19.02.2010, 11:50 Uhr
Grünes Licht für die neue EU-Kommission: Nach dem Votum des EU-Parlaments kann das Spitzengremium mit 27 Kommissaren seine Arbeit aufnehmen. Als Schlüsselressorts gelten Außenpolitik, Wettbewerb, Binnenmarkt, Handel, Klima, Agrar, Energie und Wirtschaft.
EU-Außenministerin Catherine Ashton (53) hat erst vor 15 Monaten das Brüsseler Parkett betreten. Die Baronin Ashton of Upholland und Vertraute des britischen Premierministers Gordon Brown hat kaum internationale Erfahrung. Vor acht Jahren leitete sie noch die Gesundheitsbehörde der englischen Grafschaft Hertfordshire. Brown machte die Labour-Parteikollegin später zur Repräsentantin seiner Regierung im Oberhaus. 2008 wurde sie EU-Handelskommissarin. Zur Chefdiplomatin wurde sie im Rahmen eines Gesamtpakets für die EU-Spitzenposten bestellt: Gesucht wurde eine Frau aus dem linken Spektrum. Sie ist verheiratet, hat zwei Kinder und drei Stiefkinder.
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Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia stammt aus dem spanischen Baskenland. Der in Bilbao geborene Jurist und Betriebswirt hat deutsch-jüdische und marokkanische Vorfahren. Der für seinen ironischen Humor bekannte 61-Jährige promovierte über Karl Marx. Während der Franco-Diktatur trat er 1974 im Untergrund der Sozialistischen Arbeiterpartei Spaniens (PSOE) bei. In dieser setzte er später durch, das Wort "marxistisch" aus dem Programm zu streichen. Von 1997 bis 2000 war der Ex-Arbeitsminister und bisherige Währungskommissar Parteichef. Er ist mit einer Professorin verheiratet und zweifacher Vater.
Der neue Binnenmarkt-Kommissar ist Frankreichs Ex-Außenminister Michel Barnier (59). Er war bis 2004 EU-Kommissar für Regionalpolitik und zuletzt Mitglied des Europaparlaments. Der neue Binnenmarkt-Ressortchef bekleidet seit mehr als zehn Jahren hohe politische Ämter. 1993 wurde er Umweltminister, zwei Jahre später Europaminister, dann Außenamtschef, zuletzt Agrarminister. Der Absolvent einer der französischen Elite-Hochschulen gilt als ehrgeizig. Innerhalb der französischen Konservativen war er stets ein Befürworter der europäischen Einigung. Er ist mit einer Anwältin verheiratet und hat drei Kinder.
EU-Kommissar für Handel wird Karel de Gucht (56). Der Belgier war von 2004 bis 2009 Außenminister seines Landes. In der Europapolitik kennt er sich bestens aus: Als 26-Jähriger wurde er Mitglied des EU-Parlamentes. Erst danach spielte er auch in der Landespolitik eine Rolle. Er führte von 1999 an für fünf Jahre die flämischen Liberalen, wurde belgischer Parlamentarier und später Außenminister. Das Amt gab er auf, als er 2009 zum EU-Kommissar für Entwicklung und humanitäre Hilfe ernannt wurde. De Gucht ist verheiratet und hat zwei Kinder
Um die Landwirtschaft kümmert sich der frühere rumänische Agrarminister Dacian Ciolos (40), der als äußerst frankophil gilt: Er hat in Frankreich studiert und ist mit einer Französin verheiratet. Außerdem kennt er die Arbeitsweise der Generaldirektion Agrar in der EU-Kommission schon recht gut, nachdem er dort einmal Praktikant war. Ciolos Nähe zu Frankreich wird von den liberaleren, reformorientierten Ländern wie Großbritannien oder Schweden kritisch gesehen, zumal seine Hauptaufgabe die künftige EU-Agrarpolitik sein wird. Milliarden-Bezieher wie Frankreich oder Deutschland kämpfen um ihre Pfründe - spannende Debatten stehen an.
Die Wahl der ehemaligen dänischen Klima- und Energieministerin Connie Hedegaard (49) zur neuen EU-Klimakommissarin lag auf der Hand: Sie war Gastgeberin des Kopenhagener Klimagipfels und zeichnet sich durch Fachwissen und Netzwerke aus. Sie ist Mitglied der konservativen Volkspartei und war früher Journalistin. Sie will einen Schulterschluss der 27 EU-Staaten erreichen, um beim nächsten UN-Klimagipfel im Dezember in Mexiko doch noch einen echten Weltklimavertrag zu bekommen.
Günther Oettinger (56), bisher CDU-Ministerpräsident von Baden-Württemberg, hat sich in der Atomkraftdebatte massiv für längere Laufzeiten der Reaktoren eingesetzt. In Brüssel wird er nun Kommissar für Energiefragen. Oettinger soll für die Liberalisierung der Energiemärkte und den Ausbau erneuerbarer Energien sorgen. Der Rechtsanwalt dürfte im neuen Amt von seinem Fachwissen in der Finanz- und Wirtschaftspolitik profitieren. Oettinger lebt getrennt von seiner Frau, hat einen Sohn und spielt gerne Tennis und Fußball.
Wirtschafts- und Finanzkommissar ist der Finne Olli Rehn (47). Er war bislang für die EU-Erweiterung zuständig. Mit 25 Jahren übernahm er den Vorsitz der Jugendorganisation der finnischen Zentrumspartei, in der er schnell aufstieg. Innerhalb weniger Jahre wurde er Vize-Chef, Stadtratsmitglied in Helsinki und Abgeordneter. Rehn gilt als Experte für internationale Beziehungen. Der Liberale wird von seinen Kollegen als hervorragender Vermittler und Diplomat geschätzt.
Quelle: dpa
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