Spitzenkräfte als Lehrer an Schulen? Nach Ansicht von Bildungsministerin Schavan eine sinnvolle Kombination (Quelle: imago)
Um das Ausbildungsniveau an Schulen zu heben, will Bundesbildungsministerin Annette Schavan Spitzenkräfte aus der Wirtschaft zeitweise als Lehrer in den Unterricht entsenden. "Ich fordere alle Unternehmen auf, ihre Top-Mitarbeiter für den Schulunterricht freizustellen", sagte Schavan der "Bild"-Zeitung. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisierte den Vorschlag scharf. Unterstützung bekam Schavan dagegen aus dem Bundesland Thüringen.
Kultusminister Bernward Müller sagte der "Leipziger Volkszeitung", in Thüringen würden bereits hochqualifizierte Unternehmensmitarbeiter an den Schulen als begleitende Experten eingesetzt. "Wir brauchen den Austausch mit der Wirtschaft. Nur so können wir unsere Absolventen optimal auf das Berufsleben vorbereiten", sagte der CDU-Minister.
Die GEW bezeichnete den Vorstoß dagegen als Nonsens."Das ist hanebüchen", sagte Jochen Nagel, Vorsitzender des Landesverbandes Hessen, zu t-online.de. "Manager sind für diese Arbeit doch überhaupt nicht qualifiziert." Es werde nur eine neue Sau durchs Dorf getrieben und dabei das eigentliche Problem des Lehrermangels übersehen.
Eigentliches Problem wird nicht gelöst
Das sieht auch der GEW-Bundesvorsitzende Ulrich Thöne so. Die Kultusministerkonferenz solle eine gemeinsame Kampagne für den Lehrerberuf starten., sagte Thöne. Nötig seien attraktive Arbeitsbedingungen und ein gutes Gehalt.
Schavan: "Sinnvolle Impulse"
Schavan geht jedoch davon aus, dass ein Austausch zwischen Unternehmen und Schulen "sinnvolle Impulse für die Schüler bringen" würde. Als Beispiel nannte die CDU-Politikerin einen Ingenieur, der zwei Stunden wöchentlich Physik- oder Mathematikunterricht geben könnte.
Gute Schüler werden selten Lehrer
Der CDU-Landesvorstand aus Baden-Württemberg, Thomas Volk, forderte zudem, dass angehende Lehrer mindestens eine Abi-Durchschnittsnote von 2,0 haben sollten. "Es kann nicht sein, dass viele eher schlechte Abiturienten unseren Nachwuchs unterrichten", sagte Volk. Hintergrund ist eine neue Studie des Münchner ifo-Instituts, nach der Abiturienten mit guten Noten nur selten Lehrer werden. Das Lehramtsstudium sei für viele angehende Lehrer nur eine Notlösung, weil sie an Zulassungsbeschränkungen in anderen Fächern gescheitert seien.
Nur Gymnasiallehrer im guten Durchschnitt
Ludger Wößmann, Leiter der Münchner Studie, hat die Schulnoten der Lehrer mit denen anderer Berufsgruppen verglichen. "Nur Gymnasiallehrer haben einen Abiturdurchschnitt, der so gut ist wie der von anderen Uni-Absolventen", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Lehrer für Grundschulen und für die Sekundarstufe I hingegen waren deutlich schlechter im Abitur."