18.07.2006, 15:39 Uhr
Im Operationssaal eines Krankenhauses muss es oft sehr schnell gehen. Da kommt es - zwar selten, aber dennoch - vor, dass die Chirurgen ab und zu einen der vielen Tupfer oder gar ein Instrument im Bauch des Patienten vergessen. Das passiert zwar nur einmal bei 16.000 Operationen. Die Folgen können aber schwer wiegend bis tödlich sein: Infektionen, Abszesse oder eine Blutvergiftung. Der Chirurg Alex Macario von der US-Universität Stanford hat nun eine neue Methode erprobt, wie vergessene Kompressen schneller wieder gefunden werden: indem in die Tupfer Funk-Chips eingenäht werden. Seine Ergebnisse stellte er nun in der Fachzeitschrift "Archives of Surgery" vor.
Überblick über Tupfer im Notfall schwierig
Normalerweise zählen die Krankenschwestern vor und nach jeder Operation die Instrumente und Tupfer ab. Doch einen vergessenen, Blut getränkten Tupfer in der Bauchhöhle wieder zu finden, gestaltet sich oft nervenaufreibend. Dazu kommt, dass sich bei Notfall-Eingriffen nicht immer überblicken lässt, wie viele Tupfer genau benutzt wurden. Bei einer normalen Bauchoperation verbrauchen die Chirurgen etwa 50 davon.
Funkchips wie im Kaufhaus
Macario benutzte für seine Versuche RFID-Chips, wie sie auch Kaufhäuser benutzen, um ihre Waren vor Diebstahl zu sichern. Bei seinen Tests versteckte er absichtlich mit einem Chip versehene Tupfer in der Bauchhöhle von Patienten. Ein Kollege suchte anschließend mit einem Scanner danach. Das Ergebnis: Alle Tupfer waren nach wenigen Sekunden lokalisiert. Wie im Kaufhaus piepst der Scanner, wenn er in die Nähe eines Funk-Chips kommt.
Probleme mit anderen Geräten möglich
Die US-Forscher sind von der Methode überzeugt. Sie sehen allerdings das Problem, dass die Chips eventuell andere technische Geräte im OP stören könnten. Auch seien sie zu groß für manche andere Utensilien, die bei Operationen verwendet werden.
US-Firma produziert schon
Ein weiteres Problem könnten die Kosten für die Umrüstung sein. Zwar sind RFID-Chips sehr billig, doch allein in den USA werden jährlich in Krankenhäusern über zwei Milliarden Tupfer benutzt, berichtet die Wissensnachrichtenagentur "ScienceNOW". Eine US-Firma hat sich aber schon an die Entwicklung von Tupfern mit Chip gemacht. Im Herbst sollen die ersten auf den Markt kommen.
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