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Schlafwandeln tritt häufiger nach Schlafmangel auf
19.03.2008, 14:44 Uhr
Wer zu wenig schläft, fordert das Schlafwandeln geradezu heraus (Quelle: imago)Menschen, die zum Schlafwandeln neigen, reagieren auf einen Mangel an Schlaf besonders stark mit nächtlichen Aktivitäten. Das ist das Ergebnis einer Studie von Wissenschaftlern der Universität Montreal. Auf der Suche nach besseren Diagnosemöglichkeiten für den sogenannten Somnambulismus entzogen die Forscher ihren Probanden gezielt den Schlaf.
24 Stunden wach
Antonio Zadra und seinen Kollegen gelang es so, bei 90 Prozent der Testteilnehmer schlafwandlerische Ereignisse hervorzurufen. Dazu hatten sie Patienten, die als Schlafwandler bekannt waren, 24 Stunden lang wach gehalten. Als sie dann endlich schlafen durften, zeigten neun von zehn Probanden Anzeichen von Schlafwandeln.
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Im Schlaf gewalttätig
Schlafwandeln kann mitunter gefährlich sein, sowohl für die betroffene Person als auch für Menschen in der Umgebung. Es gibt sogar Berichte darüber, dass Menschen im Schlaf Gewalttaten verübten. Häufiger jedoch verletzen sich schlafwandelnde Personen selbst, etwa bei Stürzen oder anderen Unfällen. Trotz der teilweise drastischen Erlebnisse ist die Diagnose von Somnambulismus aber schwierig: bis heute gibt es keine gesicherte Methode, die diese Form der Schlafstörung mit Sicherheit anzeigen kann.
Die Hälfte wandelt auch im Normalzustand
Die Ergebnisse ihrer Studie machen den Wissenschaftlern aber Hoffnung, Schlafwandler künftig sicherer diagnostizieren zu können. Zadra und seine Kollegen testeten in vier Jahren 40 ausgewählte Teilnehmer. Zunächst mussten diese eine Nacht im Schlaflabor der Universität verbringen, wobei sie ganz normal schlafen durften. Hier beobachteten die Forscher bei 50 Prozent ihrer Patienten schlafwandlerische Ereignisse.
Fast alle reagieren auf Schlafmangel
In der darauffolgenden Nacht wurden die Probanden dann gezielt wach gehalten. Sie durften erst schlafen, nachdem sie einen ganzen Tag wach verbracht hatten. In der anschließenden Schlafphase, die die Forschern filmten, zeigten 90 Prozent der beobachteten Personen Anzeichen von Somnambulismus. Die Schlafstörungen reichten dabei vom Herumspielen an den Bettlaken bis hin zum Aufstehen aus dem Bett.
Warnung: Keine kriminologische Methode
Zwar warnen die Autoren davor, mit dieser Untersuchungsmethode nach gerichtsverwertbaren Beweisen zu fahnden – etwa wenn es um Straftaten geht, die möglicherweise während einer Schlafwandelphase begangen wurden. Für die klinische Diagnose sehen die Forscher aber ein hohes Potenzial im kontrollierten Schlafentzug. Aufgrund ihrer Ergebnisse haben Zadra und seine Kollegen auch noch einen Tipp für Schlafwandler: Sie raten Betroffenen, möglichst regelmäßige Schlafzeiten einzuhalten und Schlafmangel zu vermeiden.
Quelle: t-online.de