Videobild vom Schuhwurf auf US-Präsident Bush (Quelle: AFP)
Dem Schuhwerfer von Bagdad soll schon in der kommenden Woche der Prozess gemacht werden. Am Donnerstag bat er den irakischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki um Verzeihung dafür, dass er am vergangenen Wochenende US-Präsident George W. Bush mit Schuhen beworfen hat.
Der Journalist Montasser al-Saidi habe Bedauern über seine "hässliche Tat" geäußert, berichtete der TV-Sender Al-Arabija am Donnerstagabend. Der 29-Jährige habe Al-Maliki gebeten, ihm zu verzeihen "wie einem Sohn, der seinen Vater um Vergebung bittet."
Die Familie bangt um Montasser al-Saidi: Sein Onkel zeigt ein Foto des Journalisten in dessen Zimmer (Foto: dpa)
Regierungschef schweigt
Ein Sprecher des Regierungschefs wollte sich nicht dazu äußern, ob Al-Maliki die Entschuldigung angenommen habe. Er verwies vielmehr darauf, dass das Verfahren gegen den Journalisten noch laufe. Der irakischen Fernsehjournalist könnte zu sieben bis zehn Jahren Haft verurteilt werden.
Anwalt: Keine Folter
Unterdessen erklärte einer der Anwälte des Journalisten, Al-Saidi werde entgegen anderslautender Berichte in der Haft nicht misshandelt. Sein Mandant habe ihm versichert, dass er bei guter Gesundheit sei, sagte der Anwalt der Nachrichtenagentur Aswat al-Irak. Sie hätten am Mittwoch miteinander telefoniert.
Bei Festnahme Brüche erlitten
Die Familie des Journalisten hatte nach dessen Festnahme, die im Fernsehen live zu sehen gewesen war, die Befürchtung geäußert, er könne in der Haft misshandelt werden. Sein Bruder hatte erklärt, die Sicherheitskräfte hätten Al-Saidi bei der Verhaftung einen Arm und mehrere Rippen gebrochen.
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Journalist bleibt in Haft - zur Sicherheit
Der Antrag Al-Saidis auf vorläufige Freilassung hat der zuständige Richter derweil abgelehnt. "Wenn er freikommen würde, wäre das wegen möglicher Anschläge ein Risiko für ihn", begründete Richter Dhija al-Kenani seine Entscheidung. Zudem würde der vor allem in der arabischen Welt umjubelte Iraker dann von Journalisten belagert werden.
Schuhe angeblich bei Untersuchung zerstört
Al-Saidi hatte Bush während einer Pressekonferenz in Bagdad mit Schuhen beworfen. Dazu hatte er gerufen: "Das ist der Abschiedskuss für Dich, Du Hund." Bush war den Schuhen geschickt ausgewichen. Nach einem unbestätigten Bericht wurden die Schuhe inzwischen zerstört, als sie vom Geheimdienst auf Sprengstoff untersucht wurden.
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Viele feiern Schuhwerfer als Helden
Der Schuhwerfer war am Mittwoch erstmals einem Untersuchungsrichter vorgeführt worden. In der arabischen Welt ist dem Journalisten viel Sympathie zuteil geworden. Täglich gehen in Bagdad und im Nordirak Menschen auf die Straße, um für die Freilassung ihres "Helden Montasser" zu demonstrieren.
Tumult im Parlament wegen Schuhwerfer
Die Mitglieder der Regierungsparteien der Schiiten und Kurden fordern dagegen seine Bestrafung. Am Mittwoch hatte der Parlamentsvorsitzende Mahmud al-Maschhadani mit seinem Rücktritt gedroht, nachdem die Parlamentarier in einer chaotischen Sitzung über den Fall gestritten hatten.