Sauerlandzelle finanzierte Terrorpläne mit Hartz IV
15.09.2008, 12:04 Uhr
Adem Y., Fritz G. und Daniel S.: Die Sauerlandzelle bei ihrer Festnahme im September 2007 (Fotos: dpa)Der mutmaßliche Rädelsführer der islamischen Terroristen der Sauerlandzelle hat laut "Focus" die Vorbereitung der geplanten Bombenanschläge in Deutschland auch mit Hartz-IV-Bezügen finanziert. Das Bundeskriminalamt (BKA) schätze, dass der mit zwei Komplizen angeklagte Fritz Gelowicz 650 Euro pro Monat für die Attentate beisteuern konnte, berichtet das Nachrichtenmagazin. Im Oktober 2006 soll sich der 29-Jährige demnach bei der Agentur für Arbeit in Ulm und bei der Stadtverwaltung Wohn- und Arbeitslosengeld erschlichen haben.
Gelowicz habe laut BKA spätestens von Februar 2007 an in der Firma seines Vaters zusätzlich 1100 Euro pro Monat für Schwarzarbeit erhalten, berichtet "Focus". Zudem habe Gelowicz verschwiegen, dass der Lohn seiner Frau mehr als 1300 Euro betrug. Ein Sprecher der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe bestätigte, dass gegen Gelowicz und auch gegen seinen 29 Jahre alten mutmaßlichen Komplizen Adem Yilmaz wegen Sozialhilfebetrugs ermittelt wurde. Allerdings sei dies nicht mehr Gegenstand des jetzigen Verfahrens.
Die mutmaßlichen islamischen Terroristen der Sauerlandzelle sollen nach Angaben der Bundesanwaltschaft Bombenanschläge in Frankfurt, Dortmund, Düsseldorf, Stuttgart, München, Köln und im pfälzischen Ramstein, dem Sitz eines US-Luftwaffenstützpunktes, erwogen haben.
Zum Islam konvertiert
Den beiden zum Islam konvertierten Gelowicz und Daniel Schneider (22) sowie dem Türken Yilmaz wird unter anderem die Mitgliedschaft in einer inländischen terroristischen Vereinigung und die Vorbereitung eines Sprengstoffverbrechens vorgeworfen. Daniel Schneider ist zudem wegen versuchten Mordes angeklagt. Er hatte bei seiner Festnahme im September 2007 auf einen Polizisten geschossen. Sie gehören der international operierenden "Islamischen Dschihad Union" (IJU) an.
Dschihad Union von Polizei unterwandert
Nach Angaben des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" soll die IJU schon früh von Geheimdiensten und der Polizei unterwandert worden sein. Eine Lieferung von Zündern an die Gruppe sei vom US-Geheimdienst CIA und einem türkischen Geheimdienst überwacht worden. Zudem sei einer der Islamisten, die die Zünder in Istanbul besorgt haben sollen, seit zwei Jahren Informant der amerikanischen und türkischen Sicherheitsbehörden, berichtet das Magazin.
Wohngemeinschaft ausspioniert
Nach der Identifizierung der Terrorzelle im süddeutschen Raum solle außerdem die deutsche Polizei zwei Vertrauenspersonen auf Schneider angesetzt haben. Einer der Informanten soll nach Medienangaben für sechs Wochen in eine Saarbrücker Wohngemeinschaft, in der sich Schneider aufgehalten habe, gezogen sein. Von dort aus solle er Details über Schneiders Tagesablauf weitergeleitet haben, berichtet "Der Spiegel".