Etwa zwei Millionen Bürger sind mittlerweile gegen H1N1 geimpft (Foto: ddp)Das Ende der ersten Schweinegrippe-Welle könnte erreicht sein. Zu diesem Schluss kommt das Robert Koch-Institut angesichts stark rückläufiger Infektionszahlen. Entwarnung wollen die Behörden trotzdem noch nicht geben: Eine zweite Welle könne durchaus kommen.
Seit Mitte November ist die Zahl der gemeldeten H1N1-Infektionen stark zurückgegangen: Innerhalb der vergangenen zwei Wochen sei die Zahl der Neuinfektionen von 33.000 auf 23.000 gesunken, teilte das Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin mit. Präsident Jörg Hacker sprach deshalb von einem möglichen Ende der ersten Schweinegrippe-Welle. Der Scheitelpunkt könnte erreicht sein, sagte Hacker bei einer Sitzung des Gesundheitsausschusses.
Allerdings gab Johannes Löwer, der bis vor Kurzem noch Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) gewesen ist, zu bedenken, dass es durchaus zu einer weiteren Welle kommen könne. Auch der Berufsverband der Frauenärzte (BVF) befürchtet das. Weil weiterhin eine Ansteckungsgefahr bestehe, rief der Verband alle werdenden Mütter zur Impfung auf. Eine Immunisierung sei nicht nur für Schwangere mit Übergewicht oder chronischen Krankheiten, sondern auch für gesunde Schwangere empfehlenswert, sagte BVF-Sprecher Michael Wojcinski.
Sorgfältige Risiko-Nutzen-Abwägung
Nach Angaben des Ehrlich-Instituts birgt Pandemrix, der gängige Impfstoff gegen die Schweinegrippe, "keine unmittelbar erkennbare Gefährdung" für Schwangere. Sie sollten sich aber vor einer Impfung mit Pandemrix von einem Arzt beraten lassen, empfahl das Institut. Es müsse klar sein, dass der Nutzen einer Impfung die möglichen Risiken überwiegt.
Studien zu Pandemrix nicht vollständig
Zugleich räumten die Experten ein, dass klinische Studien, die eine vollständige Unbedenklichkeit von Pandemrix für Schwangere belegten, noch fehlten. Tests an trächtigen Kaninchen und Ratten sowie Analysen der Pandemrix-Bestandteile gäben aber keinen Anlass zur Sorge. Die rund 150.000 Dosen mit einem speziellen Impfstoff für Schwangere sollen "in Kürze" zur Verfügung stehen. Ursprünglich sollten sie Ende November ausgeliefert werden.
Nachfrage nach Impfungen sinkt
Bezüglich der rückläufigen Infektionsfälle sagte Wojcinski: "Nach der Lockerung der Meldepflicht werden nicht mehr alle Verdachtsfälle gemeldet, deswegen sinken die Zahlen natürlich." Nachgelassen habe auch die Nachfrage nach Impfungen.
Kein Tod durch Schweinegrippe-Impfung
Bisher sind dem Bundesinstitut für Impfstoffe 658 Verdachtsfälle von nachteiligen Reaktionen nach einer Schweinegrippe-Impfung gemeldet worden, darunter 15 Todesfälle. Einen Zusammenhang zwischen Impfung und Tod habe man aber bisher in keinem Fall festgestellt, sagte eine Sprecherin. Die meisten Patienten seien vorerkrankt gewesen. Nach Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts wurden bundesweit bisher 4 bis 5,8 Millionen Dosen Pandemrix benutzt.
Allergischer Schock durch Celvapan
Erstmals wurde eine schwere Nebenwirkung nach der Impfung mit Celvapan, dem Impfstoff ohne Wirkverstärker, bekannt. "Das war eine anaphylaktische Reaktion", so eine Mitarbeiterin des Ehrlich-Instituts. In bis zu zehn Fällen pro einer Million Celvapan-Impfungen könne es zu einer solchen Reaktion kommen.
Schwedische Studie zu Nebenwirkungen
In einer Studie aus Schweden werden unerwartete Reaktionen nach der Schweinegrippe-Impfung auflistet. Demnach wurden dort bis Mitte November unter anderem 26.000 Kinder im Alter von bis zu drei Jahren geimpft. Dabei wurden zwei Fälle von ernsthaften Reaktionen wie etwa mehrmaliges Erbrechen gemeldet. Außerdem seien 31.000 Schwangere mit Pandemrix geimpft worden. Vier Fehlgeburten und ein im Mutterleib gestorbener Fötus standen dabei im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung. In keinem dieser Fälle wurde die Impfung aber als Ursache bestätigt.
Bislang 66 Todesfälle in Deutschland
Insgesamt seien seit dem ersten Auftauchen der Schweinegrippe in Deutschland rund 172.000 Infektionsfälle gemeldet worden. An der Krankheit gestorben waren bis zum Dienstagnachmittag 66 Menschen. Die meisten der Opfer hatten allerdings Vorerkrankungen.