29.05.2007, 11:29 Uhr | Von Gisela Ostwald, dpa
Nichts ist echt im ersten "Creation Museum" der USA - bis auf ein paar Schildkröten im Teich. Adam trägt seinen dichten Bart in einem wachsfarbenen Gesicht. Eva entspringt perfekt frisiert und selig lächelnd aus einer seiner Rippen. Kain beugt sich - auch er elektronisch gesteuert - über seinen gerade erschlagenen Bruder Abel. Andere Figuren in Lebensgröße sägen und hämmern an der Arche Noah, und Methusalem ruft mit warnender Stimme: "Mit jedem Tag rückt das jüngste Gericht näher!"
Stichwort
Schöpfungsgeschichte als "wissenschaftlich" bezeichnet
5000 Quadratmeter füllt das Kreationismus-Museum in Petersburg bei Cincinnati mit Szenen aus der Bibel. Ihnen käme aber nicht etwa nur bildhafte Bedeutung zu, sagt Museumsdirektor Ken Ham. Vielmehr wiesen sie die Schöpfungsgeschichte nunmehr "wissenschaftlich" nach. Der Bibel zufolge war die Erde in sechs Tagen geschaffen worden, und zwar im Jahr 4004 vor Christus. Das hat ein Bischof im 17. Jahrhundert berechnet.
"Disneyland der Kreationisten"
Tausende Forscher und Lehrer sehen in dem am Pfingstmontag eröffneten Museum die jüngste Attacke von Kreationisten und Anhängern der Theorie vom "Intelligenten Design" gegen Darwins Evolutionslehre. Das Nationale Zentrum für naturwissenschaftliche Erziehung nennt es "das Disneyland der Kreationisten". Tatsächlich entstand das "Creation Museum" unter der kreativen Federführung des Designers Patrick Marsh, der in Floridas Universal Studios die Attraktionen zu den Kinohits "Der weiße Hai" und "King Kong" entworfen hatte.
Noah fuhr durch denGrand Canyon
Gründer der neuen Einrichtung ist eine Gruppe von Evangelikalen, die sich "Answers in Genesis", also "Antworten im Buch Genesis", nennt. Ihnen zufolge entstand zum Beispiel der Grand Canyon durch die Große Flut, vor der Noah die Tiere in seiner Arche rettete. Sie sammelte private Spenden von zusammen 27 Millionen Dollar, die meisten in Höhe von je 100 Dollar, für ihr Projekt. Mit seiner strategisch ausgeklügelten Lage im Zentrum der USA ist das Museum "Answers in Genesis" zufolge für Zweidrittel der amerikanischen Bevölkerung in weniger als sechs Stunden Autofahrt erreichbar.
Bekehrung für 20 Dollar Eintritt
Es soll zwischen 2000 und 3000 Besucher pro Tag in ihrem Glauben zur göttlichen Schöpfung bestärken - oder auch dazu bekehren. Sonst würde demnächst auch noch die Jungfrauengeburt oder die Auferstehung von Jesus Christus angezweifelt werden, begründet Direktor Ham die Botschaft seines Museums. Diese kommt aber keineswegs umsonst. Mit einem Eintritt von knapp 20 Dollar pro Erwachsenem trauen sich die Kreationisten auf das Preisniveau des New Yorker Metropolitan Museums mit seinen Originalen aus ebenfalls Tausenden von Jahren.
US-Zeitungen spotten
Zur Einweihung demonstrierten Anhänger einer Gruppe, die sich "Kampagne zur Verteidigung der Verfassung" ("Campaign to Defend the Constitution") nennt, vor dem Museum gegen dessen anti-darwinistische Lehren. US-Medien wie die "New York Times" und die "Washington Post" berichteten ungläubig spöttelnd über den historischen Rahmen der Kreationisten-Ausstellung: Sie scheue sich nicht, Adam und Eva neben Dinosaurier zu platzieren, die nach wissenschaftlicher Erkenntnis bereits seit gut 60 Millionen Jahren nicht mehr die Erde bevölkern. Die "Los Angeles Times" spottete, dass das Museum Theorien als Wissenschaft präsentiere, die zur Zeit von Kolumbus populär waren.
Quelle: t-online.de
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