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Schweinegrippe: Resistenzen und Mutationen in Europa aufgetaucht

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Resistenzen und Mutationen

22.11.2009, 12:22 Uhr

Ein Fläschchen mit dem Impfstoff Pandemrix (links) sowie dem dazugehörigen Wirkstoffverstärker des Pharmaherstellers GlaxoSmithKline (Foto: ddp) Ein Fläschchen mit dem Impfstoff Pandemrix (links) sowie dem dazugehörigen Wirkstoffverstärker des Pharmaherstellers GlaxoSmithKline (Foto: ddp)Bei der Ausbreitung der Schweinegrippe in Europa haben Experten gleich zwei bedenkliche Beobachtungen gemacht: In Wales ist bei mehreren Patienten ein Erreger-Stamm aufgetreten, gegen den das Medikament Tamiflu nichts ausrichten kann. Und in Norwegen haben Experten nach den ersten Todesfällen dort eine Mutation des H1N1-Virus' festgestellt, bei der sowohl die norwegischen Behörden, als auch die Weltgesundheitsorganisation WHO Entwarnung geben.

In Wales haben sich erstmals Menschen gegenseitig mit Erregern angesteckt, die gegen Tamiflu offensichtlich resistent sind. Bei den betroffenen fünf Patienten eines Krankenhauses in der walisischen Hauptstadt Cardiff handelt es sich nach Erkenntnissen der Gesundheitsbehörden um die weltweit ersten Fälle einer Übertragung eines solchen resistenten Erregers von Mensch zu Mensch. Mindestens drei der Patienten hatten sich direkt auf der Station der Universitätsklinik angesteckt, wo sie wegen anderer schwerer Krankheiten behandelt wurden.

Nicht aggressiver als andere Grippeviren

Die Behörde gehen aber nicht davon aus, dass sich dieser Stamm weiter verbreiten wird. Der Erreger ist den Angaben zufolge nicht aggressiver als andere Grippeviren und könne zudem mit dem Mittel Relenza behandelt werden. Zwei Patienten hätten sich bereits erholt.

Mutationen in Norwegen

Unterdessen untersucht die WHO die mutierten Schweinegrippe-Erreger, die in Norwegen aufgetreten sind. Dort verliefen zwei Infektionen mit dieser Virus-Mutation tödlich. Auch in einem dritten, schwer erkrankten Patienten wurde der veränderte Erreger demnach entdeckt.

Medikamente und Impfstoffe schützen

Nach der Analyse 70 weiterer Erkrankter geht das norwegische Institut für Gesundheit aber davon aus, dass sich das veränderte Virus derzeit nicht verbreitet: Bei ihnen fand sich der veränderte Erreger nicht. Es könnte sich um eine spontane Mutation bei den drei Betroffenen handeln, ergänzte das Institut. Die WHO fügte hinzu, dass die bisher üblichen Medikamente auch gegen die mutierten Viren würden. Auch die vorhandenen Impfstoffe schützten vor den nun entdeckten H1N1-Viren. Die WHO ergänzte, dass die gleiche Mutation zuvor bereits in Brasilien, China, Japan, Mexiko, der Ukraine und den USA nachgewiesen wurde.

Tiefer in die Atemwege

"Obwohl weitere Untersuchungen laufen, gibt es derzeit keine Hinweise darauf, dass diese Mutationen zu einer ungewöhnlichen Zunahme der Zahl von H1N1-Infektionen oder einer größeren Zahl ernster oder tödlicher Erkrankungen führen", hieß es in Genf weiter. Womöglich führe die Mutation aber dazu, dass das veränderte Virus tiefer in die Atemwege gelange, erklärte das norwegische Institut.

Vergleich der Fallzahlen

In Norwegen wurden bislang 680.000 Fälle von Schweinegrippe registriert, von denen 23 tödlich verliefen. Weltweit sind nach Angaben der WHO mehr als 6750 Menschen an der H1N1-Infektion gestorben. In Deutschland wurden bislang mehr als 54.000 Fälle von Schweinegrippe und 31 Todesopfer registriert.

Impfempfehlung für mehr Leute

In Deutschland will die Ständige Impfkommission jetzt den Kreis derjenigen erweitern, denen eine Impfung gegen die Schweinegrippe ausdrücklich empfohlen wird. Nach Informationen des Magazins "Focus" sollen ab dieser Woche alle Menschen im Alter von sechs Monaten bis 24 Jahren möglichst schnell geimpft werden sowie "Haushaltskontaktpersonen, die eine mögliche Infektionsquelle für ungeimpfte Risikopersonen sein können". Das betrifft zum Beispiel alle, die mit Säuglingen zusammenwohnen.

Gefühlte Harmlosigkeit

Der Risikoforscher Ortwin Renn von der Universität Stuttgart sagte dem "Focus", bisher verlaufe die Schweinegrippe in Deutschland eher harmlos. "Daher bewerten die meisten Menschen das Risiko nicht allzu dramatisch." Die Menschen registrierten zwar, dass in ihrem Umfeld viele erkrankten, aber sie beobachteten auch deren Genesung. "Was zählt sind Todesfälle - die machen Angst", erklärte der Soziologe.

Todesrate niedriger als bei normaler Grippe

Experten schätzen dem Nachrichtenmagazin zufolge die Todesrate der Neuen Grippe - wie die Schweinegrippe auch genannt wird - mit etwa 0,04 Prozent deutlich niedriger ein als bei der saisonalen Grippe mit 0,2 Prozent. Renn sagte: "Erst wenn die Todesrate auf ein bis zwei Prozent ansteigt, ändert sich auch die gefühlte Gefahr nachhaltig." Jede Mensch habe grob gerechnet 100 Bekannte, erklärte der Soziologe. "Wenn einer oder zwei davon sterben, erleben wir Todesfälle in unserem persönlichen Umfeld. Dadurch kippt die Stimmung."


Quelle: AFP , dpa , dapd

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