von der SPD steht wird Dämonisiert und auf dem Rechten Auge ist man Blind). Egal unsere Medien sind längs Politisch korreckt und sagen nichts gegen unsere Politische Clique..
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