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Schweinegrippe-Impfung: Kritik an Regierung nimmt zu

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Kritik wegen Chaos an Regierung nimmt zu

12.11.2009, 21:14 Uhr

Ein Pieks soll vor der Schweinegrippe schützen - doch wer soll und kann ihn zuerst bekommen? Die Unsicherheit bleibt, die Engpässe auch (Foto: dpa) Ein Pieks soll vor der Schweinegrippe schützen - doch wer soll und kann ihn zuerst bekommen? Die Unsicherheit bleibt, die Engpässe auch (Foto: dpa)Die Kritik an der stockend verlaufenden Massenimpfung gegen die Schweinegrippe in Deutschland nimmt zu. Bemängelt wird vor allem mangelnder Impfschutz für Kinder und Schwangere. Die SPD warf dem neuen Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) zögerliches Vorgehen vor. Wegen der bestehenden Engpässe haben in Bayern bereits zahlreiche Deutsche versucht sich in Österreich gegen das H1N1-Virus impfen zu lassen.

"Souveränes Krisenmanagement sieht anders aus", schimpfte SPD-Expertin Carola Reimann im Bundestag an die Adresse Röslers gerichtet. Das Spitzentreffen zur Massenimpfung gegen die auch Neue Grippe genannte Infektionswelle hätte bereits vor zwei Wochen stattfinden müssen.

Kinder vorziehen?

"Man müsste Kinder gemeinsam mit systemrelevanten Gruppen vorziehen", forderte der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, Wolfram Hartmann, in der "Leipziger Volkszeitung". "Denn sie besuchen fast alle Gemeinschaftseinrichtungen", erläuterte er. "Die Impfstrategie der Bundesregierung ist medizinisch unzureichend, weil die Infektionen bevorzugt von Kindern ausgehen."

Schwangere vorziehen?

Die Grünen bemängelten die Planung für Schwangere. Dabei sei geschlampt worden, sagte Fraktionsvize Bärbel Höhn der "Saarbrücker Zeitung". Obwohl Schwangere nach der Empfehlung der Impfkommission zügig geimpft werden sollten, sei für diese Risikogruppe nun kein Serum verfügbar. Denn der für Schwangere empfohlene Impfstoff sei bisher in Deutschland nicht zugelassen: "Hektisch versucht man das jetzt nachzuholen."

Problemfall Pandemrix

Die Ständige Impfkommission hatte für Schwangere ein Serum ohne Wirkverstärker, den sogenannten Adjuvans, empfohlen. Das Robert Koch-Institut betont jedoch, dass für Schwangere grundsätzlich auch eine Impfung mit dem Massenimpfstoff Pandemrix infrage komme. Dies solle jedoch jede Frau mit ihrem Arzt abwägen. Der deutsche Staat will nun aber auch 150.000 Dosen eines Impfstoffs ohne Wirkverstärker bestellen, der aber nicht vor Dezember verfügbar sein wird.

Impfversuche in Österreich

Angesichts der Engpässe beim Impfen in Deutschland haben offenbar zahlreiche Bayern versucht, sich im benachbarten Österreich gegen die Schweinegrippe impfen zu lassen. "Es gab sehr viele Anfragen", bestätigte eine Sprecherin der Tiroler Gesundheitsbehörde. Zwischenzeitlich hätten die Impfzentren bis zu 30 Anrufe pro Tag aus Deutschland erhalten.

Nachfrage nachgelassen

Inzwischen habe die Nachfrage aber etwas nachgelassen - es hat sich wohl herumgesprochen, dass Voraussetzung für eine Impfung in Österreich ein Wohnort im Land ist. "Jeder kann die Impfung bekommen, aber Sie müssen in Österreich wohnen", erklärte die Sprecherin. In Österreich gab es bisher einen Schweinegrippe-Todesfall. Das Land hat ausreichend Impfstoff für alle 8,3 Millionen Einwohner geordert.

4000 Tote in USA

Auch im Ausland geht der Kampf gegen die Schweinegrippe weiter. In den USA ist die Zahl der tödlich verlaufenen Infektionen in den USA inzwischen auf mindestens 4000 gestiegen. Die Gesundheitsbehörden teilten am Mittwoch mit, diese Zahl schließe Sterbefälle aufgrund von Komplikationen wie Lungenentzündungen und bakterielle Infektionen mit ein.

Massenimpfung auch in Frankreich

In Italien zählen die Behörden inzwischen 42 Todesopfer. Zwei Menschen starben am Vormittag, fünf innerhalb von 24 Stunden, wie italienische Medien berichteten. In den meisten Fällen handele es sich um Patienten, bei denen das H1N1-Virus auf bereits bestehende Krankheiten traf. Nach der Impfung von Krankenhausärzten hat indes auch in Frankreich die Massenimpfung der Bevölkerung gegen die Schweinegrippe begonnen. Frankreich hat für 712 Millionen Euro 94 Millionen Impfdosen gekauft. Bisher starben 49 H1N1-infizierte Menschen in Frankreich, davon allerdings 27 in überseeischen Gebieten des Nachbarlandes.



Quelle: dpa , AFP , dapd

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