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"Erde schwankt und torkelt"
30.12.2008, 11:56 Uhr | Von Anita Pöhlig, dpa
Neujahr wird der längste Tag des Jahres 2009 (Foto: Imago)Das Jahr 2009 beginnt gleich mit einer Besonderheit - in der Silvesternacht werden die Funkuhren um 0:59:59 Uhr beim nächsten Sekundentick nicht auf ein Uhr springen, sondern kurz innehalten. Die Erde und die Atomuhren sind nach drei Jahren mal wieder aus dem Gleichtakt geraten. Daher baut die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) eine kleine Portion Extrazeit ein. Damit wird der erste Januartag mit der längste Tag des neuen Jahres.
Die Genauigkeit dieser Uhren ist nicht zu übertreffen, schon gar nicht von Mutter Erde. "Während die Atomuhren jeden Tag in genau 86.400 Sekunden einteilen, nimmt sich unser Planet ein wenig mehr Zeit für seine Umdrehung", erläutert Andreas Bauch, vom Zeitlabor der PTB.
Die Erde wird langsamer
"Unsere Erde schwankt und torkelt ein wenig vor sich hin und wird in ihrer Drehbewegung sogar tendenziell langsamer - Ebbe und Flut wirken wie eine permanent schleifende Bremse", erklärt der Experte weiter. Wird die Erde langsamer, dehnen sich die Tage aus, was sich über Jahrhunderte hinweg durchaus bemerkbar macht. Um diesen winzigen Unterschied auszugleichen, verlängert die PTB die erste Stunde des neuen Jahres um eine sogenannte Schaltsekunde.
Atomuhren ticken unvorstellbar schnell
Im Inneren der Uhren ermöglichen die Schwingungen von Cäsium-Atomen - fast zehn Milliarden Mal in der Sekunde - die genaue Zeitmessung: Für Menschen unvorstellbar genau. Seit 1967 ist diese Dauer einer Atomsekunde die Basis für die offizielle Zeitmessung. Wegen der ungleichmäßigen Erdumdrehungen hatte sich dann aber 1972 bereits eine Differenz von zehn Sekunden ergeben und es wurden die Schaltsekunden eingeführt. Seitdem spricht man von der "koordinierten Weltzeit".
Präzise Weltzeit ist wichtig
Wie unregelmäßig schnell sich die Erde dreht, sieht man daran, dass zwischen 1999 und 2006 sieben Jahre vergingen, bevor eine Schaltsekunde nötig wurde, zuletzt waren es nur drei Jahre. Das Zentralbüro des Erd-Rotations-Service in Paris ist dafür verantwortlich, dass offizielle Uhren in aller Welt im gleichen Takt schlagen. Aufgrund astronomischer Messungen der Erdumdrehungen berechnet das Pariser Büro den Bedarf an zusätzlicher Schaltzeit. Ob im Flugverkehr oder bei der Übertragung von Fernsehsignalen - eine präzise Weltzeit wird immer wichtiger.
"Alles bleibt im richtigen Takt"
Besitzer einer Funkuhr müssen sich um den Sekundenausgleich in der Silvesternacht übrigens nicht kümmern: Ebenso wie bei der Sommer- und Winterzeit wird über ein Signal des Zeitsenders DCF 77 bei Frankfurt am Main automatisch die exakte Zeit gestellt. "Damit bleibt dann alles im richtigen Takt", sagt PTB-Pressesprecher Jens Simon und fügt hinzu: "Und auf präzise Zeitmessung können wir alle im Zeitalter weltweiter Vernetzung nicht mehr verzichten."
Von Anita Pöhlig, dpa