30.08.2010, 09:51 Uhr
Die Atomindustrie kann wohl auf zehn bis 15 Jahre Laufzeitverlängerung hoffen (Foto: imago) (Quelle: imago)
Die schwarz-gelbe Koalition will die Laufzeiten der deutschen Atomkraftwerke um mindestens zehn Jahre verlängern. Nach der Vorlage eines Experten-Gutachtens sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Sonntag in der ARD, sie halte eine Laufzeit-Verlängerung um zehn bis 15 Jahre für "fachlich vernünftig". Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle plädierte für mindestens zwölf Jahre längere Laufzeiten.
Merkel sagte, das Gutachten habe ergeben, dass eine Verlängerung im zweistelligen Bereich notwendig sei. Hier seien die besten Ergebnisse bei Versorgungssicherheit, Strompreis und CO2-Verringerung zu erwarten.
Daneben müsse noch geklärt werden, wie die Sicherheit der Atom-Meiler bei der Laufzeit-Verlängerung gewährleistet werden könne. Außerdem müsse die Verlängerung so gestaltet werden, dass diese ohne Zustimmung des Bundesrats erfolgen könne, wo Schwarz-Gelb keine Mehrheit mehr habe.
Brüderle sagte der "Wirtschaftswoche", aus dem Gutachten gehe hervor, dass der volkswirtschaftliche Nutzen bei einer Laufzeitverlängerung von zwölf oder 20 Jahren höher sei als bei den Extrem-Varianten mit vier und 28 Jahren. "Deshalb sollten wir uns dazwischen einigen." Vizekanzler Guido Westerwelle (FDP) sagte im ZDF ohne Bezug auf das Gutachten, er plädiere für zehn bis 15 Jahre längere Laufzeiten.
Wie mehrere Zeitungen berichteten, kommt das Gutachten zu dem Schluss, dass bei zwölf Jahren mehr Laufzeit der Strompreisanstieg für Privathaushalte um vier Prozent gedämpft würde, bei zwanzig Jahren um sieben Prozent. Die Treibhausgasemissionen würden um zehn bis 16 Prozent reduziert, berichteten "Frankfurter Allgemeine Zeitung", "Stuttgarter Zeitung" und "Focus".
Wie die "Berliner Zeitung" und das "Handelsblatt" berichteten, wären ohne Laufzeit-Verlängerung massive Stromimporte aus dem Ausland notwendig. Die Strompreise würden bei einem schnellen Ausstieg aber nicht steigen, hieß es unter Berufung auf Regierungskreise. Die Bundesregierung hatte am Freitagabend das von ihr in Auftrag gegebene Gutachten erhalten. Dafür war von den Gutachtern durchgerechnet worden, welche Folgen eine Laufzeitverlängerung von vier, zwölf, 20 und 28 Jahren auf das Klima und die Volkswirtschaft hat.
Am Wochenende berieten Fachleute von Wirtschafts- und Umweltministerium darüber. Das Gutachten soll in der kommenden Woche veröffentlicht werden. Bis Ende September will Schwarz-Gelb über die Laufzeiten-Verlängerung entscheiden und die künftige Atompolitik in ihr geplantes Energiekonzept einbetten.
Quelle: dpa
Lobo schrieb:
am 29. August 2010 um 15:46:57
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Wozu längere Laufzeiten für AKW?
Jeder, der mit der derzeitigen Energiepolitik der Bundesregierung nicht einverstanden ist, kann sauberen
Strom von einem atomstromfreien Anbieter beziehen, und somit die Diskussion über unsinnige Laufzeitverlängerungen überflüssig machen. Denn die Macht des Verbrauchers sollte nicht unterschätzt werden. Ein Anbieterwechsel ist ganz schnell und einfach vollzogen!
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