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Millionen müssen noch länger auf Impfung warten
12.11.2009, 08:11 Uhr | Von Basil Wegener, dpa
20 Millionen Dosen Pandemrix will der Hersteller bis Ende 2009 noch liefern (Foto: dpa)Millionen Bundesbürger werden vorerst ohne Impfschutz vor der immer schneller grassierenden Schweinegrippe bleiben - selbst wenn sie sich impfen lassen wollen. Engpässe bei der Serumlieferung sollen zwar energisch bekämpft werden. Nicht jeder kann den mittlerweile von vielen begehrten Piekser aber bekommen. Daran lässt Gesundheitsminister Philipp Rösler im Anschluss an den Schweinegrippe-Gipfel in Berlin keinen Zweifel.
Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern machen bei dem Treffen denn auch Druck auf den Hersteller Glaxosmithkline. Die Druckmöglichkeiten sind jedoch angesichts der Schwierigkeiten in der Produktion begrenzt. Aber schneller soll es schon jetzt gehen: Bis Ende November sollen insgesamt 9,3 Millionen Dosen ausgeteilt sein. Bis Ende des Jahres 20 Millionen. Bis aber die insgesamt bestellten 50 Millionen Dosen des begehrten Serums verteilt sind, dürfte es noch bis März dauern, räumte Rösler ein. Wie weit die Scheinegrippe-Welle dann ist, kann niemand vorhersagen.
Viele gehen leer aus
Dabei scheint die Impfmüdigkeit der Bundesbürger angesichts der immer zahlreicheren Krankheitsfälle und der mittlerweile mindestens 13 Toten verflogen. Vor zwei Monaten wollten sich laut Umfragen nur 13 Prozent auf jeden Fall impfen lassen. Seit zwei Wochen nun läuft die Massenimpfung - und viele Impfwillige gehen leer aus.
Gesunde sollen erstmal warten
Nun ist es laut Rösler wichtig, die Empfehlungen der Impfkommission zu beachten. Im Klartext bedeutet das, dass zunächst Gesunde erstmal weiter weitgehend leer ausgehen sollen. Zunächst müssten Polizisten, Feuerwehrleute und Beschäftigte im Gesundheitswesen geschützt werden, dann - oder zugleich - chronisch Kranke, weil der Erreger bei ihnen besonders hart zuschlagen kann. "Wichtig ist, dass jetzt nicht jeder sofort zu den Impfstellen rennt", sagt Rösler.
Klare Ansage für Schwangere
Und für Schwangere gibt es jetzt erstmals eine klare Ansage: 150.000 Dosen eines neuen Stoffs ohne Wirkungsverstärker soll es im Dezember geben. Doch auch das herkömmliche Serum soll geeignet sein - zumindest nach Absprache mit dem Arzt.
Ministerin warnt vor Hysterie
Hysterie sei unangebracht, versucht die Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz, Heike Taubert (SPD) aus Thüringen, die Menschen zu beruhigen. Doch in den vergangenen Tagen wurden die Menschen eher verunsichert. Beispiel Berlin: In rund 100 Arztpraxen sollte seit Montag geimpft werden - bei vielen gab es aber Fehlanzeige. Der Serumkurier blieb im wegen der Einheitsfeiern stockenden Verkehr stecken, kam außerhalb der Öffnungszeiten zu den Praxen oder lieferte weniger als gebraucht. Die Kinderärzte der Hauptstadt wollen wenigstens chronisch kranke Kinder in von der Stadt gestellten Räumen impfen - die Behörden prüfen das Angebot noch.
Wartelisten und keine Lieferungen
Beispiel Frankfurt am Main: Von den Landesbehörden bekamen die Schulleiter den Ratschlag, die Lehrer sollten sich impfen lassen. Die Gesundheitsämter teilten postwendend mit, dafür fehle es an Kapazitäten. Beispiel Tübingen: Die meisten Praxen führen Wartelisten - Impfstofflieferungen blieben zunächst aus.
Aufforderung endet mit Absage
Angesichts der Schwierigkeiten fragen sich manche, wie sie mit den Aufforderungen der Ärzte umgehen sollen. So sollen laut Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte auch Kinder unter drei Jahren gegen die Neue Grippe geimpft werden. Wenn Eltern von Kindern ohne chronische Leiden beispielsweise in der Hauptstadt aber bei Gesundheitsämtern oder Ärzten fragen, handeln sie sich reihenweise Absagen ein.
Von Basil Wegener, dpa